Kino

UMFRAGE Arthousemarkt: "Zutiefst ungerechtes System"

Wir hörten uns im Vorfeld der Filmkunstmesse Leipzig bei Verleihern und Kinobetreibern um, wie sie die Situation des Arthousemarkts einschätzen und mit welchen Maßnahmen man sie verbessern kann. Hier antwortet Björn Koll, Geschäftsführer Salzgeber.

23.09.2022 07:20 • von Heike Angermaier
Björn Koll (Bild: Salzgeber)

Wir hörten uns im Vorfeld der Filmkunstmesse Leipzig bei Verleihern und Kinobetreibern um, wie sie die Situation des Arthousemarkts einschätzen und mit welchen Maßnahmen man sie verbessern kann. Hier antwortet Björn Koll, Geschäftsführer Salzgeber.

1. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation im Arthousemarkt?

Wir kennen alle die Kinozahlen, aber nach unserer Erfahrung liegen wir bei Arthousefilmen eher bei 40 Prozent im Vergleich zu 2019. Und das wird dauerhaft sein.

2. Was lässt sich unternehmen, um die Situation zu verbessern?

Es gibt 580 Millionen Euro Filmfördermittel und davon gehen gerade mal irgendwelche 14 Millionen oder zwei Prozent in die Verleiharbeit. So kann das alles nichts werden und das weiß jede/r. Die Branche steuert sehenden Auges in eine Katastrophe, produziert munter weiter für den Filmberg, und irgendjemand wird den ganzen Subventionswahnsinn irgendwann mal aufräumen müssen. Inklusive Sperrfristen, DFFF-Herausbringungspflichten und das einfach zutiefst ungerechte System, wer Fördermittel erhält und wer nicht. Brüssel und viele europäische Länder haben erkannt, dass Automatismen einfach besser funktionieren, aber in Deutschland schaut man ja nie über den Tellerrand, geschweige, dass man etwas auswertet oder hinterfragt. Totalversagen der Politik, der Aufsichtsgremien, Lobbyisten und der gesamten Branche.

3. Wo liegt aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung, der Sie in den kommenden Monaten begegnen müssen?

Weiter einigeln und auf Überlebensmodus schalten. Und dabei nicht vergessen, dass wir gute Filme, das Kino und unser Publikum lieben!