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Patricia Schlesinger tritt auch als rbb-Intendantin zurück

Mit sofortiger Wirkung hat rbb-Intendantin Patricia Schlesinger ihr Amt niedergelegt. Die Leitung übernimmt ihr Stellvertreter Hagen Brandstäter.

07.08.2022 20:37 • von Michael Müller
Patricia Schlesinger beugt sich dem Druck (Bild: rbb/Thomas Ernst)

Patricia Schlesinger legt ihr Amt als Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit sofortiger Wirkung nieder und tritt als Chefin des Senders zurück. So heißt es in einer Mitteilung am Sonntagabend. Ihre Entscheidung teilte Schlesinger demnach den Vorsitzenden des rbb-Rundfunkrates und des rbb-Verwaltungsrates, Friederike von Kirchbach und Dorette König, am Sonntag mit. Diese akzeptierten den Rücktritt. Die Leitung des rbb übernimmt ab sofort Hagen Brandstäter, der stellvertretende Intendant.

Am Donnerstag war Schlesinger bereits als ARD-Vorsitzende vor dem Hintergrund der Mauschelei- und Filz-Vorwürfe der vergangenen Wochen zurückgetreten, die das Magazin "Business Insider" losgetreten und wöchentlich befeuert hatte. Schwerer als die Vorwürfe selbst wog, dass sich die kritischen Stimmen im eigenen Haus mehrten und auch die Intendantinnen und Intendanten der ARD den Ruf der Öffentlich-Rechtlichen durch die angeheizte Gier-Debatte von geleasten Dienstwagen und Zuhause abgehaltenen Geschäftsessen gefährdet sahen.

Patricia Schlesinger sagt selbst zum Rücktritt: "Meine Verantwortung gilt dem rbb und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aktuell steht nicht mehr die journalistische und publizistische Leistung des Senders im Vordergrund, sondern es geht nur um mögliche und angebliche Verfehlungen der Intendantin. Das bedauere ich sehr und ich entschuldige mich bei den Beschäftigten des rbb für diese Entwicklung. Der Rückzug ist für mich eine logische Konsequenz aus meinem Versprechen, immer und zuerst für die Belange des rbb einzutreten. Gleichzeitig haben persönliche Anwürfe und Diffamierungen ein Ausmaß angenommen, das es mir auch persönlich unmöglich macht, das Amt weiter auszuüben. Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt die anstehende Aufklärung der Vorwürfe erleichtere. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter hohem Rechtfertigungsdruck, der rbb beweist linear und non-linear jeden Tag, warum er für die Gesellschaft unverzichtbar ist. Dieser Aufgabe muss sich der rbb mit aller Kraft widmen können. Dem dürfen Vorwürfe gegen mich nicht im Wege stehen."

Die rbb-Rundfunkratsvorsitzende, Friedrike von Kirchbach, kommentiert: "Wenn Patricia Schlesinger ihr Amt aufgibt, ist das in der aktuellen Situation der richtige Schritt, weil die umfangreichen Vorwürfe nun unabhängig vom Alltagsgeschäft im rbb geklärt werden können. Ich danke ihr deshalb für diese weitreichende Entscheidung. Der Rundfunkrat wird sich am Montag in seiner Sondersitzung mit der neuen Situation auseinandersetzen können und beraten, wie nun die nächsten Schritte aussehen müssen."

Schlesinger war seit 2016 die Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Zuvor war sie Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Patricia Schlesinger kam 1961 in Hannover zur Welt. Sie volontierte beim NDR, berichtete aus Singapur und war Moderatorin bei "Panorama". Von 2001 bis 2004 war Schlesinger USA-Korrespondentin in Washington, 2006 übernahm sie die Führung der Abteilung Dokumentation & Reportage beim NDR.