Film

Ben Feingold: "Wir bleiben bei Day-and-date-Strategie"

29.01.2001 11:20 • von

VideoWoche: Weshalb haben Sie sich für die Namensänderung entschieden?

Ben Feingold: Der Namens-teil "Home Entertainment" ist sinnvoller für ein Unternehmen, das im DVD-Bereich große Zuwächse zu verzeichnen hat. Aber er hat auch aus inhaltlicher Sicht Vorteile: Wir veröffentlichen Programme wie "Riverdance" oder "Cirque de Soleil", die nichts mit Film, aber doch mit Home Entertainment zu tun haben. Somit reflektiert der neue Name unsere Geschäftsfelder besser als der bisherige.

VW: Gilt die Umfirmierung vorerst nur für die USA?

Feingold: Sie gilt international, also auch für Deutschland. Die Umbenennung erfolgte offiziell zum 1. Januar 2001.

VW: Das Jahr 2000 war für die Branche in Bezug auf DVD ein sehr gutes Jahr. Können Sie für Ihr Unternehmen Details nennen?

Feingold: In Nordamerika hatten wir bei DVD Zuwächse in Höhe von 200 Prozent zu verzeichnen. Im neuen Jahr erwarten wir einen Anstieg um weitere 200 Prozent. Die Penetration mit DVD-Playern wird von 15 Mio. auf insgesamt 30 Mio. Haushalte anwachsen. Wir erwarten für Europa prozentual die gleichen Wachstumsraten wie in Amerika. Der Markt kann sich in Europa 2001 problemlos verdoppeln. Wir selbst sind derzeit mit "Gladiator" in Deutschland sehr erfolgreich. In Großbritannien werden wir von diesem Titel sogar über eine Mio. DVDs verkaufen. Ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr in mehreren europäischen Ländern bereits Titel geben wird, die sich eine Mio. Mal verkaufen werden.

VW: In Deutschland ist die Nachfrage nach Leih-DVDs groß; einige Anbieter bieten bereits Leihtitel an. Welche Strategie verfolgt CTHE?

Feingold: Nun, wir haben vom ersten Tag an DVD zeitgleich zu VHS veröffentlicht, um dem Konsumenten die Entscheidung zu überlassen, ob er den Titel kaufen oder leihen will. Wir sind mit der Day-and-date-Strategie sehr zufrieden. Rental ist ein wichtiger Markt für DVD, aber wir glauben nicht, dass ein Fenster der beste Weg ist, dem Kunden das Produkt schmackhaft zu machen. Ich glaube nicht, dass wir dazu übergehen werden, für DVD das im VHS-Verleih bekannte "Deutschmark"-Preisgefüge zu übernehmen. DVD wird weltweit von den Konsumenten akzeptiert, und wir wollen nicht in alte Strategien verfallen, die zu einer Zeit eingeführt wurden, als es Premiere World und andere digitale TV-Angebote noch nicht gab. Es ist wichtig, ein Produkt zum frühestmöglichen Zeitpunkt verfügbar zu machen.

VW: Üben digitale Angebote wie Pay per View und Video on Demand in Bezug auf die Fensterfrage bereits Druck auf Video und DVD aus?

Feingold: Was PpV und VoD angeht, glauben wir, dass beide Systeme sich weiterhin innerhalb der Auswertungsfenster bewegen werden, in denen sie sich heute schon befinden. Das sollte helfen, dass der Videomarkt weiter wächst. Die Konvertierung von VHS und DVD ist die beste Erfolgsformel, die man sich für die Videobranche vorstellen kann - für die Videotheken, aber auch für die Elektromärkte und Warenhäuser, wie beispielsweise Karstadt oder MediaMarkt.

VW: Sie kennen den deutschen Markt anscheinend sehr gut. Ist Deutschland Ihrer Meinung nach ein schwieriger Markt?

Feingold: Schon. Dennoch sehen wir dort ein ordentliches Wachstumspotenzial. Die Deutschen sind an neuen Technologien sehr interessiert, und die Akzeptanz von Film nimmt immer mehr zu, sowohl bei Hollywoodproduktionen als auch bei deutschen Titeln wie Columbias "". Der deutsche Videomarkt hat eine großartige Zukunft. Das Kinogeschäft läuft ja bekanntlich gut. Ginge es nach uns, könnte es noch ein paar mehr Videotheken und Verkaufsstellen für DVD und VHS geben. Nichtsdestotrotz hatten wir ein gutes 4. Quartal mit Titeln wie "" und "".

