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Michael Reisch über das Filmfestival Kitzbühel: Ein Herz für den jungen Film

Das Filmfestival Kitzbühel startet am 22. August mit seiner zehnten Edition. Gründungsmitglied Michael Reisch spricht über die Entwicklung und den Stellenwert des Festivals in dem wohl legendärsten Sportstädtchens der Tiroler Alpen.

19.08.2022 13:34 • von Barbara Schuster
Michael Reisch (Bild: API/MT/Filmfestival Kitzbühel)

Das Filmfestival Kitzbühel feiert Zehnjähriges. Der Startschuss fällt am 22. August. Gründungsmitglied Michael Reisch spricht über die Entwicklung und den Stellenwert des Festivals in dem wohl legendärsten Sportstädtchens der Tiroler Alpen.

Zehn Jahre Filmfestival Kitzbühel. Ist das Festival dort, wo Sie es sehen wollten? Hat das Festival seine DNA gefunden?

MICHAEL REISCH: Ein klares ja! Zu unserer DNA gehört, den jungen Film zu unterstützen. Dieses Jahr haben wir - gemeinsam mit dem Beirat - den Fokus noch einmal geschärft. Es ist unsere erklärte Absicht, uns künftig noch stärker auf die DACH-Region zu konzentrieren. Unser Produktionsforum AlpenDating, das wir für junge Produzentinnen und Produzenten im mittlerweile sechsten Jahr gemeinsam mit dem FFF Bayern, IDM, ÖFI und dem Schweizer BAK ausrichten, war unsere erste Veranstaltung für und mit den Nachbarregionen. Zusätzlich haben wir nun ein Kurzfilmprogramm mit Kurzfilmpreis für die DACH-Regionen und programmieren vermehrt Dokumentar- und Spielfilme aus diesen Ländern. Dieser Fokus passt auch geografisch sehr gut zu Kitzbühel. Viele unserer ausländischen Gäste erreichen uns in rund zweieinhalb Stunden Fahrzeit. Die Filmfans aus München haben es sogar noch näher....

Welchen Stellenwert hat das Festival mittlerweile in Österreich, welchen Stellenwert hat es für Tirol?

Für Tirol ist der Stellenwert sehr groß. Auch in Österreich haben wir uns mittlerweile gut etabliert im Kreis der anderen Festivals wie Viennale, Diagonale und Crossing Europe. Kitzbühel fällt dabei, auch international betrachtet, mit einer Besonderheit aus dem Rahmen. Die meisten Festivals finden in Großstädten statt, Kitzbühel hingegen ist eine 8000-Seelen-Gemeinde. Das Kino aufs Land zu bringen, war ein Gründungsgedanke von uns. Wir stellen fest, dass wir mit dieser Idee mittlerweile nicht mehr alleine sind. Es gibt längst Sommer-Kinotouren oder tolle Open-Air-Kinoveranstaltungen. Wir haben schon vor zehn Jahren besondere Orte für unser Festival kreiert. Kino am Berg, Autokino und das Kino in der Stadt sind bei unseren Gästen sehr beliebt und ungemein frequentiert. Darauf sind wir sehr stolz und stellen fest, dass andere Veranstalter diesen Trend bei ihren Festivals übernehmen.

Das Filmfestival Kitzbühel hat sich von Anfang an für den österreichischen Filmnachwuchs stark gemacht. Was sind aktuelle Bewegungen, die auffallen? Inwiefern fruchten Ihre Bemühungen?

Im Übergang von 2019 auf 2020 gab es durch die Pandemie eine drastische Veränderung. Wir sehen einen großen Filmstau. Meinem Team und mir ist ein großes Anliegen, Filmen, die in der Coronakrise aus der regulären Auswertungsform gefallen sind, Programmslots zu geben. Schon 2020 und 2021 haben wir deshalb auch verstärkt österreichische Produktionen programmiert. Wir wollen den heimischen Filmemachern bei uns eine gute Plattform geben, damit ihre engagierte Arbeit auch honoriert wird. Wir sind sogar so weit gegangen, dass wir einigen Filmen, deren Kinoverwertung durch die Lockdowns abgebrochen werden musste, nochmal ins Programm aufnahmen, auch wenn es keine Premieren mehr waren. Der Filmstau hält nach wie vor an. Dies merken wir bei den Einreichungen ganz deutlich. Mit Blick auf das Programm ist es so, dass wir publikumsfreundlicher auswählen. Kino ist und darf auch mal Flucht sein. Wir sind konfrontiert mit einer Energiekrise, einer Klimakrise und dem Krieg in der Ukraine. Ob Corona wieder in unser Leben zurückkehrt, wissen wir aktuell noch nicht. Thematisch wollten wir deshalb nicht mit den schwersten Stoffen anfangen. Es ist uns wichtig, dem Publikum, in Zeiten wie diesen, noch mehr Unterhaltung zu bieten.

