Kino

KOMMENTAR: What the FF***G!

Zurück auf Los! lautet wohl die Devise bei der erhofften Novellierung des Filmförderungsgesetzes. Der große Wurf wird wieder verschoben. "Wir sind noch nicht soweit", so das BKM. Aber ist es die Branche?

17.11.2022 07:49 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Zurück auf Los! lautet wohl die Devise bei der erhofften Novellierung des Filmförderungsgesetzes. Der große Wurf wird wieder verschoben. "Wir sind noch nicht soweit", so das BKM. Aber ist es die Branche? Jetzt muss die Pandemie zum zweiten Mal herhalten, um das bestehende FFG lieber noch einmal zu verlängern. Zwar ist BKM-Amtschef Görgen erst mit dem Regierungswechsel berufen worden, dafür hat sein zuständiger Abteilungsleiter schon die letzte Verschiebung begleitet. Zu offen sei der Diskurs noch, die Branche solle sich erst zusammen raufen.

Das hatte sie damals schon versucht, als der Filmtheater-, der Verleiher- und der Videoverband erfolgreich an einem gemeinsamen Vorschlag werkelten, den dann doch noch der Produzentenverband torpedierte. Monika Grütters erweiterte den Diskurs dafür auf unübersehbare runde Tische, wo viele Gehör zu finden versuchten und wenigstens den Willen zu mehr kultureller Filmförderung tief im BKM verankerten.

Jetzt ist die Mannschaft von Claudia Roth am Zug, die erfreulicherweise gern ins Kino und zu Filmpremieren geht, sich sonst aber lieber anderen kultur- und geopolitischen Themen widmet, für die Filmbranche aber schwer greifbar ist. Immerhin hat Amtschef Görgen beim kinopolitschen Abend des HDF Aufgeschlossenheit bewiesen und ein paar Hinweise gegeben. So wunderte er sich hörbar, warum Ausweis einer wirksamen Förderung eine besonders hohe Anzahl von Filmen sein muss, und er regte an, die Durchführung der kulturellen Filmförderung besser in andere Hände als die des BKM zu geben. Das würde wohl Raum schaffen für die Auseinandersetzung mit Branchenvorschlägen, die jetzt also auf ein Neues eingeholt und gesichtet werden sollen. Die Höhe des Mittelaufkommens der FFA sei zusätzliche Unwägbarkeit in Inflations- und Krisenzeiten wie diesen. Vielleicht sollten ja vornehmlich die Branchenbereiche, die die Fördermittel über Abgaben aufbringen auch über ihre Verwendung bestimmen.

Im BKM könnte man sich darauf konzentrieren, wie man das sinkende Engagement der TV-Sender über eine stärkere gesetzliche Verpflichtung wieder belebt, und wie die Streamer so eingebunden werden, dass auch sie frohen Herzens oder über eine Investitionsverpflichtung mehr Mittel zur Verfügung stellen. Und natürlich sollte man alsbald ein Steueranreizmodell zum Gesetz machen, wie es der österreichische Nachbar vorexerziert - und alle Länder um uns herum. Es wäre tragisch, wenn jetzt wieder vorgerechnet werden müsste, was das für den Standort und vor allem an steuerlichen Rückflüssen bringt. Den DFFF als "Förderung ohne Recoupment" zu bezeichnen, ist schon ein deprimierender Vortrag. Vielleicht hilft es ja, aus den Schubladen in der Abteilung K3 alte Brancheneinlassungen hervorzukramen. Das wäre ein zielführender Schritt, um den offenen Diskurs schneller einzugrenzen.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur