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PREVIEW KINO: "Bullet Train" mit Brad Pitt

Am Donnerstag startet mit "Bullet Train" der nächste große Hollywood-Blockbuster der Saison. Wir haben einen Blick auf den Actionfilm mit Brad Pitt in seiner ersten Hauptrolle seit dem Oscargewinn 2020 geworfen.

02.08.2022 15:17 • von Thomas Schultze
Partners in Crime: Brad Pitt und Aaron Taylor-Johnson in "Bullet Train" (Bild: Sony)

Am Donnerstag startet mit Bullet Train" der nächste große Hollywood-Blockbuster der Saison. Wir haben einen Blick auf den Actionfilm mit Brad Pitt in seiner ersten Hauptrolle seit dem Oscargewinn 2020 geworfen.

So viel steht fest: Etikettenschwindel betreibt "Bullet Train" nicht. Wer den Trailer gesehen oder einfach nur die Inhaltsangabe gelesen hat, wer weiß, dass die treibende kreative Kraft hinter der Verfilmung des ursprünglich 2010 erschienenen Romans des japanischen Krimischriftstellers Kotaro Isaka der ehemalige Stuntman David Leitch ist, der sich als Regisseur mit John Wick", Atomic Blonde", Deadpool 2" und Fast & Furious: Hobbs & Shaw" eine ganz eigene Nische geschaffen hat, der weiß, was ihn erwartet. Was man sieht, ist das, was man bekommt. Fair. Die eigentliche Frage vor der Sichtung war doch vielmehr, ob es Leitch in seinem fünften Film gelingen würde, dem Subgenre des comichaft übersteigerten Actionkinos neue Aspekte abzugewinnen, es vielleicht sogar über die Entfaltung des mittlerweile bekannten Budenzaubers voller nihilistischer Ultragewalt hinaus zu transzendieren. Ob er denn auch Fleisch auf die gut durchtrainierten Muskeln dieses filmischen Äquivalents besonders virilen Action-Paintings packen kann.

Das, so stellt sich heraus, war dann doch zu viel der Hoffnung. Man kann sich also zurücklehnen und muss das Gehirn nicht einschalten: Am besten unterhält "Bullet Train", wenn man den Film einfach über sich rollen lässt, als wäre er selbst ein Shinkansen, also einer jener Hochgeschwindigkeitszüge, die die knapp 500 Kilometer von Tokio nach Kyoto in etwa zwei Stunden zurücklegen. Das ist in etwa auch die Dauer des Films, der dem Zuschauer vermitteln will, seine Handlung würde sich in Realzeit abspielen. Fünf Killer befinden sich an Bord des Zugs. Es ist zunächst nicht ganz klar, ob sie etwas miteinander zu tun haben oder was genau eine gemeinsame Verbindung sein könnte. Fest steht indes von Anfang an, dass sie fortwährend in Situationen geraten, die sie zu Antagonisten machen. Manche sind länger auf der Reise, manche steigen ein, andere aus, der eine oder andere kommt nicht lebendig am Ziel an. Es ist ein beschwingter Reigen mit wiederholten gewalttätigen Auseinandersetzungen auf engstem Raum. Damit's nicht langweilig wird, gibt es immer wieder Rückblenden, die den Film öffnen: "Kill Bill" war offenbar ein Vorbild, aber immer, wenn "Bullet Train" sich besonders anstrengt, mit selbstreferenziellen Dialogen und popkulturellen Einsprengseln einen auf Tarantino zu machen, merkt man ihm seine Limitierungen an: Wollen ist nicht können.

Da ist man dann froh, dass der Film bei der Besetzung alles richtig gemacht hat: Brad Pitt ist tiefenentspannt souverän in seiner ersten Hauptrolle seit dem Oscargewinn für Once Upon A Time in, ein Hitman, der als Ersatz für einen Kollegen einfach nur einen Aktenkoffer in seinen Besitz bringen und dann den Zug beim nächsten Stopp wieder verlassen soll. Pustekuchen. Ebenso lässig und modebewusst sind Aaron Taylor-Johnson und Brian Tyree Henry als britisches Duo mit einer wiederum ganz anderen Agenda, und auch Joey King, Channing Tatums Tochter aus White House Down", hinterlässt einen bleibenden Eindruck als undurchsichtige Killer-Queen, sehr pretty in pink. Dazu gibt es den einen oder anderen witzigen Cameo-Auftritt diverser Hollywoodstars, die gut gelaunt vorbeischauen bei dieser auf Hochglanz polierten Action-Antwort auf Mord im Orient-Express", die sich weder von physikalischen Gesetzen noch innerer Logik den Spaß daran verderben lässt, einfach immer Vollgas zu geben.

Thomas Schultze