Produktion

Anika und Jan Decker zu "Liebesdings": "Ein besonderer Stellenwert"

Am Donnerstag startet "Liebesdings", die erste Regiearbeit von Anika Decker seit fünf Jahren und der erste Film, den sie mit ihrem Bruder Jan und ihrer gemeinsamen Produktionsfirma Decker Bros. für die Constantin realisiert hat. Wir unterhielten uns mit dem Geschwisterpaar über die gemeinsame Arbeit, das Drehen während Corona und den "Keinohrhasen"-Rechtsstreit.

05.07.2022 15:58 • von Thomas Schultze
Eingespieltes Team: Anika und Jan Decker (Bild: Marco Fischer)

Mit Liebesdings" stellt Anika Decker ihre erste Regiearbeit seit fünf Jahren vor, der erste Film, den sie mit ihrem Bruder Jan und ihrer gemeinsamen Produktionsfirma Decker Bros. für die Constantin realisiert hat. Wir unterhielten uns mit dem Geschwisterpaar über die gemeinsame Arbeit, das Drehen während Corona und den Keinohrhasen"-Rechtsstreit. Constantin startet "Liebesdings" am Donnerstag.

"Liebesdings" ist unverkennbar ein Film von Anika Decker: witzig, temporeich, anspielungsreich - und diesmal zusätzlich noch mit einer Reihe von Stand-ups...

ANIKA DECKER: Dankeschön! Mein erster Film, für den ich Stand-ups schreiben durfte. Es war eine schöne Erfahrung. Mein Bruder hat ja viele Jahre in New York gelebt. Immer, wenn ich ihn besucht habe, war unser Highlight, in den Comedy Cellar zu fahren und Stand-ups anzugucken. Bei "Liebesdings" war es nun natürlich sehr aufregend, selbst welche zu schreiben und zu inszenieren. Glücklicherweise hatten wir Simon Pearce an Bord, der hier und da ein bisschen geholfen hat, was sehr hilfreich war.

Ist es für eine Autorin eine andere Disziplin Stand-ups zu schreiben als einen Roman oder ein Drehbuch?

ANIKA DECKER: Schreiben ist schreiben. Klar gibt es technische Unterschiede, relativ uninteressante Details, die man lernen muss. Wenn man sich aber eingefuchst hat, ist alles möglich. Zugegeben, es ist natürlich schwierig, es war neu und ich habe ein paar Anläufe gebraucht. Aber ich finde Schreiben immer schwierig. Deshalb hat es keinen Unterschied gemacht, die Stand-ups waren genauso schwierig wie alles andere.

Das Geschriebene wirkt indes sehr leicht...

ANIKA DECKER: Im besten Fall! Nichts ist schwerer als das Leichte. Wenn man das Glück hat, so tolle Darsteller zu haben wie ich, erleichtert es die Sache natürlich.

Der exklusive Deal zwischen Decker Bros. und Constantin war von Juli 2018 bis Juli 2021 datiert. Er ist also bereits wieder ausgelaufen?

ANIKA DECKER: Genau. Der Kinostart von "Liebesdings" bildet den fulminanten Abschluss. Der Vertrag ist damit erfüllt. Wie es weitergeht, ist offen. Wir sind im Moment auch keine großen Multitasker, sondern bringen das Pferdchen erst mal nachhause. Es ist so viel Adrenalin und Anspannung vor einer Filmpremiere, es war noch so viel zu tun, da will ich gar nicht groß in die Zukunft denken.

