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Angestrebte Fusion der RTL Group in Frankreich wird unwahrscheinlicher

Die Fusion zwischen TF1 und M6 sollte für die RTL Group eigentlich einen Modellcharakter auch für andere Länder wie die Niederlande und perspektivisch ebenso Deutschland haben. Ein Bericht der Kartellbehörde sät jetzt aber größere Zweifel für die Durchführung.

27.07.2022 08:57 • von Michael Müller
RTL Group CEO Thomas Rabe setzt auf eine Fusion in Frankreich (Bild: Bertelsmann)

Die angestrebte Fusion der beiden Medienriesen Groupe TF1 von Bouygues und Groupe M6, die zur RTL Group gehört, ist ein deutliches Stück unwahrscheinlicher geworden. Das beauftragte Team der französischen Kartellbehörde hat seinen Bericht vorgelegt und darin Vorbehalte geäußert. Das ist auch dahingehend spannend, weil RTL Group CEO Thomas Rabe diesen Merger eigentlich als Blaupause für die Niederlande und mit erweiterter Perspektive - immer wieder in Interviews angedeutet - auch für Deutschland mit RTL Deutschland und ProSiebenSat1 ins Spiel bringt.

Der 450-seitige Bericht des eingesetzten Teams der Kartellbehörde, der allerdings noch nicht das finale Urteil der Behörde vorweg nimmt, besagt, dass die geplante Fusion "erhebliche Wettbewerbsbedenken insbesondere im Werbemarkt" aufgeworfen habe. Laut einer gemeinsamen Mitteilung der RTL Group und Bouygues am Dienstag würden allerdings die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen des Berichts gegen die Bedenken das Vorhaben der Firmen irrelevant machen - und die Parteien würden das Fusionsvorhaben unter diesen Bedingungen zurückziehen.

Die RTL Group und Bouygues betonten aber in der selben Mitteilung, dass sie aktuell ihren Fusionsplan aufrecht erhalten und auf die französische Kartellbehörde in den kommenden drei Wochen reagieren werden. Die eigentliche Anhörung in der Behörde ist für den 5. und 6. September geplant.

Bei einem Zusammenschluss von TF1 und M6 würden die Unternehmen gemeinsam mehr als 70 Prozent des französischen Free-TV-Werbemarktes kontrollieren. Die Unternehmen argumentieren für die Fusion, dass dieser Werbemarkt mittlerweile durch den Medienwandel, das Aufkommen der Streamingdienste und den Boom der Online-Werbung nur noch ein Teil des Marktes darstellt. Der RTL Group geht es mit der Bildung von "nationalen Champions" vor allem darum, mit weltweit agierenden Konzernen wie Google, Amazon oder Netflix mithalten zu können.