Kino

Lokale Produktionen machten den Unterschied: Die Kinomärkte im Oktober

Global betrachtet haben sich die Kinomärkte zu Beginn des vierten Quartals ein Stück weit aus der September-Flaute herausgearbeitet. Aber wie schon im hierzulande ausgesprochen positiv verlaufenen Vormonat zeigten sich im Oktober erhebliche Unterschiede. Europa stand dabei überdurchschnittlich gut da.

04.11.2022 12:29 • von Marc Mensch
Blockbuster "Die Schule der magischen Tiere 2" könnte schon am Wochenende die zweite Besuchermillion voll machen (Bild: Leonine)

Hollywood hat sich im dritten Quartal (und darüber hinaus) auf den Leinwänden geradezu rekordverdächtig rar gemacht (siehe dazu auch diese Meldung) und das globale Kinoergebnis im September damit auf das bislang niedrigste Niveau des Jahres gezogen (wir berichteten). Ganz anders sah das Bild bekanntermaßen in Deutschland aus, wo der September - auch beflügelt vom Kinofest - zum bislang besuchsstärksten Monat des Jahres avancierte.

Der Oktober lieferte nun gleich die nächste Bestmarke: Laut der Zahlenexperten von Gower Street war es in Deutschland (gemessen an der Bilanz nach vollen Spielwochen) der bislang umsatzstärkste Monat des laufenden Jahres. Wie sehr dafür gerade auch der deutsche Film verantwortlich ist, lässt schon ein Blick auf die Charts des vergangenen Wochenendes ahnen, in denen sich drei deutsche Produktionen in der Top Fünf tummelten, darunter "Rheingold" mit einem Start und Die Schule der magischen Tiere 2" mit einem Zwischenergebnis, die beide über den Erwartungen lagen, letzterer Hit könnte noch an diesem Wochenende zum doppelten Besuchsmillionär avancieren; der erfolgreichste deutsche Film der 2020er-Jahre ist das Blockbuster-Sequel ohnehin schon. Das am Ende dieses Wochenendes gleich vier deutsche Produktionen (darunter noch Hui Buh und das Hexenschloss" sowie Der Nachname") auf den vorderen fünf Plätzen stehen dürften, sei ergänzend erwähnt.

Auch wenn mit Black Adam" gegen Ende des Monats endlich auch wieder eines der zuletzt rar gewordenen US-Tentpoles ins Geschehen eingriff - von denen auch bis Ende des Jahres nicht einmal mehr eine Handvoll ansteht - zeigte sich im Oktober doch ein starkes Ungleichgewicht bei den weltweiten Kinomärkten. Positiv stach die EMEA-Region heraus, wo laut Analyse von Gower Street vor allem lokale Produktionen den Unterschied machten. Denn nicht nur Deutschland konnte sich über einen goldenen Oktober freuen, auch in Frankreich und Italien war es demnach der bislang stärkste Monate 2022, während die Niederlande den zweitbesten und Spanien den drittbesten Zeitraum feiern konnten.

Während der bereits genannte "Die Schule der magischen Tiere 2" den deutschen Markt klar dominierte, war es in Frankreich der Thriller "November" mit alleine 1,7 Mio. Besuchen im Bilanzzeitraum. Ein Film, der hierzulande mit weniger als 4000 Besuchern nach zwei Wochen komplett unterging. Ein weiterer französischer Besuchsmillionär war Simone, le voyage du siècle", der hierzulande (noch) keinen deutschen Lizenznehmer hat. Gleiches gilt für "Il Colibri", der in Italien als zweitstärkster Film im Oktober knapp 2,6 Mio. Euro einspielte.

Insgesamt markierte der Oktober in der EMEA-Region laut Gower Street die zweithöchsten Umsätze des laufenden Jahres. Was allerdings insofern keine per se herausragende Bilanz darstellt, als dieser Monat traditionell der viertstärkste eines Gesamtjahres ist - und mit November und Dezember noch zwei besonders wichtige Monate anstehen. Tatsächlich blieb der EMEA-Oktober auch um 29 Prozent hinter dem Drei-Jahres-Schnitt vor der Pandemie und immer noch um 23 Prozent hinter dem Vergleichsmonat des Vorjahres zurück, der aber natürlich massiv vom herausragenden Erfolg von Keine Zeit zu sterben" geprägt war.

Global fällt das Bild jedenfalls negativer aus. Zwar konnte sich das weltweite Ergebnis mit einem Boxoffice-Plus von 38 Prozent wieder aus der September-Talsohle herausarbeiten; die insgesamt 1,8 Mrd. Dollar stellten in 2022 aber nur das sechsthöchste Ergebnis bislang dar; das globale Minus gegenüber dem Vorjahresmonat lag sogar bei 36 Prozent.

Eine Sonderrolle kommt weiter dem chinesischen Markt zu. Nicht nur, weil die dortige Null-Covid-Strategie dafür sorgte, dass gegen Ende Oktober eine Zahl an Kinos (zwangs)geschlossen war, auf die im Schnitt ein Marktanteil von rund einem Drittel entfällt. Sondern auch, weil das Publikum, dem US-Ware auch abseits der Tentpole-Flaute in erheblichem Umfang vorenthalten blieb, sich zur "Golden Week" auch nicht recht für einen weiteren Schwung patriotischer Filme aus dem eigenen Land begeistern konnte. Nur "Homecoming" sorgte mit umgerechnet knapp 200 Mio. Dollar für gute Einspielergebnisse - aber solch eine Summe verblasst natürlich vor den rund 900 Mio. Dollar, die der ausgesprochen antiamerikanische "The Battle at Lake Changjin" im Oktober 2021 in die chinesischen Kassen gespült hatte. Insgesamt kam die den Oktober einläutende "Golden Week", traditionell der zweitstärkste Kinozeitraum im Reich der Mitte nach dem Neujahrsfest, nur auf rund 306 Mio. Dollar. Das waren über 70 Prozent weniger als noch im Vorjahr - und so wenig wie zuletzt 2013, als der chinesische Kinomarkt nicht einmal annähernd die heutige Größe besaß.

Krisenmarkt China hinkt dem Drei-Jahres-Durchschnitt aktuell um 45 Prozent hinterher, in den anderen internationalen Märkten sind es 31 Prozent, in den USA/Kanada 34 Prozent. Während diese Entwicklung im Prinzip erwartet worden war (jüngste Anpassungen der Jahresprognose von Gower Street waren vor allem der Lage in China und Wechselkursschwankungen geschuldet, so ist beispielsweise der Euro aktuell sogar weniger als einen vollen Dollar wert), betont Gower Street, wie massiv ein für das Jahresende erwarteter Aufschwung von zwei Filmen abhängt: Black Panther: Wakanda Forever" und Avatar: The Way of Water". Während letzterer gerade mit einem großartigen Trailer weiter auf sich aufmerksam machte, kann ersterer in Deutschland schon ab Mittwoch auf Rekordjagd gehen. Schließlich gilt es nicht weniger als eine einzigartige Serie zu verteidigen: Noch jedes einzelne Marvel-Sequel war in Deutschland bislang erfolgreicher als seine Vorgänger - diesmal liegt die Hürde bei rund 1,8 Mio. Besuchen...