JAN DECKER: Als Jurist würde ich es anders definieren. Das sind nicht unbedingt Deals über Jahre, in denen ein Kreativer exklusiv bei einem Unternehmen andockt. Die Rahmenverträge sind so strukturiert, dass man einen Zeitrahmen steckt für beispielsweise ein oder zwei Projekte, seien es Kinofilme oder Serien. Innerhalb dieses Zeitrahmens ist die Anzahl der vereinbarten Projekte zu gewährleisten. Unter Umständen erfüllt man den Deal früher, weil die Projekte schneller fertig werden. Es kann aber auch sein, dass man einen Drei-Jahres-Deal hat, aber fünf Jahre braucht. Dann macht man eben zwei Jahre ohne Bezahlung weiter. Im Falle von Anika war es so, dass der Vertrag über ein Projekt für eine Summe x exklusiv für Constantin ging. In der Zeit hätte der Verleih zwar Zugriffsrecht auf andere Ideen, aber eigentlich zielte die Vereinbarung auf die Herstellung eines Kinofilms ab. Und um einen zeitlichen Rahmen zu haben, über den die Vergütung gestreckt wird, haben wir uns auf drei Jahre geeinigt. Anika musste die Idee haben, das Buch schreiben, wir mussten in Vorproduktion gehen, Drehen, zeichneten für die Postproduktion verantwortlich... das dauert einfach. Bei Schauspielern läuft das vielleicht anders, die haben dann beispielsweise einen 5-Picture-Deal, wissen aber gar nicht, wann die Projekte gedreht werden.

ANIKA DECKER: Die Zeit wurde komplett ausgeschöpft. Von der Idee bis zu den ersten brauchbaren Drehbuchseiten vergeht schon mal ein Weilchen. Fürs Kino zu schreiben, ist ein großer Luxus. Aber es muss auch sitzen, damit sich letzten Endes die Menschen auch von ihren Sofas aufraffen, ins Kino fahren und sich Tickets kaufen. Es ist ein anderer Druck auf diesen Einzelstücken, die man fürs Kino machen darf.

JAN DECKER: Deshalb vereinbart man einen Zeitrahmen. Anika braucht Zeit, um kreativ zu sein. Diese Zeit hat ihr Constantin eingeräumt. Sie sind sehr erfahren mit Kreativen und wissen, dass man bei Kino mit einem One-Year-Deal nicht weit kommt. Da wäre dann nach Woche sechs höchstwahrscheinlich schon die erste Schreibblockade da, weil man unter dem Druck nicht kreativ sein kann. Die Jahreszahlen sollen den Rahmen bilden, in dem sich der Künstler wohlfühlen sollte, etwas zu kreieren. Klar hätten viele Verleiher am liebsten jedes Jahr einen Film. Man muss den Kreativen die Zeit geben, um zu blühen. Allein die Produktion eines Kinofilms dauert schon eineinhalb Jahre. Wir haben bis zur Premiere am 28. Juni durchgearbeitet.

Jetzt steht der Kinostart an...

JAN DECKER: Für den Kinostart wird zu 100 Prozent mit vereinten Kräften gearbeitet. Es ist unfassbar, was für eine Maschinerie von Constantin und Verleihchef Torsten Koch in Gang gesetzt wurde. Wir geben alles, was wir dazugeben können. Es ist toll zu sehen, was sie für uns anschieben!

ANIKA DECKER: Es ist der absolute Wahnsinn, was die leisten. Wir sind tief beeindruckt. Es passieren so viele Sachen, von denen wir gar nichts wussten. Als ich mich gerade auf den Weg zu den Interviews aufmachen wollte, fuhr eine Limousine vor mit einem riesigen "Liebesdings"-Schriftzug. Das ist ein schönes Gefühl.

JAN DECKER: Am Zoopalast hängen riesige Plakate, an der Urania ist ein ganzes Haus mit Werbung eingedeckt. Ich bekomme auf Instagram dauernd Werbung von einem Unterwäschegeschäft in Baden-Württemberg, das Kinotickets verlost. Die von Torsten und seinem Team erzielte Reichweite ist wirklich toll.

ANIKA DECKER: Die Liebe zum Detail haut uns um.

Wären die drei Jahre bei Constantin auch anders getaktet gewesen, wenn es Corona nicht gegeben hätte?

ANIKA DECKER: Wir haben im ersten harten Lockdown gedreht. Ich ziehe vor unserem tollen Team wirklich den Hut, denn ganz praktisch gesprochen, standen wir vor einer Menge Probleme. Jedes Kleidungsstück, das im Film auftaucht, wurde im Internet bestellt, die Geschäfte hatten geschlossen, wir konnten keine Stoffe anfassen. Für das Szenenbild haben wir ein komplettes Theater gebaut, dessen Baumaterialien nicht einfach zu beschaffen waren. In die Baumärkte erhielt man nur Zutritt mit Termin. Die Beschaffung jeder einzelnen Schraube gestaltete sich als Herausforderung, um es überspitzt zu formulieren. Es war eine immense Leistung, von allen Gewerken.