Inwiefern hat die Coronapandemie ihre Spuren beim Filmfestival Kitzbühel hinterlassen?

Durch die gute Arbeit unserer Regierung mit Andrea Mayer als Kulturstaatssekretärin an der Spitze, ist in der österreichischen Kulturlandschaft kaum etwas verschwunden. Es wurde geschaut, dass alle Veranstaltungen, Vereine etc. ausreichend Unterstützung erhielten. Auch wir bekamen Coronahilfen. Generell ist der Förderanteil des Filmfestivals Kitzbühel nicht besonders hoch. Wir erhalten Gelder vom Land, der Gemeinde und dem Bundesministerium. Prozentual gesehen, werden wir allerdings lange nicht so unterstützt wie zum Beispiel die Diagonale oder die Viennale. Wir generieren dafür sehr viel aus dem privaten Sektor. Wir sehen aktuell allerdings, dass die Sponsorensuche durch die Pandemie nicht einfacher geworden ist. Die Marketing-Verantwortlichen schauen mehr denn je auf jeden einzelnen Euro. Deshalb sind wir froh, dass wir langjährige, gute und starke Partner haben, von denen wir - trotz Corona - keinen verloren haben. Dafür an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön.

Ebenfalls von Anfang hat das Filmfestival Kitzbühel die Branche miteinbezogen. Es gibt das AlpenDating, das Drehbuchklausur. Ist dieser Zweig noch ausbaufähig?

Oh ja - deshalb bauen wir ihn in diesem Jahr auch noch weiter aus. Für uns ist es wichtig, das Filmfestival als Branchentreff für gesamte Industrie zu etablieren. Die besonderen Locations, die wir in Kitzbühel anbieten können, sind großartige Orte für einen guten Austausch der Macher in der Filmszene. Unsere Angebote wie das AlpenDating, die Drehbuchklausur oder die diverse Networking-Brunches funktionieren sehr gut. Nach den Coronajahren 2020/21, in denen wir den Industriebereich weitestgehend ruhen ließen, haben wir ihn nun in diesem Jahr mit zwei hochkarätig besetzten Panels zu aktuellen Themen erweitert. Das AlpenDating haben wir mit Vorträgen angereichert. Unsere Herangehensweise war und ist: peu à peu und Schritt für Schritt. Lieber gesund wachsen, als zu schnell verglühen...

Auf was freuen Sie sich dieses Jahr besonders? Was sind Highlights?

Ich möchte keinen speziellen Film aus dem Programm hervorheben. Ich freue mich einfach sehr auf das gesamte Filmfestival. Nicht nur, weil wir dieses Jubiläum feiern dürfen, sondern weil es endlich wieder ein richtiges Festival sein darf, wie wir es zuletzt 2019 hatten. Vor drei Jahren hatten wir unser bislang stärkstes und erfolgreichstes Jahr. Daran knüpfen wir in diesem Jahr an. Endlich haben wir wieder ein Festivalzentrum, können wieder internationale Gäste begrüßen und ein hochkarätiges Networking bieten. Auch für den Abschluss des Festivals haben wir eine Neuerung geplant. Erstmals wird es nach der Preisverleihung eine große Festivalnight geben. Zweimal hatten wir sie schon geplant - in diesem Jahr kommt sie. Erfreulicherweise spüren wir gerade auch beim Kartenvorverkauf, dass die Leute wieder Lust auf Kino und Events haben. Dies motiviert mein Team und mich enorm, dass beste Filmfestival unserer noch recht jungen Geschichte vorzubereiten und umzusetzen.

Das Gespräch führte Barbara Schuster