Kino

Betreiber-Umfrage zur Filmmesse 2022, Teil 3: "Hoffe auf Einsicht"

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antwortet Tilman Wagner.

17.08.2022 10:02 • von Marc Mensch
Tilman Wagner (Bild: Wagner & Partner GbR)

Im Vorfeld der Filmmesse haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie zufrieden sie mit dem bisherigen Jahresverlauf sind, wo es noch aufzuholen gilt, wie sich die Personalsituation für sie darstellt - und wie sie sich auf Herausforderungen gegen Ende des Jahres vorbereiten. Hier antwortet Tilman Wagner.

1. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahresverlauf? An welcher Stelle gibt es noch am meisten aufzuholen?

Grund, den Champagner aus dem Kühlschrank zu holen, besteht beim bisherigen Jahresverlauf nicht. Zwar haben Blockbuster gerade in den vergangenen Wochen zu einem Aufatmen geführt, die Zahlen aus 2019 sind aber lange noch nicht erreicht. Liegt es daran, dass eine Krise eine andere abgelöst hat? Daran, dass bestimmte Besuchergruppen aus Angst, sich zu infizieren, fern bleiben? Oder sind sie noch nicht streamingmüde? Haben wir es nicht verstanden, die Wertigkeit der "Kulturstätte Kino" ausreichend zu etablieren? Erfreulicherweise hat das kontinuierliche Verschieben der Filme ein vorläufiges Ende gefunden, so dass sich das desorientierte Publikum wieder auf eine gewisse Verlässlichkeit einstellen konnte. Ob es aber richtig ist, bestimmte Blockbuster anfänglich nur in 3D (es sei denn, ein weiterer Saal steht zur Verfügung) zu präsentieren, wird sich zeigen. Und unsere Besucher haben sich in Corona-Zeiten auf Serienlängen eingestellt, Filmlängen von 140 Minuten oder mehr werden schon als Zumutung empfunden.

2. Wie beurteilen Sie die Personalsituation in Ihrem Unternehmen - und was unternehmen Sie ggf., um die Situation (weiter) zu verbessern?

Wir wissen, dass Kompetenz und Freundlichkeit unserer Mitarbeiter neben einer attraktiven Location die Visitenkarte unserer Kinos sind. Teil- und Vollzeitkräfte konnten dank staatlicher Hilfen über die Zeit der Lockdowns hinweg gerettet werden. Bei unseren Minijobbern mussten wir uns mehr anstrengen. Alle Mitarbeiter, aber gerade diese Kräfte, wurden kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten und soweit möglich in Renovierungsmaßnahmen integriert. Zudem haben wir ein Testzentrum im Foyer unseres Cinecity Crailsheim eröffnet. Letztlich haben wir weniger als fünf Prozent der 450-Euro-Kräfte verloren und konnten mit Wiedereröffnung unsere Säle in vollem Umfang inklusive Spätvorstellungen bespielen.

3. Welche Herausforderungen sehen Sie im vierten Quartal auf die Kinos zukommen - und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Im vierten Quartal werden wir uns immer noch sehr intensiv mit der Thematik der Energiekosten und möglicherweise auch steigenden Inzidenzen auseinandersetzen müssen. Auch der Content ist - zumindest bis zum Start von Avatar: The Way of Water" - noch steigerungsfähig. Insgesamt ist alles noch ernüchternd. Schade ist auch, dass das mit viel Engagement vom HDF initiierte Kinofest bei den meisten Verleihern noch auf wenig Gegenliebe stößt. Sollte es dabei blieben, würde die sich bietende Chance ungenutzt verstreichen. Hier hoffe ich auf Einsicht.