Jan Decker: Das Theater im Film war eine Fabriketage, das heißt der Comedy Club, den man im Film sieht, ist in der Kulturfabrik Moabit komplett gebaut worden für den Film. Das Theater von außen sind die Sophienhöfe in Berlin Mitte....

Ist man da doppelt stolz, wenn trotz widriger Umstände alles geklappt hat?

ANIKA DECKER: Der Film hat auf jeden Fall einen besonderen Stellenwert für mich. Man hat gespürt, wie groß der Zusammenhalt in einem Team sein kann. Ich war unglaublich beeindruckt von der Leistung, und es ist mir immer noch ein Rätsel, wie wir das geschafft haben.

JAN DECKER: Wir sind richtig zusammengewachsen, obwohl wir auf alles verzichten mussten, was Spaß bringt, wie das Bergfest, das Abschlussfest, die Klappen, wo man einen trinken kann... Nichts. Es war eiseskalt, und trotzdem hatten wir nur tolle Profis, die jeden Tag Probleme gelöst haben, zuverlässig waren und nicht heimlich nach Drehschluss Clubbing gegangen sind, wo sie sich mit Corona hätten anstecken können. Alle standen hinter uns und hatten Lust auf dieses Projekt.

Corona hat dafür gesorgt, dass der Starttermin von Frühjahr 2022 auf Juli verschoben werden musste. Was macht das mit einem Filmemacher? Man freut sich ja auch auf die Auswertung, die dann auch gleichzeitig wie ein Abschluss ist...

ANIKA DECKER: Es ist schwierig, und ich merke, dass mich das blockiert für Neues. Das ist aber ein Luxusproblem, was ich mir früher gar nicht leisten konnte. Das Fiebern auf den Kinostart schwingt immer mit, der Gedanke, dass irgendwann Menschen diesen Film sehen werden. Jetzt bin ich stolz darauf und freue mich, dass es nun endlich so weit ist. Auf der anderen Seite war ich über die Verschiebung im tiefsten Inneren auch erleichtert, weil auf dem Film jede Menge Druck drauf ist und ich weiß, was auf dem Spiel steht. Ich wünsche mir so sehr, dass Kino wieder ganz groß wird. Wir werden auf jeden Fall alles dafür geben.

Wenn sich das so hinzieht, denkt der Filmemacher da nicht: Jetzt könnte ich noch ein bisschen schneiden... Ist dieses Bedürfnis noch da und hat sich das Projekt seit der Fertigstellung vor Ihrem inneren Auge gewandelt?

ANIKA DECKER: Ich habe den Film zum Glück lange nicht mehr angeschaut. Genau aus dem Grund. Es würde mich verrückt machen. Meist verschlimmbessert man einen Film dann nur. Davor versuche ich mich zu schützen. Klar, wenn man mich lassen würde, würde ich die nächsten zehn Jahre daran arbeiten. Ob das gut ist, ist eine andere Frage. Ein teurer und auch großer Luxus war, dass wir fünf oder sechs Monate Zeit für den Schnitt hatten. Das sieht man auch. Es steckt viel Liebe drin. Insgesamt hatte das Projekt einen tollen Flow - von Anfang an. Nur ein Beispiel: Beim Schreiben höre ich immer viel Musik, Soulmusik. Meine Playlist habe ich meinem Editor Charles Ladmiral, den ich seit "Keinohrhasen" kenne, in den Schneideraum gegeben. Er ist selbst großer Soulfan, und wie durch Zauberhand haben die meisten Songs, die ich auf der Liste hatte, zum Film gepasst. Außerdem hat sich meine Wunschbesetzung wie durch ein Wunder gefügt, Elyas M'Barek, Maren Kroymann, Alexandra Maria Lara, Denis Moschitto, Jochen Schropp - alle haben zugesagt.... Ein schöner Zauber.

