Produktion

PREVIEW KINO: "Strange World" von Disney Animation

Am Donnerstag startet der große Disney-Animationsfilm für die Wintersaison: Wir haben uns den Abenteuerfilm "Strange World" über eine faszinierende Zauberwelt angesehen.

21.11.2022 18:45 • von Thomas Schultze
Disneys "Strange World" entführt in magische Zauberwelten (Bild: Disney)

Am Donnerstag startet der große Disney-Animationsfilm für die Wintersaison: Wir haben uns den Abenteuerfilm Strange World" über eine faszinierende Zauberwelt angesehen.

Die Abenteuerlandschaften eines Edgar Rice Burroughs, H.G. Wells oder Jules Verne sind ein ewiger Jungbrunnen, aus dem das Kino immer schon gerne getrunken hat. Gerade Disney hat sich großzügig bedient bei deren fantastischen Stoffen, die einladen zu unglaublichen Reisen auf andere Planeten, die Tiefen des Meeres oder gar den Mittelpunkt der Erde, von 20 bis John Carter". Sie dienten nun auch als unverkennbare Inspiration für den 61. abendfüllenden Film von Disney Animation, der exakt ein Jahr nach Encanto" das Familienpublikum für sich begeistern will. Anders als die Burroughs-Adaption Tarzan" von 1999 ist "Strange World" allerdings ein Originalstoff, von Disney-Veteran Don Hall ("Baymax - Großes Robowabohu") und Qui Nguyen, die mit dieser Geschichte bereits begonnen hatten, bevor sie vom Studio zur Rettung des zu diesem Zeitpunkt ins Schlingern geratenen Raya und der letzte Drache" abbestellt wurden.

Jetzt haben sie doch noch fertiggestellt, was man als klassische Jungsfantasie bezeichnen würde, wenn sie die zeitlos-klassische Prämisse ihres Films - Familie muss bei Abenteuern in einer wundersamen Welt wieder zusammenfinden und sich beweisen - nicht mit einem betont modernen Blick erzählen würden, der tradierte Rollenbilder selbstbewusst auf den Kopf stellt. Faszinierend ist dieses Zusammenspiel, wie die Filmemacher Tradition und Moderne einen Pas de deux aufführen lassen und schließlich miteinander verschmelzen. Erst einmal wird man überwältigt von der schieren Üppigkeit der Bilder, der Farben, der Animation, die mit ihrer realistischen Schärfe direkt anschließt an den letztjährigen "Encanto", auch schon so ein filmtechnisches Wunder: Es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau da mittlerweile gearbeitet wird, wie immer state of the art. Ein bisschen ist es, als würde man sich als Zehnjähriger durch seinen allerliebsten Comic blättern, knallig wird in wenigen Schritten die Exposition durchmessen. Schon die nomen sind omen: Jaeger Clade ist der bärige Patriarch, immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen und Gefahren, hier wird gehandelt, dann gedacht; sein jugendlicher Sohn Searcher soll in die Fußstapfen des Papas treten, ist aber zurückhaltender, vorsichtiger, denkt, bevor er handelt. Weshalb sich in einem stürmischen Bergmassiv ihre Wege trennen. Der Vater zieht weiter, der Sohn kehrt mit der Expedition um. Ihm reicht es, eine grün schimmernde Pflanze entdeckt und mitgenommen zu haben, Pando genannt.

25 Jahre später hat diese Pflanze der Gemeinde Wohlstand gebracht als rein biologische Energiequelle, angebaut von dem in seinem Dasein als Bauer glücklichen Searcher, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sein 16-jähriger Sohn Ethan eines Tages den Betrieb übernimmt. Als das Pando anfängt, seine Wirkung zu verlieren, bricht eine Expedition mit Searcher und Ethan auf, um herauszufinden, warum die Pflanze darbt. Aufbruch in eine verblüffende Welt, die so aussieht wie nichts, was man bisher im Kino gesehen hat. Eine fantastische Heldenreise, buchstäblicher als man es sich als Zuschauer in diesem Moment denken kann, in der all das passiert, was in solchen Abenteuerfilmen nun einmal passiert, aber eben doch ganz anders. Wegen des ungewöhnlichen Looks. Und wegen der erfrischenden Charakterisierung der Figuren. In diesem Disney-Film wird Diversität und Inklusion gelebt und kein großes Aufheben darum gemacht. Das ist der vielleicht aufregendste Aspekt eines Films, der immer Spaß macht und dabei, auch wenn gerade seine Umweltbotschaft etwas aufgetragen wirken mag, auch immer ein erhellendes Erlebnis ist.

Thomas Schultze