TV

Streaming-Studie: Öffentlich-Rechtliche, Netflix und Prime 2022 gefragter

Als Verlierer im Frühjahr 2022 hat die AGF-Studie von Kantar im Streaming-Bereich YouTube und Disney+ ausgemacht. Zu den Gewinnern in Deutschland zählen die Öffentlich-Rechtlichen, Netflix und Prime Video.

07.07.2022 09:43 • von Michael Müller
Die zweite Staffel der Netflix-Serie "Bridgerton" (Bild: Netflix)

In der neuesten AGF-Plattformstudie von Kantar, die den Zeitraum vom 14. Februar bis zum 3. April in Deutschland untersucht, zeigt sich im Streaming-Bereich ein leichter Rückgang bei der Nutzung von YouTube. Auch ein Streamingdienst wie Disney+ verlor, während die Öffentlich-Rechtlichen, Netflix und Prime Video hinzugewannen.

In der aktuellen Plattformstudie 2022-I gaben 49,9 Prozent der Befragten ab 14 Jahren an, den YouTube in den vergangenen vier Wochen genutzt zu haben - 3,3 Prozentpunkte weniger als in der Welle 2021-II. Damit hält der 2021 begonnene Rückgang weiter an. Der Rückgang bei YouTube könnte laut Studie darauf zurückzuführen sein, dass die Nutzungszeit anderer Streamingdienste zu Lasten des kostenlosen Angebotes gestiegen ist.

Nachdem Netflix und Prime Video in der Herbst-Welle ebenfalls Rückgänge hinnehmen mussten, geht es im Frühjahr 2022 wieder aufwärts: Netflix wurde in den vergangenen vier Wochen von 33,3 Prozent der Gefragten gesehen (2021-II: 30,5 Prozent), Prime Video von 23,9 Prozent (2021-II: 22,6 Prozent). Netflix dürfte laut Studie von Serienstarts und Fortsetzungen wie "Inventing Anna", "Vikings: Valhalla" und der zweiten Staffel von "Bridgerton" profitiert haben. Prime Video wiederum konnte auch mit der Champions League punkten, insbesondere mit den Spielen des FC Bayern München. Zudem starteten im Befragungszeitraum neue Staffeln von erfolgreichen Serien wie "The Marvelous Mrs. Maisel" und "Star Trek: Picard".

Bei Disney+ hingegen zeigt sich nach dem starken Start in Deutschland im Frühjahr 2020 erneut ein Rückgang. Der Anteil derjenigen Personen, die angeben, ein Disney+-Angebot zu haben, sinkt von 8,3 Prozent auf 7,6 Prozent in der aktuellen Welle. "Insbesondere die 14- bis 29-Jährigen und die 30- bis 49-Jährigen sorgen für einen Anstieg bei Netflix und Prime Video, während für den Rückgang bei Disney+ aufgrund der Ausrichtung der Plattform auf das junge Publikum vor allem die 14- bis 29-Jährigen verantwortlich sind", erklärt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung in Frankfurt. Im Schnitt verfügen die Befragten über 1,4 Streaming-Angebote.

Im Vergleich zur vorhergehenden Untersuchungszeitraum legten die Angebote der öffentlich-rechtlichen Kanäle bei der Nutzung in den vergangenen vier Wochen um 2,9 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent zu. "Eine mögliche Interpretation der Entwicklung bei den öffentlich-rechtlichen Angeboten wäre, dass der Ukraine-Krieg zu einer verstärkten Nutzung von Informationsangeboten geführt hat, wie wir sie auch schon während der Corona-Lockdowns beobachten konnten", sagt Niederauer-Kopf.

Mittlerweile verfügen 32,7 Prozent der TV-Haushalte über ein modernes TV-Gerät mit Ultra HD, 4K oder auch 8K. Im Vergleich zur letzten Welle 2021-II ergibt sich ein deutlicher Sprung (2021-II: 22,6 Prozent). Dieser dürfte jedoch überwiegend auf eine veränderte Abfrage zurückgehen: Zum einen wurde 8K neu in die Abfrage aufgenommen. Zum anderen wurde in der Vergangenheit explizit nach der Sichtbarkeit des Logos "Ultra HD/4K" gefragt, in der aktuellen Welle jedoch nach der generellen Sichtbarkeit eines Logos.

Die AGF Plattformstudie wird zwei Mal im Jahr von Kantar erhoben. Dafür wurden rund 2.500 Menschen befragt. "Zudem erhebt das Institut die Ergebnisse nicht nur in einer persönlichen Befragung, sondern die Marktforscher begehen die Haushalte auch und gewinnen so weitreichende Erkenntnisse, wie beispielsweise zur Geräteausstattung und der Internetnutzung", heißt es als Hinweis zur Auswertung.