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Petition gegen "Aufweichung im Jugendmedienschutz" gestartet

In einem von der Rundfunkkommission der Länder vorgestellten Entwurf zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages ist vorgesehen, dass TV- und Streaminganbieter Filme abweichend von der FSK-Altersfreigabe selbst bewerten können, um sie auch jüngeren Altersgruppen zugänglich zu machen. Dagegen haben die FSK und ein Bündnis von Jugendschutzorganisationen jetzt eine Petition gestartet, die auf breite Unterstützung stößt.

18.08.2022 10:51 • von Jochen Müller
Die FSK-Geschäftsführer Helmut Poßmann und Stefan Linz (Bild: FSK)

Unter dem Titel "Ein Film, eine Altersfreigabe - Damit Jugendschutz verlässlich bleibt!" haben die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und ein Bündnis von Jugendschutzorganisationen jetzt eine Petition gestartet.

Sie wendet sich, wie es in einer Pressemitteilung heißt, "gegen eine geplante Aufweichung im Jugendmedienschutz". Explizit im Visier der Petition steht ein in einem von der Rundfunkkommission der Länder vorgelegten Entwurf zur Novellierung des Jugenmedienschutz-Staatsvertrages enthaltener Passus, der TV- und Streaminganbietern die Möglichkeit einräumt, Filme mit FSK-Altersfreigaben abweichend selbst zu bewerten und damit auch jüngeren Altersgruppen zugänglich zu machen. Bis dato ist im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag festgeschrieben, dass die gesetzlichen Altersfreigaben nach dem Bundes-Jugendschutzgesetz auf für eine Auswertung im Rundfunk und online übernommen werden.

"Für Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte wäre es absolut nicht nachvollziehbar, wenn ein und derselbe Film im Kino und auf Bildträgern beispielsweise mit FSK 12 ausgewertet wird und parallel im Fernsehen oder bei VoD-Anbietern ab 6 oder ab 0 Jahren gekennzeichnet und im Kinderprogramm oder Kinderaccount zugänglich ist. Unterschiedliche Einstufungen untergraben das Vertrauen genau dort, wo Jugendschutz gut funktioniert: einheitliche FSK-Altersfreigaben für alle Plattformen, die in unabhängigen und transparenten Prüfverfahren ermittelt werden", betont FSK-Geschäftsführer Stefan Linz.

Die Petition wird von zahlreichen (Branchen)Verbänden und Organisationen wie der AG Verleih, dem Bundesverband Audiovisuelle Medien, der Deutschen Filmakademie, FDW - Werbung im Kino, dem HDF Kino, dem Produzentenverband, der SPIO, dem Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater, dem Verband der Filmverleiher, dem Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen, dem Deutschen Kinderschutzbund und dem Deutschen Kinderhilfswerk unterstützt.

Die HDF-Kino-Vorstandsvorsitzende Christine Berg betont: "Seit Jahrzehnten bietet die FSK eine verlässliche Orientierung bei der alters-gerechten Auswahl von filmischen Inhalten und kann dabei auf eine breite Akzeptanz und ein großes Vertrauen in der Bevölkerung setzen. Die geplante Novellierung stellt den funktionierenden Jugendschutz für filmische Inhalte ohne Not oder inhaltliche Rechtfertigung in Frage. Wir nehmen den Jugendschutz sehr ernst, aber eine Durchsetzung der FSK-Freigabe an der Kinokasse wird durch diese Aufweichung deutlich erschwert. Eltern wird - zu Recht - nicht verständlich sein, warum sie mit ihren Kindern einen Film im Kino nicht sehen dürfen, wenn dieser im Streaming oder TV ohne entsprechende Altersbeschränkung zugänglich gemacht wird. Daher unterstützen wir die von der FSK initiierte Petition 'Ein Film, eine Altersfreigabe - damit Jugendschutz verlässlich bleibt!'."

SPIO- und FSK-Geschäftsführer Helmut Poßmann stellt fest: "Die nun geplante eingeschränkte Wirkung der gesetzlichen FSK-Altersfreigaben und Möglichkeit im Online-Bereich und Rundfunk davon abzuweichen, ist das Resultat mangelnder Abstimmung im Jugendmedienschutz zwischen Bund (JuSchG) und Ländern (JMStV). Das Nachsehen haben dabei am Ende die Verbraucher:innen, denen eine verlässliche Orientierung bei der Altersfreigabe genommen wird."

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