Produktion

AG Animationsfilm fordert niedrigere Schwellen für GMPF-Förderung

Anlässlich der Erhöhung des GMPF zum bestausgestatteten Instrument der deutschen Filmförderung übt die AG Animationsfilm Kritik an den Zugangskriterien. Denn an der deutschen Animationsbranche gehe die Unterstützung wegen zu hoher Hürden "spurlos vorbei".

06.07.2022 11:45 • von Marc Mensch
Fabian Driehorst, Vorstandsvorsitzender der AG Animationsfilm (Bild: Fabian&Fred)

In einem Schreiben an Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat die AG Animationsfilm Kritik an den bisherigen Zugangskriterien für eine Förderung durch den GMPF geübt und niedrigere Zugangsschwellen für den Animationsfilm gefordert. Dabei verweist sie nicht zuletzt auf die Praxis bei dokumentarischen Formaten.

Bekanntermaßen wurde der GMPF mit der jüngsten (einmaligen) Aufstockung und einer Gesamtausstattung von 90 Mio. Euro für 2022 zum größten Instrument der deutschen Filmförderung; laut einer aktuellen Förderliste aus dem Juni wurden im laufenden Jahr bereits über 60 Mio. Euro an GMPF-Förderung bewilligt. Wie die AG Animationsfilm feststellt, ist jedoch keines der geförderten Projekte animiert, grundsätzlich gehe die Unterstützung durch den GMPF an der deutschen Animationsbranche "spurlos vorbei", obwohl (natürlich) auch dieser Bereich des Filmschaffens von den Richtlinien berücksichtigt sei, tatsächlich existiert für Animationsprojekte auch ein eigener Eigenschaftstest.

Anders als bei diesem werde bei den Zugangsrichtlinien allerdings kein Unterschied zwischen fiktionalen Realfilm-Projekten und animierten Serien gemacht, so seien die Vorgaben zur Mindest-Gesamtlänge und dem Mindest-Minutenpreis gleich. Anders sei dies bei dokumentarischen Serienformaten, für die niedrigere Zugangsschwellen definiert seien.

Um ihre Kritik zu untermauern, hat die AG Animationsfilm anhand der von den vorgelegten Zahlen zu den dort zwischen 2014 und 2022 vorgestellten Serienprojekten ermittelt, dass von den 152 Serien und acht TV-Specials mit einem geplanten Gesamtinvestitions-Volumen von über einer halben Milliarde Euro keines den GMPF-Zugangskriterien genügte. 157 Projekte seien demnach unter dem vorgegebenen Mindest-Minutenpreis von 30.000 Euro geblieben, ein animiertes TV-Special und eine dreiteilige Miniserie hätten die Mindest-Folgenzahl (sowie die Mindest-Gesamtlänge von 240 Minuten) unterschritten, ein vierteilige Mini-Serie letzteres Kriterium.

Nachdem der GMPF grundsätzlich auf die Förderung von überdurchschnittlich hoch budgetiertem High-End-Content zielt, habe man zudem die zehn Prozent der APD-Animationsprojekte mit den höchsten Minutenpreisen (die niedrigsten lagen in der Spitzengruppe bei knapp über 16.000 Euro) noch gesondert betrachtet. Von den 16 Projekten hätten elf die Mindest-Gesamtlänge unterschritten, fünf seien TV-Specials. Letztere seien von vornherein aufgrund ihrer Länge (ca. 24 Minuten) von der GMPF-Förderung ausgeschlossen, ihre Einbeziehung gebe jedoch wertvolle Hinweise auf Maßnahmen, mit den der GMPF für deutsche Animationsprojekte zugänglicher gemacht werden könne.

In der Konsequenz fordert die AG Animationsfilm eigene GMPF-Zugangsschwellen für Animationsprojekte. "die sich an der europäischen Produktionswirklichkeit, den animationsspezifischen Formaten und deren üblichen Längen orientieren". Konkret empfehle man eine Mindest-Gesamtlänge von 24 Minuten (was der Richtlinie von Creative Europe MEDIA für TV- und Online-Content entspreche); den Wegfall einer Mindest-Episodenanzahl für Animationsprojekte, um die Förderung aufwendiger, animierter TV-Specials zu ermöglichen und die Absenkung des Mindest-Minutenpreises für animierte Projekte auf 15.000 Euro.