Kino

KOMMENTAR: Hilfe ist willkommen

Die Kunden kehrten nicht in ausreichender Zahl zurück, die trabende Inflation dämpfe die Konsumlaune und zusätzlich drohten noch kaum beherrschbare Energiekosten. Das beschreibt hier zwar die Situation innerstädtischer Warenhäuser, aber genauso die Lage vieler Kinos. Hilfe ist willkommen!

04.11.2022 07:49 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Die Kunden kehrten nicht in ausreichender Zahl zurück, die trabende Inflation dämpfe die Konsumlaune und zusätzlich drohten noch kaum beherrschbare Energiekosten. Das beschreibt hier zwar die Situation innerstädtischer Warenhäuser, aber genauso die Lage vieler Kinos. Hilfe ist willkommen! Mag sein, dass die erneute Insolvenz des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzerns auch andere Gründe hat und Spekulationen mit den Kaufhausliegenschaften eine Rolle spielen. Immerhin ein Drittel der 131 Filialen soll schließen, auch München oder Berlin sind betroffen. Konzept und Geschäftsmodell von Warenhäusern mögen an Attraktivität verloren haben, weil zahllose Konsumenten ihre Einkäufe von zuhause aus erledigen. Für die Belebung der Innenstädte heißt das nichts Gutes, auch nicht für die Kinos dort, die auf eine hohe Besucherfrequenz angewiesen sind.

Ganz generell aber stehen die Kinos vor denselben Herausforderungen. Nach wie vor mag das Zuschaueraufkommen nicht die Zahlen vor der Corona-Pandemie erreichen. Fast ein Drittel wird fehlen, wenn dieses Jahr abgerechnet wird. Die jahrelang als Hoffnungstruppe beschriebenen Silver Ager trauen sich immer noch nicht in geschlossene Räume zurück. Die abschreckende Wirkung des angeordneten Total-Lockdowns zeigt einen erschreckenden Langzeiteffekt. Womöglich haben sich die älteren Zielgruppen inzwischen auch mit der simplen Technik, den vielfältigen Angeboten und der Bequemlichkeit der Mediatheken und Streamingplattformen angefreundet und finden dort genug an fiktionaler Zerstreuung. Der anhaltende Produktionsboom dafür legt ein beredtes Zeugnis ab.

Die Kinos können gar nicht genug an innovativer Kundenansprache umsetzen, und die besten unter ihnen tun das auch, mit Festivals, Programmreihen und immer neuen Events. Es muss einem um die allermeisten nicht bange sein, weil ihre Betreiber und Theaterleiter findig genug auf die Herausforderung reagieren. Um manche aber doch. Schön, dass wenigstens beim Thema Energiekosten Hilfe von der Politik kommen soll. Eine Milliarde Euro hat sich BKM Claudia Roth aus dem großen Topf für die Beheizung von Kultureinrichtungen gesichert. Das ist, mäkeln die Ersten, dann doch ein bisschen weniger als ursprünglich gehofft. Wer genau wie und wann bedacht wird, das muss noch in Ausführungsbestimmungen gegossen werden. Aber um die eine Milliarde werden sich viele Kultureinrichtungen balgen, auch wenn es tröstet, dass die Kinos als Empfänger explizit benannt werden.

Am Ende muss es wieder die Leidenschaft und die Findigkeit der Kinomacher selbst richten. Gegen vielfältige Konkurrenz und trotz widriger krisenhafter Umstände wird es ihre dann doch verrückte Begeisterung für den Film ermöglichen, dass wir auch in Zukunft die siebte Kunst auf der großen Leinwand erleben dürfen. Hilfe ist trotzdem jederzeit willkommen.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur