Kino

Betreiber-Umfrage zur Filmmesse 2022, Teil 5: "Gegenmaßnahmen notwendig"

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antworten Laura und Wolfram Weber.

18.08.2022 09:03 • von Marc Mensch
Laura und Wolfram Weber (Bild: Cinecittá)

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antworten Laura und Wolfram Weber.

1. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahresverlauf? An welcher Stelle gibt es noch am meisten aufzuholen?

Wir waren in der Jahresschätzung für Januar bis Juli von ca. 500.000 Besuchern ausgegangen, real haben wir 7,1 Prozent weniger erreicht. Im ersten Quartal hatten wir ca. 45 bis 50 Prozent der durchschnittlichen Besucher der drei Jahre vor der Pandemie angesetzt, im April ca. 80 Prozent und danach ca. 90 bis 95 Prozent. Bis auf den Mai war diese Annahme richtig. Für das Komplettjahr rechnen wir mit ca. einer Million Besuchern. Es gibt immer noch Besucherschichten, die sich im pandemiebedingten Kokon eingerichtet haben und diesen ungern verlassen - auch die gilt es wieder zu aktivieren.

2. Wie beurteilen Sie die Personalsituation in Ihrem Unternehmen - und was unternehmen Sie ggf., um die Situation (weiter) zu verbessern?

Die Personalsituation ist nach wie vor angespannt, da wir knapp 30 Prozent weniger Mitarbeiter haben als vor der Pandemie. Beim Mindestlohn von zwölf Euro ab Oktober ist besonders ärgerlich, dass die pauschalierten Lohnnebenkosten von ca. 30 Prozent nicht zur Hälfte von den Arbeitnehmern getragen werden, wie es bei regulär Beschäftigten der Fall ist. Das führt zu einem massiven Ungleichgewicht in der Lohnstruktur.

3. Welche Herausforderungen sehen Sie im vierten Quartal auf die Kinos zukommen - und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Wir hoffen, dass die Pandemie nicht wieder Fahrt aufnimmt und dann Blockbuster wie "Avatar" ausbremst. Das Schreckgespenst "Herbstwelle" hätte nicht nur Terminverschiebungen zur Folge, auch Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen stünden vermutlich erneut im Raum. Solche Auflagen oder Schließungen wie in den Vorjahren wären natürlich fatal. Wir bieten im Cinecittá wieder Impfmöglichkeiten mit dem mobilen Impfteam an und können nur an alle appellieren, solche Angebote wahrzunehmen. Eine weitere Herausforderung sind die Energiekosten, die um das Drei- bis Vierfache steigen und bei uns dann mit Kosten von über einer Mio. Euro zu Buche schlagen. Hier sind Gegenmaßnahmen notwendig, an denen bereits gearbeitet wird. Unser Ziel ist, durch Produktion von Eigenstrom mit Flusskraftwerken in der Pegnitz und mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern von stark schwankenden Strompreisen unabhängig zu werden. Heizung und Kühlung erfolgen dann über Wärmepumpen, sodass keine fossilen Brennstoffe mehr benötigt werden. Außerdem soll durch Effizienzmaßnahmen erreicht werden, dass ca. 25 Prozent weniger elektrische Energie benötigt wird.