Festival

Großes Aufgebot für Venedig

Die Mostra in Venedig hat das beeindruckende Programm ihrer 79. Ausgabe veröffentlicht. Zu den großen Namen, die erwartet worden waren, gehören im Wettbewerb Andrew Dominik, Darren Aronofsky, Martin McDonagh, Todd Field, Luda Guadagnino und Alejandro Gonzalez Iñarritu. Kein deutscher Filmemacher wurde ausgewählt. In Orizzonti taucht eine österreichische Produktion auf.

26.07.2022 12:18 • von Thomas Schultze
Hatte man fest eingeplant: "Blonde" von Andrew Dominik (Bild: Netflix)

Die Mostra in Venedig hat das beeindruckende Programm ihrer 79. Ausgabe veröffentlicht. Zu den großen Namen, die erwartet worden waren, gehören im Wettbewerb Andrew Dominik, Darren Aronofsky, Martin McDonagh, Todd Field, Luca Guadagnino und Alejandro Gonzalez Iñarritu. Kein deutscher Filmemacher wurde ausgewählt. In Orizzonti taucht eine österreichische Produktion auf.

Bereits gestern hatte man die Netflix-Produktion White Noise", die Adaption des Romans von Don DeLillo von Noah Baumbach, bekannt gegeben, die im Wettbewerb gezeigt wird. Der Abschlussfilm des diesjährigen Festivals ist The Hanging Sun" von Francesco Carrozzini, der außer Konkurrenz gezeigt wird, eine italienisch-britische Koproduktion mit Charles Dance, nach einem Thriller von Jo Nesbø.

Der Wettbewerb umfasst außerdem: "Il signore delle formiche" von Gianni Amelio mit Elio Germano über einen berühmt-berüchtigten italienischen Kriminalfall in den Sechzigerjahren. "The Whale" von dem vormaligen Goldener-Löwe-Gewinner Darren Aronofsky, in dem "Der Mumie"-Star Brendan Fraser seine Comebackvorstellung gibt, "L'immensità" von Emanuele Crialese, der zuletzt vor elf Jahren in Venedig war, mit Penélope Cruz in der Hauptrolle, Saint Omer" von der Doku-Filmemacherin Alice Diop, das einzige Regiedebüt im diesjährigen Wettbewerb, über eine Mutter, die ihren Sohn tötet, Blonde" von Andrew Dominik mit Ana De Armas als Marilyn Monroe; Tár" von Todd Field mit Cate Blanchett über eine eigenwillige Dirigentin; "Love Life" von Kôji Fukada; der dreistündige "Bardo, False Chronicle of a Handful of Truths" von Alejandro Gonzalez Inárritu, Athena" von Romain Gavras, dem Sohn von Costa-Gavras, geschrieben von "Les Miserables"-Regisseur Ladj Ly; "Bones and All" von Luca Guadagnino mit seinem Call Me By Your Name"-Star Timothee Chalamet, The Eternal Daughter" von dem letztjährigen Jurymitglied Joanna Hogg, in dem Tilda Swinton allein vor der Kamera steht; der iranische Film "Beyond the Wall" von Vahid Jalilvand,; "The Banshee of Inisherin", der erste Film von Martin McDonagh seit Three Billboards outside Ebbing, Missouri" mit Colin Farrellund Brendan Gleeson; "Argentina, 1985" von Santiago Mitre über den Gerichtsprozess gegen das argentinische Militärregime; "Chiara" von Susanna Nicchiarelli, "Monica" von Andrea Pallaoro, eine italienische Produktion, die in den USA realisiert wurde; "No Bears" von Jafar Panahi, der erst in der letzten Woche eine sechsjährige Gefängnisstrafe in Iran antreten musste, nachdem er sich über den Verbleib von zwei weiteren verhafteten Filmemachern erkundigte; "All the Beauty and the Bloodshed" von Laura Poitras, eine Doku über die berühmte Fotografin Nan Goldin; der 65-minütige "Un couple" von Frederick Wiseman, ausnahmsweise keine Doku des legendären Filmemachers; "The Son" von Florian Zeller, der mit seinem Debüt The Father" hohe Wellen geschlagen hatte, mit Hugh Jackman und Laura Dern; "Les miens" von Roschdy Zem, und Les enfants des autres" von Rebecca Zlotowski mit Virginie Efira.

