Kino

AMC-Bilanz: "Ein spektakulär ermutigendes Quartal"

Während sich ungewöhnliche Investitionsstrategien für die weltgrößte Kinokette derzeit als Bürde erweisen, konnte AMC bei Vorlage der Quartalszahlen auf eine anhaltende Verbesserung der Gesamtergebnisse verweisen. Zwar ließ CEO Aron keinen Zweifel daran, dass nach einem Höhepunkt im Juli nun eine Durststrecke und ein schwaches dritte Quartal bevorsteht - der Blick nach vorne erfülle ihn jedoch mit Freude.

05.08.2022 12:00 • von Marc Mensch
Für AMC geht es weiter aufwärts (Bild: IMAGO/ZUMA Wire)

"AMC hat gerade ein spektakulär ermutigendes Quartal abgeschlossen, das unsere Laune hebt und den Blick nach vorne weiter aufhellt." Mit diesen Worten kommentierte AMC-CEO Adam Aron die jüngste Bilanz der weltweit größten Kinokette.

Was das in konkreten Zahlen heißt? Auch im zweiten Quartal 2022 musste AMC noch mit einem Nettoverlust leben - allerdings mit einem, der gegenüber dem Vorjahresquartal von 344 auf 121,6 Mio. Dollar sank. Das EBITDA wiederum gelangte durch eine Verbesserung von 257,5 Mio. Dollar in den positiven Bereich und stand zuletzt bei 106,7 Mio. Dollar gegenüber einem Minus von 150,8 Mio. Dollar aus dem zweiten Quartal 2021. Die Gesamtumsätze konnten um mehr als das Zweieinhalbfache von 444,7 Mio. Dollar auf 1,166 Mrd. Dollar gesteigert werden - und einem Cash-Burn von 126,8 Mio. Dollar im Vorjahresquartal stand eine Zunahme um 52 Mio. Dollar gegenüber.

Die guten Nachrichten setzten sich nach dem Ende des zweiten Quartals fort: Im Juli habe AMC in seinen US-Kinos die höchsten Besucherzahlen seit Dezember 2019 verzeichnet, vorläufige Werte für den Concessions-Verkauf in diesem Monat deuteten zudem darauf hin, dass es sich um die höchsten in der 102-jährigen Geschichte der Kette handeln könnte.

Allerdings machte Aron auch unmissverständlich klar, dass jetzt erst einmal eine Durststrecke bevorsteht. "Es gibt einen Mangel an Neustarts im August und September, die Dinge werden sich also für einige Wochen abkühlen", heißt es in einer AMC-Mitteilung. In einem Analystengespräch fügte Aron noch hinzu: "Erwarten Sie für das dritte Quartal nicht zu viel von uns."

Tatsächlich gaben die AMC-Anteile mit Veröffentlichung der Zahlen im nachbörslichen Handel zunächst einmal um über zehn Prozent nach - auch wenn Aron gute Aussichten für das vierte Quartal (und darüber hinaus) betonte. Vom Reddit-Trader getriebenen Höhenflug aus dem Juni 2021, als die Anteile auf fast 60 Dollar gestiegen waren, ist AMC längst wieder meilenweit entfernt; selbst von den gut 27 Dollar, die es noch zum Jahreswechsel waren. Allerdings war die Kursentwicklung in den vergangenen drei Monaten, in denen das Kinogeschäft in den USA wieder deutlich anzog, grundsätzlich (sehr) positiv, tatsächlich bewegte sich der Preis für die Anteile auch zuletzt über dem Niveau, das er über weiteste Strecken der drei Vor-Pandemie-Jahre besessen hatte.

Einen Punkt, den er zu adressieren gezwungen war: Die Diversifikation der Geschäftstätigkeit, in deren Zuge AMC in ein Bergbauunternehmen investiert hatte, erweist sich derzeit noch als Verlustgeschäft. So habe man rund zehn Mio. Dollar der 28 Mio. Dollar schweren Investition in Hycroft Mining abgeschrieben. Trotz der Schwankungen dieses Marktes sei man allerdings sehr zuversichtlich, dass sich das Engagement für AMC auf Dauer auszahlen würde; gerade jetzt starte Hycroft Mining die größte Erkundungsbohrung seit nahezu zehn Jahren.

Angesichts ungewöhnlicher Strategien wie dieser kommt es dennoch nicht von ungefähr, dass Aron - der vor allem Klein- und Kleinstanleger bei Laune zu halten gefordert ist - ausdrücklich zu unterstreichen versuchte, wie sehr er persönlich in den Konzern investiert ist. "Mein wirtschaftlicher Einsatz beläuft sich auf mehr als 50 Mio. Dollar", so Aron, "das ist ein starker Anreiz für mich, das Richtige im Sinne unserer Anteilseigner zu tun."

Wie gewohnt, nahm Aron im Investorengespräch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, im Sinne der Kinos zu argumentieren. "Unkenrufe", die der Kinobranche einen langanhaltenden Abstieg prophezeit hätten, nannte er schlicht "töricht"; Streamingplattformen bescheinigte er gar rundheraus, dass Hollywood den Daumen nach unten gesenkt habe, nachdem die Konsumenten zurück in die Kinos kämen und Studios feststellten, wie viel Geld sich mit einem exklusiven Leinwandeinsatz machen lasse. "Hollywood wendet sich vom Streaming ab, die Wall Street wendet sich vom Streaming ab - und Hollywood kommt zurück zum Kino", erklärte Aron.

Auf eine konkrete Prognose für 2023 wollte er sich nicht festlegen, allerdings prognostizierte er, dass das US-Boxoffice im kommenden Jahr um mehrere Milliarden höher liegen werde, als 2022. Auf den Jahresabschluss und auf 2023 jedenfalls blicke man mit ausdrücklicher Freude.

Unmittelbar vor Bekanntgabe der Quartalszahlen hatte AMC angekündigt, eine "Sonderdividende" in Form der Ausgabe eines Vorzugsanteils für jede der knapp 517 Mio. Stammaktien auszugeben. Und auch hier baut AMC wieder auf NFTs: Sämtliche 765.000 Mitglieder von "AMC Investor Connect" sowie jene, die dem bis Ende August beitreten, würden ein kostenloses "I OWN APE" NFT erhalten - wobei "APE" die Abkürzung für "AMC Preferred Equity" ist.