Kino

REVIEW KINO: "Guglhupfgeschwader"

"Der neue Eberhofer ist noch witziger, noch anarchischer und ­rundherum ein Volltreffer: Ein Fest für die Fans!", so das Fazit unserer Besprechung der Bayernkrimikomödie, die Sie hier lesen können. "Guglhupfgeschwader" feiert morgen Weltpremiere.

27.07.2022 07:24 • von Heike Angermaier
"Guglhupfgeschwader" geht in Stellung (Bild: Constantin)

Der neue Eberhofer ist noch witziger, noch anarchischer und ­rundherum ein Volltreffer: Ein Fest für die Fans! Die achte Verfilmung nach Rita Falks Bestsellern feiert morgen Weltpremiere. Hier lesen Sie unsere Besprechung:

Wie schaffen die das nur immer wieder! "Lässt sich das noch toppen?", hat sich unser Rezensent anlässlich des Kinostarts von Kaiserschmarrndrama", der letzten Krimikomödie mit Franz Eberhofer, gefragt. Und es geht: Der achte Film der beispiellosen Erfolgsreihe, der von Drehbuchautor Stefan Betz und Regisseur Ed Herzog aus Rita Falks zehntem Eberhofer-Krimi destilliert wurde, ist erneut das pure Kinovergnügen. Dafür ist er härter als seine Vorgänger, weil es um Mord und Totschlag geht und sich das organisierte Verbrechen nicht gerade zimperlich in Niederkaltenkirchen zeigt, und der Humor ist noch trockener mit einer geradezu übersprühenden Lust an der Anarchie bei der liebevollen Abbildung niederbayerischer Sozialgefüge bei gleichzeitig wachsender Herzlichkeit im Grundton der Beziehungen der Hauptcharaktere. Seinem Spezi Franz (souverän und saukomisch wie immer: Sebastian Bezzel) schenkt der Birkenberger Rudi (Simon Schwarz, mindestens so komisch wie Buddy Bezzel) einen dreibeinigen Hund, mit dem er sich aber eine Abfuhr abholt. Dabei könnte sich das Gemüt des mürrischen Eberhofer aus vielerlei Gründen aufhellen. Das zehnjährige Dienstjubiläum steht an. Dafür backt die Oma (unverzichtbar: Enzi Fuchs) schon eine ganze Armada von Guglhupfen, und der örtliche Kreisverkehr, immer wieder Schauplatz motorisierter Exzesse, soll in Franz-Eberhofer-Kreisel umbenannt werden. Die Freude trübt sein Gspusi Susi ­(die multitalentierte, immer grandiose Lisa Maria Potthoff), weil sie ihren Franz zur Paar­therapie schleppt, vor allem aber der Neuling im dörflichen Eberhofer-­Universum, Lotto-Otto (Johannes Berzl als echte Bereicherung), der nicht nur die örtliche Lotterieannahme mit zweifelhafter Zuverlässigkeit betreibt, sondern auch noch von zwielichtigen Gestalten bedroht wird. Der Lotto-Otto sucht Hilfe beim Eberhofer, ist aber alles andere als ehrlich, was seine weniger legalen Geschäfte im nahen Osten jenseits der tschechischen Grenze betrifft. Als sein Laden samt der adipösen Mama, die nicht schnell genug fliehen kann, in die Luft fliegt, legt der Eberhofer endgültig die harten Bandagen an. Ermittelt wird in alle Richtungen, wobei der Birkenberger seine neue Freundin mitbringt, die ihm Nachhaltigkeit und Fleischverzicht schmackhaft machen will. Dass nicht alle Polizisten sein Berufsethos teilen, muss Eberhofer genauso schmerzhaft erfahren wie, mit welcher Rücksichtslosigkeit das organisierte Verbrechen sogar das Guglhupfgeschwader der Oma in Gefahr bringt. Das Chaos hat längst seinen Lauf genommen, wenn der Flötzinger (auch so eine herrliche Figur aus dem Rita-Falk-Kosmos) glaubt, er hätte das große Los gezogen. Mit soviel Fantasie, Witz, Rasanz und perfektem Timing wird der neue Krimiplot erzählt, gespielt und visualisiert, dass man sich ganz verwundert die Augen reibt, wenn daraus auch noch ein Spaghetti-Western wie von Sergio Corbucci wird. Die Eberhofer-Fans können sich jedenfalls auf ein Fest gefasst machen. Und es wäre eine Gemeinheit, wenn dieser von Kerstin Schmidbauer exzellent produzierte Spaß nur in Bayern in die Kinos käme.

Ulrich Höcherl