Kino

Krisengipfel zur französischen Medienchronologie

Unter Leitung des CNC kommen am 4. Oktober Vertreter von Plattformen, Studios und der französischen Regierung zusammen, um über mögliche Kompromisse bei der strikten Fensterregelung zu beraten. Disney machte im Vorfeld Druck.

27.09.2022 14:14 • von Marc Mensch
Für den Vorgänger zu "Black Panther: Wakanda Forever" wurden in Frankreich 2018 rund 3,7 Mio. Tickets verkauft (Bild: Walt Disney)

Wirklich wahrscheinlich erscheint das Szenario eines Startverzichtes in diesem Fall angesichts der regelmäßig guten Ergebnisse für Marvel-Filme in Frankreich eher nicht, aber zumindest die Ansage steht im Raum: Nachdem Walt Disney schon Anfang Juni beschlossen hatte, beim Animationsfilm Strange World" wegen der langen Sperrfrist bis zur Möglichkeit einer Veröffentlichung auf Disney+, die ein Kinostart in Frankreich auslösen würde, auf eine dortige Leinwandauswertung zu verzichten, gibt man sich nun hinsichtlich eines Starts von Black Panther: Wakanda Forever" explizit unentschlossen. "Die Medienchronologie zwingt uns, die Auswertungsstrategie für jeden Film einzeln zu bewerten. Im Fall von 'Black Panther' haben wir noch keine Entscheidung getroffen", hieß es seitens des Studios vergangene Woche.

Das Timing dieser Aussage könnte indes nicht zufällig gewählt sein - denn am 4. Oktober kommen Vertreter von Studios, Plattformen und der französischen Regierung unter der Leitung des CNC zusammen, um darüber zu beraten, welche Kompromisse im Rahmen der Anfang des Jahres neu geregelten Medienchronologie (die diverse Fristverkürzungen an weitreichende Investitionsverpflichtungen knüpft, PayTV gegenüber SVoD privilegiert und auch ein Exklusivfenster für Free-TV beinhaltet, während dessen Inhalte von SVoD-Plattformen entfernt werden müssen) gefunden werden können. Die Absage eines Starts des Black Panther"-Sequels wäre für die französischen Kinos (die in diesem Jahr nur wenig näher zu 2019 aufgeschlossen haben als die deutschen) ein herber Schlag - insbesondere, nachdem der Marvel-Film zu jenen Titeln zählt, die ein Ende der aktuellen Blockbuster-Flaute signalisieren sollen.

Nicht umsonst bekräftigte Richard Patry, Präsident des französischen Kinoverbands FNCF, anlässlich des alljährlichen Kinokongresses in Deauville, wie wichtig es sei, sich zu diesem Thema zusammenzusetzen. Man müsse verhindern, dass dem französischen Kinopublikum Filme vorenthalten würden - und dass Kinos "Kollateralopfer" einer Situation würden, in der kaum Raum zum Manövrieren sei.

Für Walt Disney, die in Frankreich bislang keine Branchenvereinbarung unterzeichnet haben, betrüge die Sperrfrist vom Kino- bis zum SVoD-Release derzeit 17 Monate (diese Frist müssen in Frankreich beispielsweise Doctor Strange in the Multiverse of Madness" und Thor: Love and Thunder" einhalten). Bei Unterzeichnung der "Basisvereinbarung" läge sie immer noch bei 15 Monaten; zuletzt hatte sich Disney in anderen Märkten auch bei den Marvel-Blockbustern an einem 45-Tage-Fenster (mit leichter Abweichung nach oben) orientiert.