Kino

KOMMENTAR: Wir sehen uns in Köln

Nur noch wenige Tage, dann trifft sich die Kinobranche auf der Filmmesse in Köln. Es gibt viel zu besprechen, vor allem gibt es viel zu sichten. Denn auf diesen Kinoherbst kommt es an.

04.08.2022 07:48 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Nur noch wenige Tage, dann trifft sich die Kinobranche auf der Filmmesse in Köln. Es gibt viel zu besprechen, vor allem gibt es viel zu sichten. Denn auf diesen Kinoherbst kommt es an. Blickpunkt:Film und Messeveranstalter MMmedia haben mit Busch Glatz inzwischen eine gemeinsame Mutter. Das heißt nicht, dass sich jetzt das bewährte Messekonzept ändert. Ganz im Gegenteil: Auch diesmal werden zwölf der wichtigsten Verleiher die Höhepunkte ihres Programms der kommenden Monate präsentieren, endlich wieder ohne Coronabeschränkungen in den Sälen. Das heißt aber schon, dass Kommunikation groß geschrieben wird, innerhalb der Branche und über die Lage des Kinos.

Denn inmitten einer in ihren Folgen schwer zu berechnenden Sommerpandemie, vor dem Hintergrund schwerwiegender Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine und vor den Belastungen einer sich auf hohem Niveau verfestigenden Inflation ist es das Wichtigste, dass Kinobetreiber, Filmverleiher und ihre Dienstleister begreifen, dass sie in einem Boot sitzen und gemeinsam um die Zukunft ihres Marktes kämpfen müssen. Wenig ist dringender als der Austausch über die anstehenden Aufgaben, um dem Kino zu einer Strahlkraft zu verhelfen, die es wieder zum Tagesgespräch und zum Desideratum auch in jungen Zuschauergruppen macht. Köln bietet dafür die ideale Gelegenheit, genau zum richtigen Zeitpunkt. Für das Kino ist es zudem von essentieller Bedeutung, dass es in den kommenden Monaten mit Filmen aufwartet, die dem laufenden Bilderfluss der Streamingangebote Paroli bieten können.

Auch wenn die Auswüchse viele verstört haben mögen, aber die #gentleminions-Bewegung hat als Nebeneffekt auch viele Youngster den einzigartigen Erlebnischarakter von Kino wieder spüren lassen. Die weltweiten Erfolge der "Minions", von Top Gun Maverick" oder Spider-Man: No Way Home" haben sogar die Streamer ins Grübeln gebracht, warum sie 200-Mio.-Dollar-Filme wie "The Gray Man" in ihren Diensten versenken und nicht auf der großen Leinwand unsterblich machen sollten. Köln bietet die Gelegenheit, das Programm für den Herbst zu sichten, wenn die Offensive verstärkt werden muss, um das breite Publikum nach der Pandemie und während einer kostentreibenden Inflation für dieses wunderbare Erlebnis zu gewinnen. Die neuen, gemeinsamen Initiativen wie die anstehende Kinokampagne oder das endlich vereinbarte Kinofest nehmen von dort aus ihren Lauf, und der HDF präsentiert sogar noch weitere Pläne, um die Kinos zu professionalisieren und zum Strahlen zu bringen. Dieser Austausch mit Kinokollegen, Verleihern und Dienstleistern ist die Voraussetzung dafür, dass die besten Maßnahmen und Strategien gefunden werden, um dem Kino wieder die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die ihm auch in Zukunft gebührt. Wir sehen uns im Kino, wir sehen uns in Köln.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur