Produktion

Das SamFilm-Duo zu "Der junge Häuptling Winnetou" und "Wow"

Die Münchner SamFilm, die sich mit den Filmreihen "Die wilden Kerle", "Fünf Freunde" und "Ostwind" profilierte, ist seit heute mit "Der junge Häuptling Winnetou" in den Kinos. Und mit "Wow - Nachricht aus dem All" steht das nächste Großprojekt in den Startlöchern. Wir sprachen mit den Produzenten und Firmengründern Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton.

11.08.2022 10:22 • von Heike Angermaier
Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton (Bild: SamFilm)

Die Münchner SamFilm, die sich mit den Filmreihen "Die wilden Kerle", Fünf Freunde" und Ostwind" profilierte, ist seit heute mit Der junge Häuptling Winnetou" in den Kinos. Und mit "Wow - Nachricht aus dem All" steht das nächste Großprojekt in den Startlöchern. Wir sprachen mit den Produzenten und Firmengründern Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton.

"Der junge Häuptling Winnetou" ist von den berühmten Karl-May-Helden inspiriert, erzählt aber eine ganz neue Geschichte für ein junges, modernes Publikum. Was war Ihnen bei der Umsetzung besonders wichtig?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Karl May ist einer der meistgelesen deutschen Autoren aller Zeiten. Und obgleich er selbst nie einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hat, hat er mit Winnetou, seiner berühmtesten Figur, eine Legende erschaffen. Winnetou steht seit Generationen für Tapferkeit, Gerechtigkeit und Edelmut. Die Frage, wie war der künftige Häuptling eigentlich als Kind, welche Streiche oder auch Schicksalsschläge formten den Charakter, ließ uns nicht mehr los. Zentral war für uns von Anfang an, dass wir eine positive, zeitgemäße Botschaft für alle Zuschauer, jung und alt, transportieren wollen - Freundschaft und Völkerverständigung oder mit den Worten Winnetous im Film: »Das Herz sieht besser als das Auge.«

Wie stark fühlen Sie sich den Büchern verpflichtet? Inwieweit spielten die Winnetou-Verfilmungen eine Rolle?

EWA KARLSTRÖM: Man muss Karl Mays Geschichten als Märchen verstehen, die einer unglaublichen Fantasie entsprungen sind, aber zugleich in keiner Weise eine dokumentarische Realität abbilden möchten. Karl Mays kulturelles Erbe war uns immer heilig. Unsere Figuren bewegen sich in dieser märchenhaften Welt von Karl May, wir haben keine Figur entfremdet und das Drehbuch geht sehr respektvoll mit den früheren Romanen und Kinofilmen um.

Der Film ist ein Western, an tollen Original-Locations gedreht und das bis dato größte Projekt für SamFilm. Es entstand während der Pandemie. Wie haben Sie es gewuppt?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Die Dreharbeiten waren ursprünglich für Frühjahr 2020 geplant, ein Teil unseres Teams war bereits nach Andalusien gereist. Wir mussten dann um vier Monate verschieben, mitten in den spanischen Sommer und dann bei 40 Grad im Schatten in der wüstenähnlichen Landschaft drehen.

EWA KARLSTRÖM: Hinzu kam die Maskenpflicht am Set und die weitreichenden Schutzmaßnahmen. Da waren wir zunächst verunsichert, ob das die richtige Entscheidung war. Aber ein zweites Mal zu verschieben, war keine Option. Der positive Effekt war, dass das ganze Team, auch die Schauspieler über Wochen am Set blieben und auf punktuelle Rückreisen verzichtet hatten, sodass alle zu einer großen Familie zusammenwuchsen. Die gute Laune, die dadurch entstanden ist, spürt man auch beim fertigen Film.

