Festival

Locarno 75 mit "Bullet Train" eröffnet

Mit der internationalen Festivalpremiere von "Bullet Train" von David Leitch legte das Locarno Film Festival zum 75. Jubiläum einen Hochstart hin. Im Rahmen des Eröffnungsscreenings auf der ausverkauften Piazza Grande wurde Aaron Taylor-Johnson mit dem Excellence Award ausgezeichnet.

04.08.2022 10:09 • von Thomas Schultze
Aaron Taylor-Johnson erhielt den Excellence Award in Locarno (Bild: Imago / Independent Photo Agency Inc.)

Mit der internationalen Festivalpremiere von Bullet Train" legte das Locarno Film Festival zum 75. Jubiläum einen Hochstart hin. Im Rahmen des Eröffnungsscreenings auf der ausverkauften Piazza Grande wurde Aaron Taylor-Johnson, der mit seiner Frau, der Filmemacherin Sam Taylor-Johnson angereist war, mit dem Excellence Award ausgezeichnet, der von Bacardi ausgeschrieben wird. Hauptdarsteller Brad Pitt und Regisseur David Leitch wurden per Einspieler zugeschaltet und gratuliertem dem Kollegen - und gratuliertem dem Schweizer A-Festival zur 75. Ausgabe - die nach der Absage des physischen Festivals im Jahr 2020 und der abgespeckten Version von 2021 erstmals seit 2019 wieder im gewohnten Umfang stattfindet, zum zweiten Mal unter der Leitung von Giona A Nazarro, der vor den mehr als 6000 anwesenden Zuschauern die Vitalität und Bedeutung des Kinos unterstrich. Zuvor hatten er und der langjährige Festivalpräsident Marco Solari gemeinsam mit dem Bürgermeister von Locarno, Alain Scherrer, dem Kulturbeauftragten des Kantons Tessin, Manuele Bertoli, und dem Vizepräsident des Bundesrates, Alain Berset, bei einem Eröffnungsempfang in ihren Reden auf die wichtige Tradition des Locarno Film Festivals als Hort unabhängiger Kunst und freier Gedanken verwiesen.

Das war nicht zuletzt auch deshalb von Bedeutung, weil noch vor Start des Festivals eine Gruppe israelischer Filmemacher gefordert hatte, dass der Film "My Neighbor Adolf" von Leon Prudovsky, eine polnisch-israelische Koproduktion mit David Hayman und Udo Kier in den Hauptrollen, die heute Abend Weltpremiere auf der Piazza Grande feiern wird, abgesetzt werden sollte: Angeblich habe die staatlich geförderte Rabinovich Foundation, die zu den Finanziers der Komödie gehört, Einfluss auf die Produktion genommen, weil in ihren Statuten vermerkt sei, es dürften nur Filme gefördert werden, die die Existenz Israels als jüdischen und demokratischen Staat anerkennen. Das Festival wies die Forderung umgehend zurück. Man habe den Film wegen seiner außerordentlichen künstlerischen Qualitäten ausgewählt, merkte der künstlerische Leiter an und betonte, dass der Regisseur des Films versichert habe, er habe den Film ohne jegliche Einflussnahme realisieren können: "Meinungsfreiheit und künstlerische Freiheit sind seit 75 Jahren Leitlinien des Locarno Film Festival. Wir sind fest davon überzeugt, dass künstlerische Arbeiten Unabhängigkeit und Meinungsaustausch benötigen und stets ohne Einschränkungen realisiert werden können."

Das 75. Locarno Film Festival läuft noch bis zum 13. August, wenn zum Abschluss die Leoparden verliehen werden. Auf der Piazza Grande werden unter anderem Kilian Riedhofs Meinen Hass bekommt ihr nicht" und - als Abschlussfilm - die Schweizer Doku "Alles über Martin Suter" von André Schäfer gezeigt.