Film

Peter und Bobby Farrelly zu 'Verrückt nach Mary'

20.10.1998 00:00 • von
Blickpunkt:Film: Gibt es eine Geschmacksgrenze für Witze?

Peter Farrelly: Ja. Die Grenze ist erreicht, wenn die Zuschauer nicht mehr lachen. Wir machen sehr viele Test-Vorführungen, bevor wir den Film herausbringen. Die Zuschauer lassen uns wissen, wenn wir eine Grenze überschritten haben.

BF: Mußten Sie Szenen herausschneiden?

PF: Für die Altersfreigabe mußten wir nichts schneiden, weil wir den Film für ein erwachsenes Publikum machen wollten. Aber die Zuschauer haben uns dazu gebracht, viel zu schneiden. Einige Szenen mußten herausgeschnitten werden, um die Sympathie für die Hauptfiguren zu erhalten. Das Publikum fing an, Mary für durchgedreht zu halten.

BoF: Man kann einen Witz besser oder schlechter erzählen. Einige Szenen mußten zusammengeschnitten werden, weil das Timing nicht stimmte, wie etwa die Szene, wo man durch das Fernglas die Brüste der alten Frau sieht und die von Mary erwartet. Wenn diese Szene ein oder zwei Sekunden zu lang gewesen wäre, ist sie nicht mehr lustig. Das ist wie ein Rezept, von dem wir nicht wissen, wie es genau funktioniert, und das wir durch Tests verbessern können.

BF: Steht alles im Drehbuch oder lassen Sie die Schauspieler am Set viel improvisieren?

BoF: Wir ermutigen sie, zu improvisieren, aber erst nachdem wir gedreht haben, was im Drehbuch steht.

PF: Das Drehbuch kommt zuerst. Man muß mit einem großartigen Drehbuch anfangen oder gar nicht.

BF: Matt Dillon hat vorher noch keine komödiantische Rolle gespielt. Warum haben Sie das Risiko auf sich genommen?

PF: Das Studio wollte ihn aus genau diesem Grund nicht. Wir meinen aber, daß er ja die Witze nicht schreiben muß, sondern spielen. Und da er ein guter Schauspieler ist, kann er es auch. Wir versuchen immer, ausgebildete Schauspieler mit Komödianten zu kombinieren, weil sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen.

BF: War es leicht, Schauspieler für dieses Projekt zu gewinnen?

BoF: Sobald wir Cameron Diaz hatten, war es leicht. Sie war unsere erste Wahl.

PF: Aber wir mußten Cameron Diaz überzeugen. Sie hatte das Drehbuch gelesen, mochte es, aber die Szene mit dem Haargel machte ihr Sorgen. Wenn diese Szene nicht funktioniert, könnte sie eine Bremse ihrer Karriere sein. Sie wäre dann eine Witzfigur. Wir haben ihr gesagt, daß wir die Szene nicht verwenden würden, wenn sie nicht funktioniert. Nachdem wir sie getestet haben und wußten, daß sie ankommt, war es ok.

BF: Cameron Diaz beschreibt Ihre Zusammenarbeit als harmonisch.

PF: Das stimmt nur, was die Arbeit am Set angeht. Wenn wir ein Drehbuch schreiben, bekommen wir uns schon in die Haare. Das ist der schwierigste Teil des ganzen Prozesses für uns.

BF: Wie teilen Sie die Arbeit auf?

PF: Wenn wir an den Drehort kommen, sind wir uns einig, was wir wollen. Wir machen alles zusammen bis auf eins: Wir sprechen nie gemeinsam mit einem Schauspieler, weil es einschüchternd und verwirrend sein könnte.

BF: Was hat der Erfolg von "Verrückt nach Mary" verändert?

PF: Nicht viel. Wir leben in Boston, deshalb haben wir mit unserem Produzenten Bradley Thomas eine Firma gegründet. Wir brauchen jemanden in L. A. Mit dieser Firma wollen wir auch Filme anderer Regisseure produzieren. So können wir weiterhin ein normales Leben in Boston führen. Wenn man in Hollywood lebt, verliert man die Berührung zur Realität. Außerdem möchten wir unsere Kinder nicht in Hollywood aufziehen - das wäre ein Alptraum.

BF: Haben Sie je daran gedacht, getrennt zu arbeiten?

BoF: Nein. Wir sind sehr glücklich, wie wir arbeiten. Die Qualität würde darunter leiden, wenn wir uns trennen würden.

BF: Sie haben einen Dreijahresvertrag mit Fox geschlossen. Wie ist die Zusammenarbeit?

BoF: Toll. Ihnen hat das Drehbuch gleich gefallen. Wir hatten viel mehr Widerstand erwartet, aber sie haben uns sehr viel Freiheit gegeben.

BF: Haben Sie ein neues Projekt?

BoF: Wir wollen im nächsten Jahr "Stuck On You", eine Komödie über siamesische Zwillinge drehen, die eine Leber teilen.

PF: Sie sind glücklich, weil keiner allein durchs Leben gehen muß. Dadurch haben sie eine tolle Ausstrahlung, viele Freunde und Freundinnen und treiben viel Sport. Sie sind Gewinner. Wir haben zwar noch nicht gecastet, aber vielleicht wären Jim Carrey und Woody Allen eine gute Kombination.