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UPDATE: Cineworld soll Insolvenzverfahren vorbereiten

Gerade erst hatte die weltweit zweitgrößte Kinokette vor einer Belastung ihrer Liquiditätssituation durch eine bis November dauernde Contentlücke und vor einem "sehr erheblichen" Wertverlust aufgrund dadurch bedingter Maßnahmen gewarnt. Nun berichtet das Wall Street Journal, dass Cineworld in den USA ein Insolvenzverfahren vorbereitet - und ein solches auch im Vereinigten Königreich anstehen könnte.

19.08.2022 14:35 • von Marc Mensch
Die Cineworld-Warnung schickte den (ohnehin schwachen) Kurs erst einmal in den freien Fall (Bild: IMAGO/imagebroker)

UPDATE

Offenbar geht Cineworld nun tatsächlich den Weg eines Insolvenzverfahrens - ein Schritt, von dem man annehmen muss, dass er gerade auch vor dem Hintergrund der zu erwartenden Schadenersatzzahlungen an Cineplex (s.u.) erfolgen würde.

Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider berichtet, hat CineworldAnwälte von Kirkland & Ellis LLP und weitere Berater von AlixPartners angeheuert, um sich für ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechtes zu wappnen. Dieses Verfahren sieht eine Reorganisation bzw. Sanierung vor, würde also grundsätzlich einen weiterhin laufenden Kinobetrieb ermöglichen - wozu auch die Aussage ganz am Ende des jüngsten Cineworld-Statements passt (siehe ganz unten). Angeblich soll der Insolvenzantrag in den USA schon innerhalb der kommenden Wochen gestellt werden, ein vergleichbarer Schritt werde für das Vereinigte Königreich laut dem "Wall Street Journal" zumindest erwogen.

Der nach der ursprünglichen Cineworld-Mitteilung ohnehin schon auf Talfahrt befindliche Börsenkurs stürzte parallel zur Veröffentlichung des WSJ-Berichts heute weiter ab und rangierte zuletzt noch bei rund vier Cent.

URSPRÜNGLICHE MELDUNG

In einem Update zur derzeitigen Kapitalstruktur und Liquiditätsposition hat die weltweit zweitgrößte Kinokette Cineworld, unter anderem Konzernmutter der zweitgrößten US-Kinokette Regal, die Alarmglocken schrillen lassen - und wie.

Denn trotz der jüngsten guten Nachrichten von nordamerikanischen Ketten wie AMC und Cineplex und einer Abfolge von großen Hits gerade im Juni und Juli - und insbesondere trotz der Tatsache, dass gerade der britische Markt bis Anfang August deutlich besser performte als der EMEA-Schnitt (21 Prozent Abstand zu 2019 gegenüber 30 Prozent), spricht das Unternehmen nun davon, dass man seit der Wiedereröffnung der Kinos im April 2021 zwar eine graduelle Erholung erlebt habe, das Besucherniveau zuletzt aber unter den Erwartungen geblieben sei. Dies sei durch ein eingeschränktes Programmangebot bedingt, das sich voraussichtlich noch bis in den November ziehen werde.

Mit dieser Einschätzung steht Cineworld beileibe nicht alleine da - während sich nordamerikanische Ketten wie AMC und Cineplex aber primär zum dritten Quartal skeptisch geäußert hatten, war es vor allem der britische Mitbewerber Vue, der bereits explizit von Vorbereitungen auf eine "ruhige Phase" bis zum Start von Avatar: The Way of Water" gewarnt hatte, der also explizit Großteile des vierten Quartals als problematisch adressierte. Und auch wenn Cineworld die Fußball-Weltmeisterschaft mit keinen Wort erwähnt, liegt doch der Verdacht nahe, dass die Briten - anders als die Amerikaner - (auch) an dieser Stelle ein Problem wittern.

Cineworld warnt jedenfalls davor, dass die Umstände sich kurzfristig negativ auf den Kurs und vor allem die Liquiditätssituation des Unternehmens auswirken dürften. Als Reaktion darauf habe man proaktive Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass man gut genug aufgestellt sei, um sich an die Marktbedingungen anpassen zu können - wozu natürlich zuallererst Initiativen zur Kosteneinsparung zählen. In diesem Zusammenhang stehe Cineworld in engen Gesprächen mit diversen Anteilseignern und Gläubigern, man bewerte derzeit diverse strategische Optionen zum Schuldenabbau und der Stärkung der Liquidität - und weist darauf hin, dass entsprechende Maßnahmen voraussichtlich zu einer "sehr erheblichen" Wertminderung der Anteile führen würden. Dafür sorgte indes schon diese Mitteilung vom 17. August, die den Kurs um über 50 Prozent auf zunächst noch zehn Cent pro Aktie einbrechen ließ.

Auch andere Ketten bekamen die Folgen dieser Mitteilung zu spüren: Die Kurse von AMC gaben erst um knapp 14 und am Folgetag um weitere knapp zehn Prozent nach - weswegen AMC als Reaktion auf das Cineworld-Statement ein eigenes folgen ließ, in dem man noch einmal betonte, dass man zwar Schwächen im dritten Quartal sehe, aber weiterhin recht optimistisch auf die Besucherentwicklung im vierten Quartal und in 2023 blicke. Zudem betonte man, dass man zum Ende des zweiten Quartals über liquide Mittel in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar verfügt habe. Oder um es ganz banal zu sagen: AMC will sich nicht in den Abwärtsstrudel von Cineworld hineinziehen lassen.

Ohnehin muss man die Situation von Cineworld nicht zuletzt auch im Licht der abgeblasenen Übernahme der kanadischen Cineplex sehen - scheint darin doch die größte potenzielle Belastung zu liegen. Denn tatsächlich startet das vierte Quartal für Cineworld am 12. und 13. Oktober mit Anhörungsterminen im Berufungsverfahren. Die rund 1,24 Mrd. kanadischen Dollar, zu denen Cineworld in erster Instanz verurteilt worden war, könnte das Unternehmen nach derzeitigem Stand nicht aufbringen. Nachdem Cineplex als nachrangiger Gläubiger bei einer Zahlungsunfähigkeit leer auszugehen drohen würde, gehen Experten von einer Einigung im Wege eines Vergleichs aus - tatsächlich hat Cineplex jüngst erklärt, bereits Berater engagiert zu haben, die dabei unterstützen sollen, den bisherigen Richterspruch bestmöglich zu monetarisieren. Was aber selbstverständlich auch eine enorme Belastung für Cineworld bedeuten würde. Auch an dieser Stelle zeigt sich eine gewisse Gemeinsamkeit mit Cinemaxx-Eigentümer Vue. Denn dort steht man wegen des geplatzten Verkaufs von CineStar in juristischer Auseinandersetzung mit Event Hospitality.

Der eigentliche Kinobetrieb bei Cineworld solle von den anstehenden Maßnahmen unberührt bleiben, zugleich "erwarte" man, den Verpflichtungen gegenüber Geschäftspartnern weiter nachkommen zu können.