Film

Mark Herrman kehrt mit Pauken und Trompeten zurück

01.01.1970 01:00 • von
Little Voice" ist das Märchen eines scheuen Mädchen namens Little Voice (Jane Horrocks), das statt zu sprechen lieber Lieder wie Monroes "I wanna be loved by you" oder Dietrichs "Lilli Marleen" bis ins kleinste Detail genau nachahmt. Little Voices laute und egoistische Mutter Mari, brillant gespielt von Brenda Blethyn, hat keinerlei Verständnis für ihre Tochter. So wird Little Voices Talent erst entdeckt, als Mari den schmierigen Showbiz-Agenten Ray Say (Michael Caine) zu einem Tete-a-tete nach Hause abschleppt.

Der Film basiert auf dem Theaterstück "The Rise and Fall of Little Voice", das vor fünf Jahren im Londoner Westend große Erfolge erzielte. Regisseur Marc Herrman ging es hauptsächlich darum, die märchenhafte Magie des Originals im Film wiederzuerwecken. "In vieler Hinsicht ist 'Little Voice' ähnlich wie 'Brassed Off', da ich auch hier eine Mischung aus Humor, Tragödie und Musik einsetze, aber zudem hat die Geschichte etwas Märchenhaftes, wodurch das Ganze zu einer Herausforderung für mich wurde", erklärt Herrman.

Nachdem Miramax mehrmals vergeblich versucht hatte, das Theaterstück in ein Drehbuch umschreiben zu lassen, fiel auch diese Aufgabe an Herrman: "Das war so ziemlich das schwierigste Drehbuch, das ich je geschrieben habe, denn das Original handelt von einem Mädchen, das nie sein Zimmer verläßt. Im Kino funktioniert das nicht."

Ein zusätzliches Problem für Herrman war die Tatsache, daß Ewan McGregor schon für die Nebenrolle von Little Voices Freund Billy feststand, bevor Herrman das Regieangebot von Miramax bekam. "Die Rolle von Billy ist im Original sehr klein, und wenn man sie für einen so bekannten Schauspieler wie Ewan McGregor umschreiben soll, weiß man nicht, ob man den Part nun vergrößern soll oder nicht. Aber ich denke, uns ist das ganz gut gelungen. Ewan gibt dieser kleinen Rolle viel Charme."

Die Marketingkampagne wird sich allerdings nicht auf McGregor konzentrieren. "Das war das Problem mit,Brassed Off' in den USA. Der Verleih hat damals auf Ewan McGregor als Zuschauermagnet gesetzt. Das funktionierte aber nicht, da Ewan nicht die Hauptfigur war", erläutert Herrman. Um einen Erfolg des Films in den USA zu gewährleisten, wurde der Film für den amerikanischen Markt zurechtgeschnitten: "Am Anfang war der Soundtrack dunkler und tragender, aber das ist beim amerikanischen Testpublikum nicht angekommen. Deshalb ist die Musik jetzt leichter."

Was den Film und seine Musik zum Leben erweckt, ist das unglaubliche Talent von Jane Horrocks, für die das Theateroriginal ursprünglich geschrieben wurde: Ihre Imitationen der großen Diven der fünfziger Jahre sind so perfekt, daß man glauben könnte, daß Horrocks die Lieder wirklich selbst singt.

Beim Schreiben des Drehbuchs ging es Herrman ganz um die Story und nicht um den Erfolg des Films: "Mit meinem ersten Film,,Blame It On The Bellboy', versuchte ich, einen kommerziellen Film zu machen, der beim internationalen Publikum ankommt. Das ging schief. Danach kam,Brassed Off', an sich ein Projekt ohne kommerzielles Potential, aber komischerweise hat der Film funktioniert. Daraus habe ich gelernt, daß es kein Patentrezept zum Erfolg gibt. Am wichtigsten ist es, daß die Geschichte vom Herzen kommt", erläutert Herrman. So ist "Little Voice" kein formelhafter britischer Soundtrack-Film. Allerdings ist die Kombination von Yorkshire, populärer Musik, einer tragikomischen Handlung und einem Schuß Kinozauber ein Rezept, das schon bei "Ganz oder gar nicht" erfolgreich war, und Miramax dürfte sicher ähnliche Hoffnungen bei "Little Voice" haben, der ab 4. Dezember in den US-Kinos zu sehen sein wird.