TV

RTL Group: Umsatz wächst gut, deutscher TV-Werbemarkt schwächelt

Das erste Halbjahr 2022 bringt für die RTL Group durchmischte Ergebnisse: Das Umsatzwachstum bleibt stark, der deutsche TV-Werbemarkt schwächelt. Wichtig wird es im Herbst, wenn in Frankreich und den Niederlanden gleich zwei große Fusionsentscheidungen anstehen.

05.08.2022 08:58 • von Michael Müller
Der RTL-Group-CEO Thomas Rabe kommentiert die aktuellen Zahlen des ersten Halbjahres (Bild: Bertelsmann)

Die RTL Group zieht Halbjahresbilanz mit einem Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent auf 3,276 Milliarden Euro. Im Vergleich zum 1. Quartal 2022 verlangsamte sich das Umsatzwachstum allerdings. Organisch betrachtet gab es dort sogar einen Verlust um 4,1 Prozent vor allem aufgrund des schwächelnden TV-Werbemarktes in Deutschland, der im März und April schon schwächer als erwartet war und sich seitdem noch weiter abschwächte. Die Streamingdienste RTL+ in Deutschland und Videoland in den Niederlanden stehen jetzt zusammen bei 4,5 Millionen zahlenden Abonnenten. In Q1 2022 waren das noch 4,3 Millionen Abonnenten.

Das Adjusted EBITA liegt für das gesamte Halbjahr bei 501 Millionen Euro und bei einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Der Gewinn schrumpfte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 von 929 Millionen Euro auf 304 Millionen Euro. Vergangenes Jahr verkaufte die RTL Group in dieser Hälfte das lukrative US-Unternehmen SpotX. Die Prognose für den Gesamtumsatz wurde leicht nach unten angepasst - von 7,4 Milliarden Euro wegen makroökonomischer Gründe auf eine Bandbreite von 7,3 Milliarden bis 7,5 Milliarden Euro.

Beim Streaming-Umsatz stehen RTL+ und Videoland zusammen genommen jetzt bei 130 Millionen Euro. Das sind 21,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2021. RTL+ hat jetzt 3,427 Millionen zahlende Abonnenten, was 68,9 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres ist. Videoland in den Niederlanden hat jetzt 1,079 Millionen Abonnenten.

Der RTL-Group-CEO Thomas Rabe kommentiert: "Die RTL Group hatte trotz der wachsenden ökonomischen Unsicherheiten aufgrund des Krieges in der Ukraine, steigender Inflation und Supply-Ketten-Probleme eine solide erste Hälfte 2022. Dank der Investitionen in Streaming und Inhalte und der starken Performance von RTL Nederland hat der Umsatz in unserer ersten Hälfte mit 3,3 Milliarden Euro ein neues Rekordlevel erreicht."

Aufgrund der makroökonomischen Herausforderungen habe sich die RTL Group dazu entschieden, die Prognose für das Gesamtjahr anzupassen. Rabe betonte in diesem Zusammenhang vor allem den Einfluss auf die Werbemärkte als Faktor. Das Adjusted EBITA für 2022 liege jetzt bei 1,05 und 1,15 Milliarden Euro.

Zur fraglicher gewordenen Fusion zwischen Groupe M6 von der RTL Group und TF1 äußerte sich Rabe auch, dessen angesagtes Ziel es bekanntlich ist, "nationale Champions" zu schaffen. Die Fusion zwischen RTL Deutschland und Gruner + Jahr laufe in der Fortentwicklung wie geplant in Deutschland. Zudem habe die RTL Group das Belgien- und das Kroatien-Geschäft verkauft. Zu Frankreich sagt Rabe: "Wir bleiben überzeugt, dass die Konsolidierung im Markt notwendig bleibt, um mit den weltweit agierenden Tech-Plattformen konkurrieren zu können." Ein Vorbericht der französischen Kartellbehörde hatte die Fusion in Frankreich infrage gestellt. Die endgültige Entscheidung fällt dort aber erst im Oktober. Auch die Kartellbehörden-Entscheidung zur angestrebten Fusion in den Niederlanden zwischen Talpa Network und RTL Nederland erfolgt im Herbst.