Was war die größte Herausforderung für Sie?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Einen Western macht man nicht jeden Tag. Und das Genre an sich fordert alle Departments im höchsten Maße - Szenenbild, Maske, Kamera usw.. Dazu kommt, dass es zahlreiche Vorlagen gibt, die die Seherwartungen der Zuschauer sehr hoch hängen. Besonders hervor­heben kann man vielleicht unsere Haupt-Action-Sequenz, bei der die beiden Kinderdarsteller in einem Planwagen mit durchgegangenen Pferden auf einen Abgrund zurasen und Winnetou es in letzter Sekunde mit einem atemberaubenden Stunt schafft, die beiden zu retten. Wir haben allein diese Sequenz an vier Tagen gedreht. Mike Marzuk ist ein sehr erfahrener, vielseitig begabter Regisseur, der mit seinem Team ein Fun&Games-Herzstück des Films gemeistert hat.

Am Ende gab es einen Wechsel des Verleihs, wie kam es dazu?

EWA KARLSTRÖM: Aus konzerninternen Gründen hat Warner den Film abgegeben. Und Leonine wollte ihn unbedingt haben. So kam es zu einer Win-Win-Situation, mit der wir alle sehr glücklich sind.

Wie viele Zuschauer erwarten Sie, erhoffen Sie sich für "Der junge Häuptling Winnetou"?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Natürlich hoffen wir, dass möglichst viele Zuschauer den Film sehen werden. Wie viele es dann wirklich werden, keine Ahnung. Wir realisieren nur wenige Filme mit SamFilm und versuchen sie so gut wie möglich zu machen und zu ­begleiten, damit sie so gut wie möglich performen. Wir haben unser Bestes gegeben und Leonine hat eine kraftvolle Kampagne an den Start gebracht. Der Film ist präsent in 500 Kinos, die Voraussetzungen sind alle geschaffen.

Wie stark ist das internationale Interesse an "Der junge Häuptling Winnetou"?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Tatsächlich ist dieser von den deutschen Karl-May-Büchern inspirierte Stoff unser erster Film, der als Presale in die USA verkauft wurde, von unserem Weltvertrieb The Playmaker, der ehemaligen Arri Media International.

Mit "Wow - Nachricht aus dem All" steht das nächste große Projekt an. Wie kam es dazu?

EWA KARLSTRÖM: Marc Meyer hat uns vor circa einem Jahr sein Drehbuch "Kinder im Weltall" geschickt, das er mit Drehbuchförderung der BKM geschrieben hatte. Wir waren sofort davon begeistert. Es erzählt von zwei Kindern, die Signale aus dem All empfangen und überzeugt sind, dass es sich um Außerirdische handelt. Bei ihren Nachforschungen landen sie im ESA Weltraumhafen und dort aus Versehen in einer Rakete, die zur ISS fliegt.

Wir haben das Drehbuch intensiv mit Marc weiterentwickelt, vor allem die zweite Hälfte hat sich dabei stark verändert. Wir haben dann Felix Binder, mit dem wir schon länger über diverse Projekte sprechen, als Regisseur gewinnen können und die Zusammenarbeit mit ihm ist großartig. Mit diesem Paket sind wir dann zu unserem langjährigen Verleihpartner Constantin Film gegangen und Martin Moszkowicz hat unsere ­Begeisterung für das außergewöhnliche Projekt geteilt und quasi über Nacht ­zugesagt.

Wie lief die weitere Finanzierung?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: "Wow" ist unser bisher größtes ­Projekt. "Der junge Häuptling Winnetou" war schon sehr aufwändig, aber das ist jetzt noch eine größere - und auch tolle - Herausforderung für uns. Wir freuen uns sehr, dass der FFF Bayern, die Filmstiftung NRW und auch das Medienboard Berlin-Brandenburg unsere Begeisterung für das Projekt geteilt und unterstützt haben. Auch die FFA war sofort dabei. Von BKM, die das Drehbuch gefördert hatte, gab es aber leider eine Absage. Diese tat weh, weil wir auf die sogenannte Exzellenzförderung gesetzt hatten. Die Lücke konnten wir dann mit FFA-Referenzmitteln, FFF-Erfolgs­darlehen, sowie durch das großzügige weitere finanzielle Engagement von Constantin Film decken.

Wie ist der Status?

EWA KARLSTRÖM: Wir befinden uns in der heißen Vorbereitungsphase und am 6. September fangen wir mit den Dreharbeiten an.

