Produktion

"Verbesserte Perspektive": BVR und Produzenten einigen sich auf neue Vergütungsregel Kinofilm

Nach zweijährigen Verhandlungen haben sich der Bundesverband Regie, die Produzentenallianz und der Produzentenverband auf eine neue Vergütungsregel Kinofilm verständigt. Hinsichtlich eines vieldiskutierten Streitpunktes gelangte man zu einer "Absichtserklärung".

23.09.2022 14:01 • von Marc Mensch
BVR-Verhandlungsführer Jobst Oetzmann (Bild: Jobst Oetzmann/privat)

Ein zentraler Dissens - jener hinsichtlich der Angemessenheit des seitens der Produzenten mit ver.di und dem BFFS ausgehandelten Ergänzungstarifvertrags Erlösbeteiligung Kinofilm - mag bei den zweijährigen Verhandlungen des Bundesverbands Regie mit der Produzentenallianz und dem Produzentenverband nicht aufgelöst worden sein (dazu später mehr). Dennoch gibt man sich seitens des BVR mit dem nun erzielten Abschluss nach den Worten von BVR-Beirat und Verhandlungsführer Jobst Oetzmann zufrieden. "Wir sind zuversichtlich, damit allen Kolleginnen und Kollegen im Bereich Kino eine verbesserte Perspektive für ihre Arbeit geben zu können." Gleichzeitig lobte er die Verhandlungspartner, dem schloss sich BVR-Rechtsberater Florian Prugger an: "Aufgrund von Corona waren sich alle unsicher, ob man in solchen Zeiten Verhandlungen aufnehmen sollte, aber das Ziel des BVR war, für die Zeit nach Corona bereits eine verbesserte Regelung zur Verfügung zu haben. Das löst sich nun ein. Wir sind den Produzentenverbänden dankbar, dass sie diesen Weg konstruktiv mit uns gegangen sind und basierend auf dem Regelungsrahmen von 2016 eine gute Grundlage für die Kinoregie, gerade für Debut, in den unteren Budgetkategorien geschaffen werden konnte."

"Bis zu achtundzwanzig Prozent Steigerung bei der Grundvergütung, niedrigere Schwellen bei der Folgevergütung und Ausnahmen für Debütfilme", damit fasst der BVR das Ergebnis der Verhandlungen zusammen. Die Neuregelung löst eine 2016 getroffene Vereinbarung ab und soll frühestens zum 31. Dezember 2025 kündbar sein; ab dem 15. Januar 2024 soll zudem eine Evaluierung des Vertragswerkes erfolgen. Die neuen Mindestvergütungen sowie alle weiteren verbesserten Bedingungen für Verträge gelten ab dem 1. Oktober 2022. Für Filme, die die entsprechenden Zuschauerzahlen ab dem 1. Juli 2022 erreicht haben, greifen die verbesserten Bedingungen für Folgevergütungen bereits ab diesem Zeitpunkt.

Die 2. Gemeinsame Vergütungsregel finden Sie an dieser Stelle im Volltext

"Der Abschluss ist ein fairer Interessenausgleich. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten haben wir große Anstrengungen unternommen, um die Vergütungsregel Kinofilm abzuschließen. Mit der Laufzeit mindestens bis Ende 2025 schaffen wir Planungssicherheit für Produktionsunternehmen und Kinoregisseur:innen", sagt Björn Böhning, Geschäftsführer der Produzentenallianz. "Ich bedanke mich beim Bundesverband Regie für die konstruktiven und sachorientierten Diskussionen, welche diesen Abschluss ermöglicht haben."

Erwin M Schmidt, Geschäftsführer des Produzentenverbands, ergänzt: "Als Verband mit einer mitgliederstarken Nachwuchssektion, war es uns ein Anliegen, dass das Gagengefüge für die unteren drei Budget-Kategorien und insbesondere für Erstlingsfilme das Fortbestehen dieser Art von Filmen nicht gefährdet. Dass hierzu Einvernehmen erzielt werden konnte, betrachten wir als Erfolg für die neue Kino-Vergütungsregelung. Wir danken dem BVR für die konstruktiven Verhandlungen."

Noch einmal zurück zum Ergänzungstarifvertrag Erlösbeteiligung Kinofilm: Denn mit Blick auf eine künftige Neuverhandlung ist dem Abschluss zwischen BVR und Produzenten eine Absichtserklärung beigefügt. Dieser zufolge werde die Produzentenallianz gegenüber ver.di und BFFS "darauf hinwirken", dass auch der BVR an künftigen Verhandlungen teilnehme. Eine Verpflichtung diese nur unter Beteiligung des BVR zu führen, ergibt sich aus dieser Absichtserklärung explizit nicht. Der Produzentenverband wiederum erklärt, seinerseits an solchen Verhandlungen teilnehmen zu wollen.