Produktion

Angst vor Niedergang der "halben Industrie"

In einem offenen Brief beknien einige der größten dänischen Produktionshäuser Streamingunternehmen wie Netflix, sich im Streit um Erlösbeteiligungen kompromissbereit zu zeigen und wieder lokale Produktionen zu beauftragen. Anderenfalls drohe der dortigen Produktionslandschaft immenser Schaden.

23.09.2022 14:59 • von Marc Mensch
Der Beauftragungs-Stopp durch die Streamer bringt die dänische Filmindustrie in Bedrängnis (Bild: IMAGO/Panthermedia)

Auch wenn in den Schlagzeilen oft nur von Netflix die Rede ist - tatsächlich sind es auch Unternehmen wie Viaplay, HBO Max, Disney+, Amazon Prime Video und TV2, die ihr lokales Engagement für Film- und TV-Produktionen aus Dänemark vorerst aus Kostengründen auf Eis gelegt haben.

Hintergrund sind gescheiterte Verhandlungen mit der Interessenvertretung Create Denmark, die vor rund neun Monaten ein mit der dänischen Produzentenvereinigung ausgehandeltes Vertragswerk zu Erlösbeteiligungen vorgelegt hatte, das von den Streamern nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch wegen der damit verbundenen Auskunftsverpflichtungen rundheraus abgelehnt wurde. Seither konnte keine Annäherung erzielt werden - und die Lage spitzt sich zu.

In einem offenen Brief haben nun einige der größten dänischen Produktionshäuser, darunter Miso Film, Apple Tree Production, Sam Productions, Nordisk Film und SF Studios, die Plattformen bekniet, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und sich kompromissbereit zu zeigen.

Sollten diese ihre lokale Produktionstätigkeit in Dänemark nicht wieder aufnehmen, drohe der Niedergang der "halben Industrie", konkret spricht man von kurzfristigen Umsatzeinbußen zwischen umgerechnet rund 130 und 200 Mio. Dollar.

Ein Angebot enthält der offene Brief nicht, er muss sich darauf beschränken, auf die Folgen für die Unternehmen und die in der Industrie Beschäftigten zu verweisen - und anzumahnen, dass eine weitere Blockade ein "unverantwortliches Verhalten" gegenüber der dänischen Filmindustrie als Ganzes sei. Dass die Produktion dänischen Contents "teuer" sei und die angesprochenen Plattformen "andere Optionen" hätten, wird dabei aber eingestanden.