Kino

Betreiber-Umfrage zur Filmmesse 2022, Teil 4: "Strategien entwickeln"

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antwortet Anne Kellner.

17.08.2022 13:13 • von Marc Mensch
Anne Kellner (Bild: Uwe Frauendorf)

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antwortet Anne Kellner.

1. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahresverlauf? An welcher Stelle gibt es noch am meisten aufzuholen?

In Mecklenburg-Vorpommern waren die Kinos bis Februar 2022 geschlossen, und danach war es ein sehr mühsamer Neustart. Von März bis Mai hatten wir nur 59 Prozent der Gäste des Vergleichszeitraums 2019. Das Verhalten der Besucher:innen hat sich verändert, viele sind (noch) nicht wiedergekommen. Die Gründe sind vielfältig, reichen von veränderten sozialen und kulturellen Gewohnheiten bis zur Verunsicherung durch die aktuelle Lage. Gleichzeitig fehlten die starken und zugkräftigen Filme im Arthouse-Bereich, wie Der Rausch" oder Nomadland", wie wir sie 2021 hatten. Jetzt im Sommer wurden die Zahlen mit "Monsieur Claude" und anderen Filmen etwas besser. Aber noch immer treffe ich Leute auf der Straße, die sagen: "Ach, im Kino war ich wirklich lange nicht! Ich weiß gar nicht, warum."

2. Wie beurteilen Sie die Personalsituation in Ihrem Unternehmen - und was unternehmen Sie ggf., um die Situation (weiter) zu verbessern?

Als Studentenstadt, mit einer Hochschule für Musik und Theater und einer Ausbildungsstätte für Mediengestalter Bild und Ton im eigenen Haus haben wir in Rostock immer genug Anfragen von wirklich kinoaffinen jungen Menschen, das ist großartig! Die Personalsituation ist gut und die Leute sind motiviert. Zwei feste Mitarbeiter:innen haben jetzt an den Social Media Workshops von Zurück ins Kino teilgenommen, und natürlich werden wir versuchen, ganz viele Ideen umzusetzen!

3. Welche Herausforderungen sehen Sie im vierten Quartal auf die Kinos zukommen - und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Einiges, was den Herbst betrifft, ist noch nicht abwägbar. Zum Beispiel: Wie werden die kommenden Corona-Maßnahmen aussehen und welche Auswirkungen werden sie auf die Kinos haben? Wird nun endlich mit Augenmaß auf die Kultur geschaut oder gibt es wieder unverständlich harte Einschränkungen in einigen Bundesländern? Da werden wir eventuell sehr spontan und aktiv reagieren müssen. Ansonsten hoffe ich auf starke Filme und gute Kampagnen. Wir werden jetzt im Sommer die Zeit nutzen und Strategien entwickeln, um die Gäste zurück ins Kino zu holen. Und wir werden unsere Kooperationen ausbauen, um mehr besondere Filmveranstaltungen anbieten zu können. Davon, wie gut das in den nächsten ein, zwei Jahren gelingt, hängt letztlich unser Überleben ab.