Wir haben in den USA mit der DVD von "Hollow Man" schon in der ersten Woche hervorragende Abverkäufe erzielt, genauso mit ""; beide Titel erscheinen in Kürze in Deutschland. Deshalb sind wir sehr optimistisch, dass wir unsere Ergebnisse in Deutschland 2001 wieder verdoppeln können.

VW: Ein Problem stellt sich beim Import von Region-1-DVDs: CTHE hat kürzlich das sogenannte Regional Code Enhancement (RCE) eingeführt, um diesen globalen Handel einzudämmen. Wie ist Ihr aktueller Standpunkt dazu?

Feingold: Wir haben RCE bei "Der Patriot" eingeführt, damit der Titel nur auf Region-1-Geräten gespielt werden kann. Wenn jemand aus Europa dazu extra einen Region-1-Player kauft, ist das ganz allein seine Sache. Alle, die Multiregion-Player zu Hause haben, dürften mit dem Titel jedenfalls ein Problem bekommen haben. Wir haben übrigens keine einzige Beschwerde von Konsumenten bezüglich des Einsatzes von RCE bekommen. Wir glauben somit, dies ist der richtige Weg. Schließlich fließt gerade in Deutschland viel Geld in den Kinomarkt, den es zu schützen gilt. Wir halten auch die lokale Sprache für sehr wichtig, weshalb wir unsere Columbia TriStar Filmproduktion Deutschland gegründet haben. Was das Verhindern von RC1-Importen angeht, unterstützen wir auch die Entscheidung der französischen Regierung, die dies zu Jahresbeginn gesetzlich verboten hat. Wir wären nicht böse, würde jemand in Deutschland dasselbe tun.

VW: Bedeutet Ihr Fokus auf einzelne Märkte, dass sie lokales Produkt auch international vermarkten wollen, wie zum Beispiel "Anatomie"?

Feingold: Sicher. "Anatomie" veröffentlichen wir im Mai in den USA; wir werden den Titel aber auch weltweit auf den Markt bringen - in der Originalversion und synchronisiert -, denn es ist ein sehr kommerzielles Produkt. Genauso wird es mit unserer nächsten deutschen Produktion, Commercial Man", laufen, die im April in die Kinos kommt. Unser größter Erfolg war bisher die Neuvermarktung von "Das Boot", die wir gemeinsam mit Wolfgang Petersen und Bavaria Film durchgeführt haben. Wir waren damit weltweit extrem erfolgreich. In Nordamerika haben wir bisher 300.000 DVDs verkauft; jeden Monat verkaufen wir weitere 10.000 bis 15.000 Stück. Ähnlich gut läuft "Das Boot" in Großbritannien und Frankreich. Wir sind der Meinung, dass es für jedes Produkt - auch wenn es nicht englischsprachig ist -, sofern es kommerziell ist, einen Markt gibt. Die Aussichten für deutsche Filme, international Erfolg zu haben, sind heute besser denn je, und wir unterstützen das vehement.

VW: Vor einiger Zeit haben Sie eine Vision vorgetragen, wonach es keine Auswertungsfenster mehr geben soll, sondern Filme - in unterschiedlichen Preiskategorien - von Kino bis TV überall gleichzeitig verfügbar sein sollen. Stehen Sie weiterhin zu diesem Vorschlag?

Feingold: Wie gesagt, es ist eine Vision. Bis das Realität werden könnte, werden sicher noch mindestens zwölf bis 15 Jahre ins Land gehen. Dazu müssten Kinos besser ausgerüstet, die Breitbanddistribution ausgebaut und der Handel noch stärker unterstützt werden. Grundsätzlich konsumieren die Menschen Filme in unterschiedlichen Kanälen. Deshalb wäre meine Vision sicher eine Möglichkeit, aber davon, wie schon gesagt, sind wir noch Jahre entfernt.

VW: Abschließend: Was ist Ihre Meinung zur diesjährigen VSDA Convention, die ja erstmals im Januar parallel zur Hardwareshow CES durchgeführt wurde?

Feingold: Ich denke, die VSDA Convention zur CES zeitgleich durchzuführen, ist eine sehr gute Idee. Schon allein das Wetter ist viel besser als im Sommer, es ist nicht so heiß! Aber im Ernst: Wir kooperieren im Promotionbereich mehr und mehr mit Hardwareunternehmen, Hardwarehändler haben immer häufiger auch Software im Sortiment. Wir arbeiten mit ihnen eng zusammen, um den DVD-Markt zu vergrößern. Das ist, vor allem in den USA aber auch in einigen europäischen Ländern, mit ein Grund, weshalb das DVD-Geschäft so boomt. Also bringt man am besten alle Partner zusammen.

Mr. Feingold, herzlichen Dank für dieses Gespräch.