Festival

Kilian Riedhof auf der Piazza Grande

Kilian Riedhofs Bestseller-Adaption "Meinen Hass bekommt ihr nicht" wird seine Weltpremiere im Rahmen des 75. Locarno Film Festival auf der Piazza Grande feiern. Im Locarno-Wettbewerb finden sich zwei deutsche und zwei österreichische Produktionen. Eröffnungsfilm ist "Bullet Train" mit Brad Pitt.

06.07.2022 10:45 • von Thomas Schultze
Weltpremiere in Locarno: "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Kilian Riedhof (Bild: Tobis / Anne Wilk)

Das Schweizer A-Festival hat sein Programm zur 75. Jubiläumsausgabe bekanntgegeben, das zweite Jahr unter dem künstlerischen Leiter Giona A Nazzaro, der offenkundig den im vergangenen Jahr eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt. Das Festival läuft vom 3. bis 13. August. Aus deutscher Sicht sticht zunächst einmal die Weltpremiere von Kilian Riedhofs Bestsellerverfilmung Meinen Hass bekommt ihr nicht" über einen Mann, der bei dem Terroranschlag auf die Pariser Konzerthalle Bataclan im November 2015 seine Frau verliert, auf der Piazza Grande heraus. Bei dem Film, der bereits im Dezember 2020 abgedreht wurde und wiederholt für größere Festivals im Gespräch gewesen war, ist eine deutsch-französisch-belgische Koproduktion mit Komplizen Film als majoritären Produktionspartner und wird am 12. August gezeigt.

Als Eröffnungsfilm wird auf der Piazza Grande mit Bullet Train" von David Leitch mit Brad Pitt eine große Hollywoodproduktion gezeigt. Sony stellt für die Piazza Grande außerdem die Verfilmung des Bestsellers "Der Gesang der Flusskrebse" von Olivia Newman bereit, in der Daisy Edgar-Jones die Hauptrolle spielt. Bei den großen Publikumsscreenings im Zentrum der Altstadt kommt überdies "Paradise Highway" von Anna Gutto zum Zug, eine amerikanisch-deutsch-schweizerische Koproduktion mit Claudia Bluemhuber von Silver Reel als Produzentin, in dem Veronica Ferres als Truckfahrerin an der Seite von Juliette Binoche und Morgan Freeman zu sehen ist. Auf dem Programm stehen außerdem Medusa Deluxe" von Thomas Hardiman, "My Neighbor Adolf" von Leon Prudovsky, "Piano Piano" von Nicola Prosatore, "Delta" von Michele Vannucci, "Last Dance" von Delphine Lehericey, "Une femme de notre temps" von Jean Paul Civeyrac, "Secret" von Caterina Mona und "Annie Colère" von Blandine Lenoir. Abschlussfilm ist die Doku "Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit" von André Schäfer, eine schweizerisch-deutsche Koproduktion von der Filmgerberei und Florianfilm GmbH.

Im Internationalen Wettbewerb, der insgesamt 17 Titel umfasst und in dem um den Goldenen Leopard gekämpft wird, finden sich zwei deutsche und zwei österreichische Produktionen. Die deutschen Filme sind Human Flowers of Flesh" von Helena Wittmann, eine Produktion der Fünferfilm mit dem französischen Koproduktionspartner Tita Productions, der bereits 2020 in den wegen Corona ausgefallenen Locarno-Jahrgang als spannendes Projekt im Entstehen eingeladen gewesen war, und Piaffe" von Ann Oren, eine Produktion der Schuldenberg Films. Aus Österreich laufen "Matter Out of Place" von Nikolaus Geyrhalter, produziert von der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion, und Serviam - Ich will dienen" von Ruth Mader, produziert von epo-film und der Ruth Mader Filmproduktion. Schweizer Wettbewerbsbeitrag ist "De noche los gatos son pardos" von Valentin Merz, eine Produktion der Andrea Film.

Zudem wurden für den Wettbewerb ausgewählt: "Ariyippu" von Mahesh Narayanan, "Sermon to the Fish" von Hilal Baydarov, "Bowling Saturne" von Patricia Mazuy, "Gigi la legge" von Alessandro Comodin, "Tales oft he Purple Horse" von Abbas Fahdel, "Il pataffio" von Francesco Lagi, "Tommy Guns" von Carlos Conceição, "Rule 34" von Julia Murat, "Fairytale" von Aleksandr Sokurov, "Stella est amoureuse" von Sylvie Verheyde, "Stone Turtle" von Woo Ming Jin und "Tengo Sueños Eléctricos" von Valentina Maurel. Sieben der Filme wurden von Frauen gedreht.

