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Katrin Vernau zur rbb-Interims-Intendantin gewählt

Der rbb-Rundfunkrat hat am Mittwochabend Katrin Vernau zur neuen Interims-Intendantin des rbb gewählt. Dieser Schritt wurde nach der fristlosen Entlassung von Patricia Schlesinger nötig. Im Vorfeld gab es Kritik am Auswahlverfahren der Kandidatin.

07.09.2022 18:30 • von Michael Müller
Hilft beim rbb aus: Katrin Vernau (Bild: WDR/Annika Fußwinkel)

Es ist wahrscheinlich einer der härtesten Medien-Jobs, die es aktuell auf dem Markt gibt, weil er einen so starken Fokus mit sich bringt: In geheimer Abstimmung hat der rbb-Rundfunkrat am Mittwochabend Katrin Vernau im zweiten Wahldurchgang zur neuen Interims-Intendantin des rbb gewählt. Im ersten Wahldurchgang verfehlte sie noch die notwendige Zweidrittelmehrheit, sie erhielt nur 12 von 14 notwendigen Ja-Stimmen. Sieben Rundfunkratsmitglieder stimmten gegen sie, es gab eine Enthaltung.

Vernau war für den Posten von einer Findungskommission als einzige Kandidatin vorgeschlagen worden. Der Schritt war nötig geworden, nachdem Patricia Schlesinger aufgrund diverser Vorwürfe von Vermischung privater und geschäftlicher Angelegenheiten fristlos entlassen wurde und ihr Stellvertreter Hagen Brandstäter gesundheitsbedingt ausfiel.

Die in Villingen-Schwenningen geborene Vernau arbeitete zuletzt als WDR-Verwaltungsdirektorin, wo sie 2019 auf Vorschlag von Intendant Tom Buhrow wiedergewählt wurde. Seit 2015 hatte sie dieses Amt inne. Zuvor war sie Partnerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants und leitete die Roland Berger School of Strategy and Economics. Von 2006 bis 2012 war sie Kanzlerin der Universität Hamburg, von 2002 bis 2005 Kanzlerin der Universität Ulm.

Vor der Wahl hatte es sowohl innerhalb als auch außerhalb des Senders Kritik am Auswahlverfahren gegeben. Zunächst hatte die Vertretung der freien Beschäftigten des Senders in einer Erklärung kritisiert, dass nur eine Kandidatin dem Rundfunkrat zur Auswahl gestellt würde. Die Eignung von Vernau für das Amt wurde zwar ausdrücklich nicht in Zweifel gezogen, allerdings hieß es in der Erklärung auch, allein der Eindruck, mit Frau Vernau würde "eine Statthalterin des WDR" eingesetzt, wäre eine "erhebliche Bürde". Dieser Erklärung schloss sich auch der Redaktionsausschuss des rbb an. Irritiert über diese Tatsache zeigte sich auch der Berliner Journalistenverband.

Die Interimsleitung darf nach Maßgabe der Rechtsaufsicht maximal ein Jahr amtieren. Anschließend muss ein regulär gewählter Intendant oder eine Intendantin die Aufgabe wahrnehmen. Aufgabe der Interimsleitung wird es also sein, in den kommenden Monaten nicht nur die Aufklärung voranzutreiben und die Strukturen im rbb neu zu ordnen, sondern auch den Weg für die Wahl einer regulären Hausspitze zu ebnen.