Wo werden Sie drehen?

EWA KARLSTRÖM: Wir werden u.a. im virtuellen Studio Hyperbowl im bayrischen Penzing, sowie später in NRW und Berlin drehen. Das Studio in Penzing ist auf einem ehemaligen Fliegerhorst bei Landsberg am Lech gelegen, dessen Gelände wir auch für Außenaufnahmen des Weltraumhafens nutzen können.

AUS: Es wird sehr viele Szenen im All, auf der ISS und in der Schwerelosigkeit geben. Hierfür muss auch viel gebaut werden.

Wie sieht der Cast aus?

EWA KARLSTRÖM: Großartig sieht der aus! Beim Kindercasting entdeckten wir die tollen Kinder Ava-Elizabeth Awe und Felix Nölle. Da sie bei den Szenen in der Schwerelosigkeit längere Zeit in einem Gurt hängen müssen, trainieren sie jetzt im­ ­Vorfeld ihre Muskeln, u.a mit Trampo­lin­springen. Bei den Erwachsenen-­Hauptrollen freuen wir uns sehr, dass wir Ronald Zehrfeld für die Rolle des Vaters von Avas Figur und Lavinia Wilson für die Antagonistin gewinnen konnten. Zum tollen Ensemble gehören weiterhin Alwara Höfels und Daniel Christiansen als Vater von Felix' Figur. Anatole Taubman und Ludwig Trepte haben ebenfalls Rollen übernommen.

Haben Sie bei "Wow" eine mögliche ­Fortsetzung im Hinterkopf? SamFilm ist ja vor allem für seine Reihen bekannt.

EWA KARLSTRÖM: Wir konzentrieren uns erstmal ganz auf diesen Film, und geben alles um ihn so gut wie möglich zu machen. Wenn er aber gut funktioniert, steht eigentlich nichts einem weiteren Abenteuer im Wege. Auch "Die wilden Kerle" und ­"Ostwind" waren zuerst nur als Einzelfilme konzipiert.

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Bei "Fünf Freunde" war es anders. Wir gingen an den ersten Film mit der Überlegung heran, gleich im Jahr darauf einen zweiten Film zu realisieren, sollte der erste ein Erfolg werden. Wir sind ­vorsichtig. Im Moment ist es ja ganz besonders schwierig, vorherzusehen, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln, wie weit sich der Markt erholt.

Mit Trakehnerblut" hat SamFilm eine erste Serie für ServusTV produziert. Sind weitere Serien­projekte in der Planung?

EWA KARLSTRÖM: Wir haben einige sehr spannende Serienprojekte in der Entwicklung, manche sind schon weit fortgeschritten, aber wir können sie noch nicht nennen.

Der Schwerpunkt Ihrer Firma liegt beim Kinder/Familienfilm. Bleibt das so?

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Es gibt nicht so viele Genres, die in Deutschland im Kino erfolgreich sind. Da gibt es Family Entertainment oder die Komödie. Prinzipiell wollen wir kommerziell vielversprechende Projekte machen. Es muss nicht unbedingt Family Entertainment und es müssen keine Reihen sein. Wir haben immer auch Lust, neue Sachen anzugehen.

Sie haben vor knapp einem Jahr auf die Problematik des schwindenden Engagements der ­öffentlich-rechtlichen Sender bei der ­Finanzierung des Kinofilms für Kinder hingewiesen.

EWA KARLSTRÖM: Es hat sich nichts getan und es sieht leider so aus als wird das Thema weiterhin komplett ignoriert werden.

ANDREAS ULMKE-SMEATON: Dabei ist der Kinderfilm ein so wichtiges Thema. Die Kids sind die Zuschauer von Morgen. Den großen Family Entertainment Film den US-Amerikanern bzw. den dortigen Studios zu überlassen, ist bitter. Und nur die Initiative der Besondern Kinderfilm zu unterstützen ist nicht genug. Ein Kinderfilm, der am Markt Chancen hat, kostet einfach um ein Vielfaches mehr als von der Initiative vorgesehen ist.

Das Interview führte Heike Angermaier