Kino

Trauer um Ralf Schenk

Der langjährige Vorstand der DEFA-Stiftung, Ralf Schenk, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 66 Jahren verstorben.

19.08.2022 14:13 • von Jochen Müller
Mit 66 Jahren verstorben: Ralf Schenk (Bild: DEFA-Stiftung/Xavier Bonin)

Ralf Schenk ist tot. Wie die DEFA-Stiftung, als deren Vorstand Schenk von 2012 bis 2020 fungierte, mitteilt, ist Schenk am vergangenen Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit mit 66 Jahren verstorben.

Schenk war am 27. März 1956 im thüringischen Arnstadt geboren worden. Von 1975 bis 1979 studierte er an der Universität Leipzig Journalistik. Während des Studiums schrieb Schenk bereits Filmkritiken und leitete den Jugendclub des Leipziger Capitol-Kinos. Nach dem Studium arbeitete Schenk mehrere Jahrzehnte lang als Redakteur für Zeitschriften Die Weltbühne", "Film und Fernsehen", "Filmspiegel", "Filmdienst" und die "Berliner Zeitung" und wirkte an mehreren TV-Dokumentationen öffentlich-rechtlicher Sender mit. Im Mittelpunkt seines Interesses standen dabei die filmischen Stimmen Osteuropas, insbesondere Polens und Ungarns, sowie die Produktionen der DEFA.

Nach der Wiedervereinigung war Ralf Schenk maßgeblich an der Aufarbeitung der DEFA-Geschichte beteiligt. Er zählte zu den Herausgebern von Werken wie "Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg" zum DEFA-Spielfilm und "Schwarzweiß und Farbe" zum DEFA-Dokumentarfilm und "Die Trick-Fabrik" zum DEFA-Animationsfilm, die heute zu Standardwerken zählen.

Von 2012 bis 2020 war Ralf Schenk als Vorstand der DEFA-Stiftung tätig. Während dieser Zeit erschienen in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung u.a. die von ihm mitherausgegebenen Bücher "Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum" und "Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme", mit denen Lücken in der DEFA-Forschung geschlossen werden konnten. Ein maßgeblicher Verdienst Schenks waren auch die Rekonstruktion von DEFA-Produktionen wie "Die Schönste", "Hände hoch oder ich schieße", "Sommerwege" und "Fräulein Schmetterling". 2020 wurde er für seine Verdienste um das DEFA-Filmerbe mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Schenk, der 2011 von der heutigen Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf zum Ehrendoktor ernannt worden war und von 2004 bis 2019 als Mitglied der Auswahlkommission für den Spielfilmwettbewerb der Berlinale fungierte, war bis kurz vor seinem Tod filmpublizistisch tätig. So erschien im Mai das von ihm mitherausgegebene Buch "Publikumspiraten. Das Genrekino der DEFA und seine Regisseure (1946-90)".

DEFA-Stiftungsvorstand Stefanie Eckert würdigt den Verstorbenen: "Wir trauern um unseren langjährigen Vorstand, unseren Kollegen, unseren Wegbegleiter, um einen herzensguten Freund. Sein Name wird immer eng mit der Geschichte der DEFA und der DEFA-Stiftung verbunden bleiben. Sein Humor, seine Neugierde und seine Begeisterungsfähigkeit werden uns fehlen. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie."