Kino

Gilde-Filmpreis an "Mittagsstunde"

Das Timing hätte (fast) nicht besser sein können: Am Tag des bundesweiten Starts seines neuen Films konnte Lars Jessen persönlich den Gilde-Filmpreis entgegennehmen. Für den besten internationalen Film kam die Auszeichnung im unmittelbaren Vorfeld. Und die Dokumentationen waren so stark besetzt, dass gleich zwei Preise vergeben wurden.

23.09.2022 08:32 • von Marc Mensch
Die Gewinner:innen der Gilde-Filmpreise 2022 (Bild: Uwe Frauendorf Frauendorf)

Ernüchternde Zahlen und Probleme, die nach langen Jahren der Corona-Krise nun in eine potenziell noch größere Herausforderung münden: Die Rahmenbedingungen für diese Filmkunstmesse waren alles andere als ideal - und dass sie mitunter auf die Stimmung drückten, versteht sich von selbst. Das Phänomen, das sich schon bei anderen Branchenveranstaltungen dieses Jahres gezeigt hatte, galt auch für Leipzig: Wenn Menschen zusammenkamen, Gelegenheit zum Austausch erhielten - und vor allem, wenn es um das ging, womit das Kino tatsächlich arbeiten kann - dann vermochte man sich (abgesehen vom ungewöhnlich kalten Wetter) fast wie in den Jahren vor Corona zu fühlen. Und wo Leipzig schon immer der Ort war, an dem Filme kontrovers diskutiert wurden, war die Bandbreite des Gebotenen in diesem Jahr schlicht eines: beeindruckend.

Darin liegt auch die Dramatik: Nicht, dass es nicht an sehr vielen Ecken Verbesserungspotenzial gäbe (was aber im Gegenzug auch Gestaltungsspielraum eröffnet) - aber was gerade wieder schwarze Wolken auf dem Kinohimmel aufziehen lässt, sind externe Faktoren, sind Ereignisse, von denen man über Jahrzehnte hoffen durfte, sie seien der Historie anheim gefallen.

Unter dem Strich war Leipzig nicht der Ort, um nur zu lamentieren. Sondern der Ort, Probleme glasklar zu benennen; unmissverständlich festzustellen, was droht, was passieren muss, wie man reagieren kann. Und dabei am Ende doch das Kino und den Kinofilm zu feiern.

Die schönste Gelegenheit dafür bot natürlich die traditionelle Verleihung der Gilde-Filmpreise, die aus Anlass der 22. Filmkunstmesse am 22. September 2022 in der Event-Location Täubchenthal stattfand.

Und beim besten nationalen und internationalen Film hätte das Timing kaum besser sein können, kamen die Preise doch in einem Fall just am Starttag, im anderen wenige Wochen davor. Was für sich genommen schon viel verraten hätte, wenn es nicht ohnehin in der Headline stünde: Lars Jessen, der persönlich nach Leipzig gekommen war, durfte sich über die Auszeichnung für Mittagsstunde" als bester nationaler Film freuen.

Zumindest keine allzu große Überraschung ist der Preisträger in der Kategorie internationaler Film, der zuvor schon in Cannes abgeräumt hatte und der (wenngleich da das Juryvotum schon feststand) zu den meistgefragten Titeln dieser Filmkunstmesse zählte und schon am Eröffnungstag drei Säle bis quasi auf den letzten Platz gefüllt hatte: Triangle of Sadness". Ruben Östlund schaffte es zwar nicht nach Leipzig, dafür aber Sunnyi Melles und Produzent Philippe Bober.

Eine Besonderheit gab es beim Dokumentarfilm, denn der Gilde-Filmpreis wurde ex aequo an zwei Produktionen vergeben: Bettina", für den Regisseur und Drehbuchautor Lutz Pehnert die Ehrung gemeinsam mit Protagonistin Bettina Wegner entgegennahm. Und Der Waldmacher", für den Volker Schlöndorff schon durch zahlreiche Kinos und nun auch ins Täubchenthal reiste.

Bester Film in der Kategorie "Junges Kino" wurde Wir könnten genauso gut tot sein", als besten Kinderfilm wählte die Jury Geschichten vom Franz" aus. Die Jugendjury wiederum würdigte drei Favoriten: "Passagiere der Nacht", The Ordinaries" und "Close"; der Publikumspreis für den besten Kurzfilm, der in Zusammenarbeit mit der AG Kurzfilm verliehen wird, konnte sich "Wall #4" sichern.

Und noch eine zweite Auszeichnung wurde "The Ordinaries" zuteil: Der Publikumspreis der Filmkunstmesse, gestiftet von Pharos.