Der Orizzonti-Wettbewerb umfasst 18 Titel und wird mit "Princess" von Roberto De Paolis eröffnet. In den Wettbewerb der Nebenreihe eingeladen wurde die neue Arbeit von Tizza Covi und Rainer Frimmel aus Österreich, "Vera". Für Covi und Frimmel ist es die erste Teilnahme in Venedig. Die anderen Filme sind: "Obet'" von Michal Blasko aus Tschechien, "Chleb I Sol" von Damian Kocur aus Polen, der italienische Beitrag "Ti Mangio Il Cuore" von Pippo Mazzapesa, "Spre Nord" von Mihai Mincan aus Rumänien, die Komödie "Luxembourg, Luxembourg" von Antonio Lukich aus der Urkraine, "Autobiography von Makbul Mubarak aus Indonesien sowie "En Los Margenes" des in Spanien bekannten Schauspielers Juan Diego Botto mit Penélope Cruz. Aus Frankreich eingeladen sind "La Syndicaliste" mit Isabelle Huppert von Jean-Paul Salomé und "Pour la France" von Rachid Hami. Der Wettbewerb wird ergänzt von "Trenque Lauquen" von Laura Citarella (Grandfilm hat den Film als deutscher Partner von El Pamero Cine koproduziert und wird ihn in die Kinos bringen), aus Iran kommt "Jang-E Jahani Sevom" ("Word War III") von Houman Seyedi, "Innocence" von Guy Davidi, die einzige Dokumentation im Orizzonti-Wettbewerb, "Blanquita" von Fernando Guzzoni aus Chile, "Aru Otoko" aus Japan von Kei Ishikawa, "The Happiest Man in the World" der mazedonischen Filmemacherin Teona Strugar Mitevska, die in Berlin mit "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" gewann, sowie, last but not least, "A Noiva" aus Portugal von Sérgio Tréfaut.

In die 2021 eingeführte neue Reihe Orizzonti Extra, bei der das Publikum den Siegerfilm kürt, sind wieder neun Filme eingeladen. Die Eröffnung bestreitet "L'origine du mal" von Sébastian Marnier. In Konkurrenz treten hier: "Hanging Gardens", der Debütfilm von Ahmed Yassin Al Daradji, "Amanda" von Carolina Cavalli, die damit ebenfalls ihr Debüt ablegt, "Zapatos Rojos" Carlos Eichelmann Kaiser aus Mexiko, "Nezouh" von Soudade Kaadan, "Notte Fantasma" von Fulvio Risuleo aus Italien, aus Iran kommt "Bi Roya" von Arian Vazirdaftari, "Valeria Is Getting Married" von Michal Vinik sowie "Goliath" von Adilkhan Yerzhanov aus Kasachastan.

Auch Serien werden in Venedig gezeigt: Zu den beiden auserwählten Werken gehören die aktuellen Arbeiten bekannter dänischer Filmeschaffender: Lars von Trier stellt Episode eins bis fünf von "The Kingdom Exodus" vor, Nicolas Winding Refn bringt "Copenhagen Cowboy" mit an den Lido.

Bei den Kurzfilmen außer Konkurrenz findet sich unter anderem von Sally Potter"Look at Me" mit Javier Bardem und Chris Rock und Lucrecia Martels "Maid".

Die Auswahl der Dokumentarfilme außer Konkurrenz umfasst: Evgeny Afineevskys, "Freedom on Fire: Ukraine's Fight For Freedom", Benedetta Argentieris "The Matchmaker", "Gli Ultimi Giorni Dell'Umanita" von Enrico Ghezziund Alessandro Gagliardo, Steve James' "A Compassionate Spy", Jörgen Leths und Andreas Koefoeds "Music For Black Pigeons", Sergei Loznitsas"The Kiev Trial", "In Viaggio" von Gianfranco Rosi, "Bobi Wine Ghetto President" von Christopher Sharp und Moses Bwayo sowie Oliver Stones"Nuclear".

In die Selektion Spielfilm - Außer Konkurrenz haben es geschafft: Lav Diaz' "When the Waves Are Gone", "Living" von Oliver Hermanus, die einzige Ausnahme von der Venedig-Regel, eine Weltpremiere sein zu müssen (der Film wurde online in Sundance gezeigt), "Dead For a Dollar", der neue Western von Walter Hillmit Christoph Waltzund Willem Dafoe, "Call of God" von Kim Ki-duk, der an Covid starb, als er sich im Schnitt des Films befand, "Dreamin' Wild" von Bill Pohlad mit Casey Affleck und Zooey Deschanel, "Master Gardener" von Paul Schrader, der den Lifetime Achievement Award in Venedig erhält und im vergangenen Jahr mit "The Card Counter" im Wettbewerb vertreten war, "Siccita" von Paolo Virzi, "Pearl" von Ti West, "Don't Worry Darling" von Olivia Wilde, die zweite Regiearbeit der Hollywoodschauspielerin mit Florence Pugh und Harry Styles in den Hauptrollen.

Zu Beginn der Programmpräsentation wurdeAlberto Barbera, der künstlerische Leiter der Mostra, politisch und sagte: "Auch wenn es eine abgenutzte Metapher ist: Festivals sind Fenster zur Welt. Wenn ich aus diesem Fenster in Venedig gucke, gefällt mir vieles nicht, was sich offenbart: Angefangen vom russischen Angriffs-Krieg gegen die Ukraine, der auch eine Gefahr für die europäische Demokratie ist, hin zu den Verhaftungen von Filmschaffenden in Iran oder der Verurteilung eines jungen türkischen Produzenten. Venedig hat immer schon seine Stimme erhoben und sieht sich weiterhin als Unterstützer der Filmemacher."

Präsident Robert Cicutto wies auf die Jubiläen hin, die das Festival dieses Jahr feiert: 10 Jahre Biennale College Cinema, mit dem Nachwuchstalente gefördert werden, und 90 Jahre Biennale Fondazione.

Barbara Schuster, Thomas Schultze