Kino

Simone Baumann von German Films: "Sehr konstruktiv gearbeitet"

Simone Baumann, Geschäftsführerin German Films, über die Auswahl des diesjährigen Oscar-Kandidaten "Im Westen nichts Neues".

01.09.2022 14:24 • von Barbara Schuster
Simone Baumann (Bild: German Films)

Simone Baumann, Geschäftsführerin German Films, über die Auswahl des diesjährigen Oscar-Kandidaten "Im Westen nichts Neues".

Wie haben Sie die diesjährige Jurysitzung erlebt?

Ich bin noch nicht so lange dabei, es war meine vierte Jurysitzung, die ich miterlebt habe. Ein Novum war, dass wir eine reine Frauenjury hatten. Das war etwas Besonderes. Darauf hat German Films natürlich keinen Einfluss. Vielmehr war es Zufall, da die verschiedenen Verbände, die die Vertreter stellen, nur Frauen nominiert hatten. Die Diskussionen liefen an der Sache orientiert. Es wurde sehr konstruktiv gearbeitet.

Wie wichtig ist grundsätzlich der Aspekt, nicht einfach nur den besten Film zu benennen, sondern den Film auszuwählen, der im Hinblick auf die Oscars die größten Erfolgsaussichten hat?

Genau das ist die Hauptaufgabe. Es geht nicht unbedingt darum, den besten Film aus der Sicht der Jury zu wählen. Das Ziel ist, den Film auszuwählen, der die größten Chancen hat, im Oscarrennen weiterzukommen. Es macht sonst keinen Sinn. Man konnte es letztes Jahr bei den Franzosen sehen, die sich für Titane" entschieden hatten und es damit nicht mal auf die Shortlist geschafft haben. Vielleicht hätte der Venedig-Gewinner Das Ereignis" größere Chancen gehabt. Das sind taktische Entscheidungen, basierend auf den unterschiedlichen Erfahrungen mit dem amerikanischen Markt und aus vorhergehenden Jahren. Daran versucht man den Film zu bestimmen, der am ehesten die Stimmen der Academy-Mitglieder bekommt. Der ganze Nominierungsprozess war schon immer eine Blackbox. Aber heute ist es so, dass die Oscar-Academy viel mehr nicht-amerikanische Mitglieder hat und dass die eingereichten Filme auch online gesichtet werden dürfen. Das wurde während der Coronapandemie eingeführt und wurde beibehalten. Das verändert auch das Abstimmverhalten - in welche Richtung, wissen wir natürlich nicht. Gleichwohl werden nach wie vor physische Screenings in L.A. oder andernorts angeboten.

Erstmals wird eine deutsche Netflix-Veröffentlichung ins Oscarrennen geschickt. Wurde darüber auch diskutiert?

Natürlich wurde darüber diskutiert. Aber Deutschland ist nicht das erste Land, das einen Netflix-Film ins Oscarrennen schickt. In Italien gab es The Hand of God", in Mexico Roma"... Am Ende müssen sich alle strikt an die Zulassungsregeln der AMAPS halten. Und wenn ein Film sich entsprechend qualifiziert, ist es egal, ob er für Netflix entstanden ist oder nicht. "Im Westen nichts Neues" erfüllt alle Voraussetzungen. Letztendlich ist ausschlaggebend: Ist er der Film, der in Konkurrenz zu den vielen anderen Ländern die größten Chancen hat weiterzukommen. In dem Kontext spielt die Frage, ob es ein Netflix-Film ist oder nicht, keine große Rolle mehr.

Sind Sie mit der Entscheidung zufrieden?

Ich fand die Diskussion der Jury gut und professionell. Wir als German Films stimmen ja nicht mit ab, treten nur als Moderatoren auf. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Es ist eine gute Entscheidung, "Im Westen nichts Neues" ins Oscarrennen zu schicken.

Inwiefern spielt der Film für German Films bei der Arbeit als Promotionagentur des deutschen Films im Ausland eine Rolle?

Natürlich erwähnen wir ihn in unserer PR-Arbeit als deutschen Film. Allerdings setzen wir den Akzent auf die Talente, auf Regie, Drehbuch, die Schauspieler... kurzum auf das "German Talent". Es geht nicht darum, Netflix zu promoten. Das ist wichtig klarzustellen. Wir werden hier nicht mit zusätzlichen Geldern fördern.

Barbara Schuster