Film

Thomas Jahn zu 'Kai Rabe gegen die Vatikankiller'

01.01.1970 01:00 • von
Blickpunkt:Film: "Kai Rabe" ist eine böse Satire aufs deutsche Filmgeschäft. Eine persönliche Abrechnung?

Thomas Jahn: Nein, ich würde meinen Film sogar als Liebeserklärung verstehen. Ich habe das Filmgeschäft als Outsider kennengelernt und weiß, daß man sich nicht vereinnahmen lassen darf. Es wimmelt nur so von Neidern. Es kann sein, daß sich der eine oder andere wiedererkennt, obwohl alle Figuren stark überzeichnet sind.

BF: Standen Sie nach "Knockin' On Heaven's Door"nicht unter ungeheurem Erfolgsdruck?

TJ: Anfangs dachte ich, daß ich den Erfolg noch toppen müßte, aber mir wurde dann doch wieder bewußt, was ich wirklich will. Ginge es nur um Erfolg, wäre es kein Problem gewesen, nochmals eine Geschichte wie "Knockin' On Heaven's Door" zu drehen. Aber daran hätte ich keinen Spaß gehabt. "Kai Rabe" liegt mir persönlich sogar näher als mein erster Kinofilm.

BF: Wieso?

TJ: "Knockin'" war mir zu lieb, zu brav. Ich hätte die Story gern wilder und gemeiner erzählt. Aber als ich mein Buch mit Til Schweiger bearbeitete, ging es in eine andere Richtung. Das war okay so, aber "Kai Rabe" entspricht doch mehr meinem eigenen Humor und meinem Erzählstil.

BF: Was halten Sie von Til Schweiger als Regisseur?

TJ: Ich werde mir "Der Eisbär" noch ansehen, aber ich habe schon immer gesagt, daß Til das Zeug zum Regisseur hat.

BF: Ist die Figur Kai Rabe eine Parodie auf Til Schweiger?

TJ: Ich verstehe nicht, daß ich darauf jetzt immer wieder angesprochen werde. Es gibt keine Verbindung zu Til, sonst hätte er allen Grund, auf mich sauer zu sein. Warum sollte ich dem Mann eins auswischen wollen, von dem ich so viel Unterstützung bekam?

BF: Dann ist der dargestellte Regisseur auch kein Abbild von Thomas Jahn?

TJ: Keineswegs! Die Figur Rufus Lindner hat keinen Spaß am Beruf des Regisseurs, für mich ist es der Traumjob. Eine Gemeinsamkeit gibt es nur zum Drehbuchautoren, den Jan-Josef Liefers spielt. Denn mir ist es auch schon passiert, daß mir Figuren weggenommen wurden. Ich habe mehrere Drehbücher geschrieben, und die von mir erdachten Charaktere tauchen mal in dieser, mal in jener Geschichte wieder auf.

BF: Aber die aus "Knockin' On Heaven's Door" durften Sie bei "Kai Rabe" nicht benutzen?

TJ: Stimmt, aber das war mein Fehler, und ich kann jedem Drehbuchautoren nur sagen, daß man höllisch aufpassen muß, was man unterschreibt.

BF: In "Kai Rabe" bieten Sie ein gewaltiges Aufgebot an deutschen Stars.

TJ: Es gab gar kein richtiges Casting. Ich stellte mir vor, wer die eine oder andere Rolle am besten spielen könnte und rief die Leute einfach an. Ich weiß nicht, ob jetzt jeder mit Thomas Jahn arbeiten will, denn ich stehe irgendwie noch in der Beweisphase. Aber man ist neugierig auf mich geworden.

BF: "Kai Rabe" ist das erste Projekt mit Warner. Zwei weitere Filme sollen folgen. Wie kam es zu diesem Vertrag?

TJ: Es fing schon vor dem Kinostart von "Knockin' On Heaven's Door" an, daß mehrere Filmgesellschaften auf mich zukamen. Warner bot mir dann gleich drei Filme an - zwei deutschsprachige und eine internationale Produktion. Ich stellte mehrere Drehbücher vor und man sicherte mir hundertprozentige Unterstützung zu.

BF: Wie schätzen Sie die Situation des deutschen Films ein?

TJ: Es gibt grandiose Filme, aber manchmal fehlt die Risikobereitschaft der Verleiher. "Die Musterknaben" von Ralf Hüttner war so ein Fall. Kaum einer wußte von diesem Film. Man muß innovativ sein. Für "Kai Rabe" ließen wir schon nach dem ersten Drehtag Plakate aufhängen, auch hier hat mich Warner wieder voll und ganz unterstützt. Ich denke, ein Filmemacher weiß auch am besten, wie er seinen Film am effektivsten bewerben kann.