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REVIEW KINO: "Thor: Love and Thunder"

Am Donnerstag startet mit "Thor: Love and Thunder" der zweite Marvel-Film in diesem Jahr, der insgesamt vierte Soloausflug des göttlichen Avengers, wie schon "Thor: Tag der Entscheidung" inszeniert von Taika Waititi. Ob's der Hammer (der Götter) ist? Lesen Sie unsere Besprechung.

05.07.2022 15:00 • von Thomas Schultze
Thor mal Zwei: Natalie Portman und Chris Hemsworth (Bild: Walt Disney)

Am Donnerstag startet mit Thor: Love and Thunder" der zweite Marvel-Film in diesem Jahr, der vierte Soloausflug des göttlichen Avengers, wie schon Thor: Tag der Entscheidung" inszeniert von Taika Waititi. Ob's der Hammer (der Götter) ist? Lesen Sie unsere Besprechung.

Mit "Thor: Tag der Entscheidung" hatte der Neuseeländer Taika Waititi 2017 dem nordischen Gott unter den Marvel-Helden den Shakespeare und alles Staatstragende ausgetrieben und mit dem Knick-Knack-Ist-ihre-Frau-ne-Flunder-Humor der augenzwinkernden Guardians of the Galaxy"-Art eine neue Daseinsberechtigung gegeben, dabei en passant aus einem bis dahin muskelbepackten Langweiler das fortan augenzwinkernde Trumpfass unter den Avengers gemacht. Und setzt nun, um einen Drehbuchoscar für Jojo Rabbit" reicher, mit "Love & Thunder" mehr oder weniger da an, wo "Tag der Entscheidung" tonal und Avengers: Endgame" erzählerisch geendet hatten: Thor, fitter denn je und jetzt wieder mit den Wallehaaren eines David Coverdale in besten Jahren, ist mit den Guardians of the Galaxy unterwegs in den unendlichen Weiten des Weltalls und rettet gelangweilt Universen, wenn er nicht gerade schwermütigen Gedanken nachhängt, was das alles soll - und überhaupt: die Ewigkeit...

Gleichwohl ist genau die auch für Götter nicht mehr gesetzt, wie wir im Prolog des Films erfahren, wenn der einfache Untertan Gorr die Unsterblichen verflucht mit einer Inbrunst, wie man es seit Vlad Dracul im Intro von "Bram Stokers Dracula" von keiner Filmfigur mehr erlebt hat: Sterben sollen sie alle, und los zieht er, bewehrt mit einem verfluchten Schwert, um aufzuräumen unter denen, die gleichgültig mitansehen, wie ihre Schutzbefohlenen darben und sterben. Gespielt wird der God Butcher von Christian Bale, das neben der angenehmen Lauflänge von gerade einmal zwei Stunden Trumpfass des Films, der all die Albernheiten und Augenzwinkereien erdet mit einem großen Ernst, den man von Taika Waititi eher nicht erwarten würde. Tatsächlich kann man sich diesmal des Eindrucks nicht erwehren, dass die unablässige Gagparade der ersten Hälfte eher die Funktion eines trojanischen Pferdes hat: Wenn man erst einmal genug gelacht hat über die maßlose Götterwelt in Omnipotence City, wo Russell Crowe als Zeus den Müßiggang zur Kunst erhoben hat, oder Thors hilflosen Bemühungen, vor seiner nunmehr als The Mighty Thor mit Thors Hammer Mjölnir wieder aufgetauchter Ex-Freundin Jane, gespielt von Natalie Portman, so zu tun, als sei er nicht immer noch Hals über Kopf in sie verliebt, dann geht es in "Love & Thunder" doch richtig ans Eingemachte, als Thor und seine Mitstreiter losziehen in eine beklemmende Schwarzweißwelt, wo sie die von Gorr aus New Asgard entführten Kinder des Dorfs befreien wollen. Emotion, Leute!

Nicht alles läuft rund in diesem Film - auch wenn Waititi in den Produktionsnotizen des Pressehefts unbescheiden konzediert, ihm sei "ein brillanter Film" gelungen. Tatsächlich ist es die eigene Hybris, die dem Filmemacher im Weg steht und etwas nervt. Die immer ähnlichen Gags werden aber nicht origineller dadurch, dass sie sich selbst für irre lustig halten. Und ein paar der bekanntesten Songs von Guns'n'Roses als musikalisches Rückgrat zu wählen, dürfte einer der lahmeren Needle-Drops des laufenden Kinojahres sein. "Sweet Child o' Mine"? "Paradise City"? "Welcome to the Jungle"? Echt jetzt? Über den Abspann läuft dann "Rainbow in the Dark" von Dio und lässt ahnen, was man musikalisch alles hätte anstellen können, wenn man das 80s-Heavy-Metal-Motiv, das sich wie ein roter Faden durch "Love & Thunder" zieht, wirklich ernstgenommen hätte. Aber vielleicht funktioniert der Song auch deshalb so gut, weil der ganze Film sich mehr und mehr am Riemen zu reißen scheint, je länger seine Handlung voranschreitet. Und schließlich einen Showdown bietet, der nicht nur die Oscargewinner Bale und Portman fordert, sondern nunmehr auch Chris Hemsworth, der auf ihm unerwartete Weise eine Antwort auf die von ihm eingangs gestellte Frage erhält, was das alles soll.

Thomas Schultze