Film

Til Schweiger zu 'Der Eisbär'

01.01.1970 01:00 • von
Blickpunkt:Film: Was gab den Ausschlag, bei "Der Eisbär" einzusteigen?

Til Schweiger: Als ich von der Kölner Produktionsfirma Ena Film das Drehbuch zugeschickt bekam, habe ich es in einem Zug gelesen und war vor allem von den coolen Dialogen begeistert. Außerdem ging mir das melodramatische Ende des Films ziemlich nahe.

BF: War nach "Knockin' On Heaven's Door" der Erfolgsdruck nicht sehr hoch?

TS: Ich gehe mit dem Erfolgsdruck eher locker um. "Der Eisbär" ist nicht "Knockin' On Heaven's Door" oder eine Fortsetzung davon. Das sind zwei völlig verschiedene Filme. Und jeder, der sich den "Eisbären" unvoreingenommen anschaut, wird sicher großen Spaß daran haben.

BF: Sind Sie als Produzent eingestiegen, um bessere Kontrolle zu haben?

TS: Ein Grund, warum ich Produzent geworden bin, ist natürlich, daß ich so bessere Kontrolle über die Dinge habe. Das hat sich zum Beispiel auch in der Besetzung des Films niedergeschlagen. Die richtigen Leute für ein Projekt zu finden, ist nicht nur schwer, sondern auch ungeheuer wichtig. Und wenn man dann noch ein paar Freunde wie Heiner Lauterbach oder Tom Gerhardt einfach fragen kann, ob sie nicht Lust hätten mitzumischen, ist es besonders toll.

BF: Bei "Der Eisbär" haben Sie auch einen Credit als Regisseur.

TS: Was nie geplant war. Ich habe auch schon vorher mit dem Gedanken gespielt, einmal Regie zu führen, aber beim "Eisbären" hat sich das dann einfach so entwickelt. Aber ich teile mir den Job mit Co-Regisseur Granz Henman.

BF: Sie haben versucht, dem Film einen neuen Look zu geben.

TS: Die Idee war, einen sehr einheitlichen Farbton zu haben, der zur Atmosphäre des Films paßt. Uns kam es sehr auf den richtigen Look an und ich glaube, daß wir auch diesbezüglich sehr gute Arbeit geleistet haben. Bei einem Low Budget von 4,7 Millionen Mark nicht gerade eine Selbstverständlichkeit.

BF: Wie gelingt einem so etwas?

TS: Man muß eben auch hinter der Kamera die richtigen Leute zusammenbringen. Man braucht zum Beispiel einen guten Setdesigner, den wir ja hatten: "Home of Pirates" haben uns die Locations besorgt, sie umgebaut und brachten noch super Ideen ein. Dann ist ein guter Kameramann unerläßlich, gute Kostüme und vieles mehr. Das muß dann alles sehr fein aufeinander abgestimmt werden, was eine Höllenarbeit ist. Wir haben nur 26 Tage gedreht. Bei "Knockin'..." hatten wir fast doppelt soviel Zeit.

BF: Mit wievielen Kopien wird "Der Eisbär" gestartet?

TS: Mit etwa 500, bei "Knockin'" waren es 560. Da will ich mich aber nicht zu sehr einmischen, das ist der Job des Filmverleihs, und die wissen dort schon, wie sie das am besten machen.

BF: Hatten Sie für den "Eisbär" die mittlerweile auch in Deutschland üblichen Testvorführungen?

TS: Ja, und ich halte Testvorführungen für durchaus sinnvoll. Sie sind ein gutes Mittel, den Film rund zu machen. Man kann den Rhythmus leicht variieren oder Dinge, die das Publikum nicht gleich auf Anhieb verstanden hat, deutlicher machen. Natürlich darf dabei die eigene Handschrift nicht verloren gehen.

BF: Ihre Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment kooperiert seit kurzem mit der Firma Upstart. Wie sieht das aus?

TS: Wir wollen mit Mr. Brown Entertainment zwar auch weiterhin Kinofilme produzieren, aber mit der Zeit auch qualitativ hochwertige TV-Movies. Dadurch kommen wir hoffentlich auch unserem Ziel, alle ein bis zwei Jahre einen Kinofilm zu produzieren, etwas näher.

BF: Was hat Mr. Brown Entertainment seit "Knockin'..." gemacht?

TS: Wir haben nach Stoffen gesucht und sie entwickelt, und haben jetzt ein Projekt, das wir höchstwahrscheinlich nächstes Jahr machen werden. Es heißt "Vollmond".