JAN DECKER: Auch die Förderungen haben an den Film geglaubt und unsere Einreichungen positiv beschieden. Die Hoffnung, dass das Kino in Deutschland jetzt wieder durchstartet, ist groß. Das merkt man, weil uns plötzlich auch Leute die Daumen drücken, die man zu anderen Zeiten eher als Konkurrenz gesehen hätte. Jetzt freut man sich für andere. Das ist gut für das Kino. Generell ist es gut, wenn man sich gegenseitig unterstützt, um das Kino nach vorn zu bringen. Dafür braucht es gute Filme.

Blicken wir auf Sie beide als Duo: Wie hat sich Ihre Firma Decker Bros. seit der Gründung 2011 entwickelt? Wie funktionieren Sie zusammen und wie ehrlich darf der Bruder der Schwester sagen, wenn etwas nicht gut geschrieben ist?

JAN DECKER: Eine große Stärke bei uns ist, dass wir beide nicht darauf angewiesen waren, eine gemeinsame Firma zu gründen. Wir haben großen Respekt vor den Kompetenzen des jeweils anderen. Ich bin Rechtsanwalt und kaufmännisch geschult, Anika ist Künstlerin. Wir dürfen uns zwar ehrlich reinreden. Wenn sie aber sagt, dass sie etwas genauso machen will, und ich das Gefühl habe, anders sei es schöner, würde ich mir nie anmaßen sie zu zwingen, einen Dialog umzuschreiben. Umgekehrt vertraut sie mir bei allen rechtlichen Angelegenheiten. Sie braucht Zeit, Freiheit, um ihr Talent zur Entfaltung zu bringen. Ich bilde den dafür notwendigen geschützten Raum. Natürlich lese ich ihre Drehbücher, kenne ihren Humor und teile ihr meine Meinung mit. Ich würde mir aber, wie gesagt, nie anmaßen zu sagen, dass ich es besser könnte.

ANIKA DECKER: Jan ist für mich auch am Set ein wichtiger Ansprechpartner, wo Entscheidungen teilweise in Sekunden getroffen werden müssen. Wir funktionieren blind. Ich weiß, was er denkt, er weiß, was ich will. Wir sind eine sehr eingeschworene Einheit. Die Arbeitsweise ist zeitsparend, fruchtbar.

JAN DECKER: Die Gewerke können auch zu mir kommen, bevor sie mit Anika einen Termin machen, dann kann ich sagen, ob das in Ordnung geht, weil ich weiß, was sie möchte.

ANIKA DECKER: Wir haben im Durchschnitt schon ein Jahr länger mit dem Projekt verbracht als alle anderen Beteiligten.

Weiß die Drehbuchautorin Anika Decker die Regisseurin Anika Decker zu schätzen? Und wie happy ist die Regisseurin mit der Drehbuchautorin?

ANIKA DECKER: Die gehen sich manchmal ziemlich auf die Nerven. Bei "Liebesdings" gibt es viele Szenen mit vielen Schauspielern, vor allem im Theater. Beim Schreiben weiß ich, dass das gut ist. Beim Inszenieren wiederum können Szenen mit vielen Schauspielern Probleme bereiten. Allerdings habe ich mich mit Kameramann Moritz Anton superakribisch vorbereitet, wir haben im Vorfeld alle potenziellen Probleme abgeklopft und abgepuffert, und ich habe daraufhin manche Sachen auch umgeschrieben. Das heißt, die Regisseurin muss erst mit dem Kameramann viel reden und bespricht das dann mit der Autorin... Mein Ansatz ist stets, das Beste für eine Szene herauszuholen.

JAN DECKER: Da bin ich dann auch raus, wenn es um Dinge wie die Auflösung geht. Das macht der Kameramann, da mische mich nicht ein, weil ich nicht qualifiziert bin.

Wie belastend war es, dass Sie parallel zur Produktion noch eine Rechtsstreitigkeit ausfechten mussten?

ANIKA DECKER: Wir hatten einen so intensiven Dreh plus die Angst, jemand könne an Corona erkranken, dass dafür nicht viel Raum in meinem Gehirn gewesen wäre. In gewisser Weise ist so etwas immer belastend, es bedeutet aber nicht, dass man aufgibt.

