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KOMMENTAR: Tomorrow never knows

Here is a group trying to accomplish one thing, and that is to get to the future. Als wir 1998 wie verrückt tanzten zu dem futuristischen Drum'n'Bass von Ed Rush und Nico, war es irgendwie allen klar, dass sie gut werden würde, die Zukunft - auch wenn keiner eine rechte Vorstellung hatte, wie das denn aussehen könnte.

28.07.2022 07:29 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Here is a group trying to accomplish one thing, and that is to get to the future. Als wir 1998 wie verrückt tanzten zu dem futuristischen Drum'n'Bass von Ed Rush und Nico, war es irgendwie allen klar, dass sie gut werden würde, die Zukunft - auch wenn keiner eine rechte Vorstellung hatte, wie das denn aussehen könnte. Daran muss ich gerade wieder denken, weil das Wort "Zukunft" gerade wieder so oft verwendet wird im Zusammenhang mit dem Kino, dem Bewegtbild, den Filmfestivals, dass man es fast inflationär nennen könnte. Das ist weiß Gott keine Kritik. Wenigstens wird wieder über die Zukunft geredet, nach zwei Jahren der Stasis, unserem kollektiven Schwebezustand im Limbo.

Es heißt auch, dass wir uns zumindest schon wieder die Gegenwart zurückerobert haben. Große Events und Festivals hatte es schon im letzten Jahr gegeben, aber sie fühlten sich doch stets an, als würde man dem Frieden nicht so recht trauen wollen, als könne jedes kleine Tasten nach vorne ein Fehltritt sein. Freuen wir uns also darüber, dass wir tatsächlich zurück sind. Cannes, München und Karlovy Vary haben unterstrichen, dass sich die Filmgemeinde wieder treffen und Erfahrungen, Meinungen und Ansichten austauschen kann - auch wenn Corona ein gewisser Unsicherheitsfaktor bleibt.

Wen man an einem Tag auf einem Treffen gesprochen hatte, der konnte vielleicht schon am nächsten Tag auf der eigenen Veranstaltung fehlen. Nicht dass sich jemand darum reißen würde, positiv zu testen, aber immerhin sorgen Impfungen und der meist milde Verlauf von Omikron dafür, dass Covid zumindest aktuell nicht mehr als Menetekel wahrgenommen wird, als womöglich todbringendes Pendel, das über uns allen schwingt. Das hat einen erfreulichen Effekt.

Wenn man sich wirklich wieder treffen kann, von Angesicht zu Angesicht, und nicht bei einem der leidigen Zoom-/ Meet-/Teams-Treffen bei wackeliger Internetverbindung, fängt man automatisch an, nicht nur den Status Quo abzutasten, sondern wieder nach vorne zu sehen. Das ist sicherlich in anderen Branchen nicht weniger wichtig.

Fest steht, dass es für die Filmbranche von überlebensnotwendiger Bedeutung ist, sich ernste Gedanken zu machen, wohin die Reise gehen kann - und vor allem anzuerkennen, dass man zwar die Zahlen von vor Corona wohl wieder erreichen kann, dass es aber nicht möglich sein wird, wenn man weiter so arbeitet, wie es vor März 2020 der Fall war. Die Welt hat sich weitergedreht, wir müssen uns mit ihr drehen. Geht nicht anders.

Ab der kommenden Woche geht es weiter, da steht die Zukunft ganz groß auf der Agenda des Locarno Film Festival. Mal sehen, welche Erkenntnisse es da geben wird. Aktuell ist es doch eher so, dass man in der Popkultur weiter zurückgehen muss als 1998, zu den Beatles, um zu beschreiben, was Sache ist: Tomorrow never knows!

Thomas Schultze, Chefredakteur