Kino

KOMMENTAR: Die Blockbusterfalle

Wenige Blockbuster bestimmen das Geschehen in den deutschen Kinos. Das ist schön vor allem für die Multiplexe. Die Arthousekinos bekommen davon weniger ab, obwohl sie nach Kräften mitspielen. Dort heißt es: Warten auf Godot.

01.09.2022 10:11 • von Frank Heine
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Wenige Blockbuster bestimmen das Geschehen in den deutschen Kinos. Das ist schön vor allem für die Multiplexe. Die Arthousekinos bekommen davon weniger ab, obwohl sie nach Kräften mitspielen. Dort heißt es: Warten auf Godot. Glaubt man den Halbjahreszahlen der FFA, dann wurden für die besucherstärksten zehn Filme des ersten Halbjahres 2022 fast 56 Prozent aller Kinotickets gelöst. Im Jahre 2019, das als Referenzjahr gilt, war der Anteil deutlich geringer, nämlich knapp 39 Prozent. Die weiteren Hunderte von Filmen teilen sich den Rest. Dass die Multiplexe mit dieser zugespitzten Situation besser fahren, zeigen auch die Zahlen der FFA, beträgt doch ihr Rückstand auf die Umsatzzahlen von 2019 "nur" noch 34 Prozent. Bei Ein-Saal-Häusern - und bei Zwei- und Drei-Saal-Häusern sieht es nicht viel besser aus! - beträgt der Rückstand immer noch 53 Prozent. Der Zuspruch für nur wenige große Filme darf durchaus Sorgen machen. Denn bei aller Fülle an attraktivem Programm, wie es jetzt auch auf der Filmmesse in Köln präsentiert wurde, kommt es doch immer stärker auf die ganz großen Titel an, deren Fehlen den US-Kinos gerade einen besonders schlechten Ausklang des Kinosommers beschert. Auch für die kommenden Monate kann man an wenigen Fingern abzählen, welche garantierten Blockbuster bis Jahresende noch in den Startblöcken stehen. Der deutsche Film trägt zum beschriebenen Erfolg mit Ausnahme des immer angeführten Ausnahmehits Wunderschön" (und der aktuell so erfreulichen Performance von Guglhupfgeschwader") wenig bei. Auch wenn die FFA seinen Erfolg im ersten Halbjahr ein wenig schöner rechnet, wenn sie minoritäte Ko-Produktionen wie Uncharted" seinem Anteil voll zurechnet. Natürlich werden für die genannten Blockbuster auch millionenschwere Werbekampagnen gefahren, die sich die vielen anderen Kinostarts nicht leisten können. So starten immer mehr Filme, ohne dass der Großteil des interessierten Publikums überhaupt davon Kenntnis nimmt. Die Beschränkung auf zwei Handvoll Blockbuster schwächt aber auch den Nimbus der Kinos als vollwertige Programmanbieter, die sich an die Spitze der Vermarktung und der Auswertungskette setzen. Dringend vermisst wird weiterhin das ältere Publikum, das nach allen Umfragen den Kinobesuch, soweit er nicht Open Air erfolgen kann, scheut. Man darf vom jetzt anstehenden Kinofest keine Wunder erwarten, aber bundesweite Aufmerksamkeit durch vielfältige lokale Beteiligung bringt es schon. Und der attraktive Eintrittspreis überzeugt am Ende doch noch viele, sich auch auf ihnen unbekannte Titel einzulassen. Die Kinos kommen nur durch viel Klappern und Eigeninitiative wieder aus der Blockbusterfalle. Da ist es fast ein Trost, dass es nach der Pandemie tatsächlich mehr Kinos gibt als davor. Hoffen wir, dass das auch so bleibt.