JAN DECKER: Der Dreh fiel auch in eine Phase, wo bezüglich des Rechtsstreits nicht viel los war. Warner Bros. und Barefoot hatten gerade auf voller Linie vor dem Landgericht Berlin verloren, sollten Auskunft erteilen und legten Berufung ein, weil sie das Urteil nicht akzeptieren und nicht Auskunft erteilen wollten. Und unser Dreh startete, als sie gerade verloren hatten. Es war kein Zeitpunkt, um sich Sorgen zu machen. Das Kammergericht hat die Entscheidung vollumfänglich unterstützt, worauf Warner Bros. und Barefoot ihre Berufung zurückgezogen haben.

Welche Schritte werden nun folgen?

JAN DECKER: Sie haben sich vier Jahre dagegen gewehrt, die Erlöse offen zu legen. Dann folgte die Niederlage vor dem Landgericht, dann vor dem Kammergericht, dem höchsten Gericht in Berlin. Der Richter hat in der mündlichen Verhandlung dezidiert gesagt, dass sie das verlieren werden. Daraufhin wurde die Berufung zurückgezogen, um ein schriftliches Urteil zu ersparen, damit es keinen schriftlichen Präzedenzfall gibt. Sie haben also zwangsläufig Auskunft erteilen müssen. Aktuell läuft die Klage auf Bezifferung. Es steht außer Frage, dass Anika eine fairere Nachvergütung bekommen soll. Jetzt geht es nur noch um die Summe. Im Oktober wird die nächste mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Berlin stattfinden. In diesem Zug wird das Gericht bewerten, was Warner Bros./Barefoot verdient haben und wie viel Anika bekommen hat. Juristisch ist die Frage zu klären, ob ein auffälliges Missverhältnis zwischen den Erlösen und der Vergütung des Urhebers bestanden hat. Da werden wir nicht viel drüber streiten müssen, denn dass ein auffälliges Missverhältnis bestanden hat, ist klar. Es wird um die Höhe gehen. Wir sind entspannt.

Das muss sehr befreien für Sie sein. Beflügelt das einen nicht sofort, eine zwölfteilige Serie darüber zu schreiben?

ANIKA DECKER: Absolut!

JAN DECKER: Wir könnten ein Gerichtsdrama machen. Aber ES ist ja noch nicht vorbei. Sie wollen wohl alle Instanzen ausprobieren. Aber bis jetzt hat Anika mit ihren Ansprüchen stets zu 100 Prozent recht bekommen.

Sie machen stets Filme für ein großes Publikum. Ist das auch Ihr Selbstverständnis als Autorin und Filmemacherin und wohin geht die Reise?

ANIKA DECKER: Ich werde dabei bleiben, dass ich gerne im Mainstream bin. Mit jedem Film lerne ich etwas dazu. Zwischen meinem letzten Projekt und "Liebesdings" habe ich einen Roman geschrieben, was mir wieder neue Türen in meinem Kopf geöffnet hat. Ich bin selbst gespannt und habe das Gefühl, dass sich mein Schreiben verändert hat. In vielen Dingen bin ich routinierter geworden, ich weiß, was funktioniert, was nicht funktioniert. Ich bin aber genauso neugierig und unsicher bei den Themen. Es passiert einfach. Irgendwann packt mich etwas und nimmt mich mit auf eine Reise. Natürlich habe ich großes Interesse daran, viele Frauenrollen zu schreiben, viele verschiedene Rollen. In "Liebesdings" stecken viele Themen, die mich in den letzten Jahren sehr beschäftigt haben. Für mich war es ein großer Schock, als die AfD im Bundestag saß, deren Weltbild ich absolut nicht teile. Da dachte ich mir, dass man im Mainstream doch erst recht etwas dagegensetzen muss, auf eine positive und lustige Art und Weise. Ich wollte mit Themen spielen, Dinge hinterfragen und zeigen, wie die Welt auch aussehen kann.

JAN DECKER: Wem tut es denn weh, wenn die Welt so aussieht, wenn alle Menschen so frei leben können, wie sie möchten? Wir schaden keinem.

Und können Sie uns schon verraten, was als nächstes anstehen wird?

ANIKA DECKER: Es gibt ein paar Sachen, die mir im Kopf herumschwirren, Ideen, vor denen ich aber noch zu großen Respekt habe und ich mich etwas drücke. Doch langsam juckt es mich wieder in den Fingern.

Das Gespräch führten Barbara Schuster und Thomas Schultze.