Zu seinem Programm sagt Festivalleiter Giona A. Nazarro: "Das Festival präsentiert ein breit gefächertes, vielfältiges und inklusives Programm, wobei der Wettbewerb etablierte Namen des Weltkinos willkommen heisst und daneben bekannte Newcomer versammelt als auch einige absolute Neuentdeckungen. Anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums und getreu seiner Berufung zur Freiheit bietet Locarno einen Ort der Entdeckungen und Diskussionen zum Kino in all seinen Erscheinungsformen. Dabei ist unser Blick immer fest auf die Zukunft gerichtet.»

Der Pardo d'onore Manor geht an die amerikanische Filmemacherin Kelly Reichardt. Der Produzent Jason Blum erhält den diesjährigen Premio Raimondo Rezzonico. Den Vision Award Ticinomoda erhält die Künstlerin Laurie Anderson. Der legendäre griechische Regisseur Costa-Gavras wird geehrt mit dem Pardo alla carriera Ascona-Locarno. Und der amerikanische Schauspieler Matt Dillon kann sich über den Lifetime Achievement Award freuen.

In dem heutigen offiziellen Begleitschreiben zur Bekanntgabe des Programms des 75. Locarno Film Festival heißt es zudem:

Das Locarno Film Festival feiert sein 75-jähriges Jubiläum mit einem Programm, das sich an der Festivalgeschichte orientiert und folglich auf das Kino und dessen fortwährende Erneuerung setzt. Die Filme, die vom 3. bis 13. August gezeigt werden, stehen ganz in der Tradition der Entdeckung. Das Jubiläum wird mit zahlreichen Initiativen begangen, die sich mit der Geschichte des Festivals befassen, so zum Beispiel die Publikation von Locarno on / Locarno off: Geschichte und Geschichten des Film Festivals. Der Autor Lorenzo Buccella erzählt darin neben der offiziellen Chronik auch bisher unveröffentlichte Geschichten aus den Kulissen des Festivals. Sguardi oltre il cinema: Critical essay on the Locarno Film Festival versammelt kritische Würdigungen von mehr als 40 Autor/innen aus aller Welt (Besuchen Sie den Online Shop hier).

Elf renommierte Persönlichkeiten des internationalen und nationalen Kinos haben im Rahmen des Projekts Postcards from the Future Kurzfilme gedreht, die jeden Abend auf der Piazza Grande gezeigt werden. Auch das Locarno Green Project blickt in die Zukunft: Die Initiativen Pardo Verde WWF und der Green Film Fund möchten das Publikum mit den Mitteln des Kinos und seinen Erzählungen für grünes Handeln sensibilisieren. Ausserdem lanciert das Festival in Zusammenarbeit mit Der Post das Projekt Swiss Crypto Stamp 2.0, eine spezielle Serie von Krypto-Briefmarken, die mit kurzen Filmfragmenten der interessantesten Schweizer Nachwuchsfilmschaffenden verbunden sind.

Die Vorführungen von Locarno75 finden auf der Piazza Grande und in den dreizehn Kinos von Locarno sowie im Cinema Otello in Ascona statt. Die Begegnungen und Gespräche mit den Festivalgästen werden im Forum @Spazio Cinema durchgeführt.

An den Medienkonferenzen wurden weiter die Jurys der 75. Ausgabe des Locarno Film Festivals vorgestellt. In der Jury des Concorso internazionale nehmen Platz: der Produzent und Consultant Michel Merkt (Präsident der Jury), die Regisseurin Laura Samani, der Produzent William Horberg, die Filmemacherin Prano Bailey-Bond und der Regisseur Alain Guiraudie. Für die Jurierung des Concorso Cineasti del presente versammeln sich die Produzentin Annick Mahnert, die Regisseurin Gitanjali Rao und der Produzent und Senior Consultant für internationale Koproduktionen Katriel Schory. In der Opera Prima-Jury sitzen der Regisseur Boo Junfeng, der Regisseur und Drehbuchautor Shahram Mokri und die Produzentin Madeline Robert. Die Kurzfilme in der Sektion Pardi di domani werden von Filmeditor und Regisseur Walter Fasano, Regisseurin Azra Deniz Okyay und Produzentin Ada Solomon juriert. Seit diesem Jahr gibt es eine neue Pardo Verde WWF-Jury, bestehend aus der Professorin für Land-Climate Dynamics an der ETH Zürich Sonia I. Seneviratne, der Regisseur Alessandro Rak und der Verantwortlicher für die Studiengruppe Nachhaltigkeit bei Eurimages Thierry Hugot. Sie werden entscheiden, welches Werk ein Umweltthema am besten widerspiegelt.