Kino

Nachgefragt zum Margot Hielscher Preis: "Würdige Wiederauferstehung"

Zweimal wurde der Margot Hielscher Preis auf dem Filmfest München vergeben, nicht so in diesem Jahr. Der Initiator und Stifter des Preises, Peter Graf von Schall-Riaucour, über die Gründe dafür und seine Pläne, den Preis auch in Zukunft zu vergeben.

04.07.2022 11:42 • von Barbara Schuster
Peter Graf von Schall-Riaucour (Bild: Andreas Rintzner)

Zweimal wurde der Margot Hielscher Preis auf dem Filmfest München vergeben, nicht so in diesem Jahr. Der Initiator und Stifter des Preises, Peter Graf von Schall-Riaucour, über die Gründe dafür und seine Pläne, den Preis auch in Zukunft zu vergeben.

Warum wurde der Margot Hielscher Preis im diesem Jahr nicht vergeben?

Diana Iljine, Leiterin des Filmfest München, informierte mich Ende letzten Jahres, dass der Preis aus Kostengründen, die auch durch mögliche Corona-Beschränkungen in diesem Jahr verursacht würden, nicht mehr im Rahmen des Filmfest stattfinden könne. Ich fand das sehr schade und auch nicht nachvollziehbar. Zum einen hatten wir vertraglich drei Veranstaltungen vereinbart, wobei ich mich verpflichtete, jährlich neben 10.000 Euro für den Preisträger noch einmal dieselbe Summe an das Filmfest für die Organisation zu zahlen. Dazu kamen noch weitere ca. 15.000 Euro, die ich »freiwillig« als sogenannte Nebenkosten beisteuerte. Zum anderen war im Frühjahr schon absehbar, dass die Corona-Maßnahmen im Vergleich zu letztem Jahr, als die Verleihung als Open Air-Event stattfand, weniger ins Gewicht fallen würden.

Was hat die Vergabe des Preises während des Filmfest München für Sie bedeutet?

In Berlin geboren, fühlte sich meine Tante als Münchnerin und lebte hier bis zu ihrem Lebensende. Die Berlinale wäre für mich eine Alternative gewesen, aber da hätte Tantchen im Himmel protestiert. Und außerdem gab es da noch Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude, ein enger Freund meiner Tante, mit dem sie auch schon auf der Bühne stand, der mir die Türen zum Filmfest München öffnete. Natürlich war es für mich 2019 eine ­große Ehre, mit dem Filmfest München, dem zweitgrößten Filmfestival Deutschlands, zum 100. Geburtstag meiner Tante einen Margot Hielscher Preis ins Leben zu rufen. Dafür werde ich Diana Iljine und Christian Ude auch immer dankbar sein.

Werden Sie an dem Preis festhalten?

Ich bin auf meine Tante ausgesprochen stolz. Zu ihrer Zeit war sie eine der wenigen deutschen Weltstars und sie schaffte es, "skandalfrei" durchs Leben zu gehen. Sie drehte 60 Spielfilme, u.a. mit Gene Kelly und Curd Jürgens, wirkte in 200 TV-Produktionen mit, 400 Gesangsaufnahmen sind überliefert, und sie vertrat Deutschland zweimal beim heutigen ESC. Als erste TV-Talkmasterin begrüßte sie Gary Cooper; Leonard Bernstein und Erich Kästner liebten ihre Kartoffelsuppe; Benny Goodman und Kirk Douglas zählten zu ihren engen Freunden. Noch in diesem Jahr nehme ich mit dem Münchner Stadtarchiv Kontakt auf, um ihren Nachlass auch in Form von z.B. zahlreichen Liebesbriefen von Herbert von Karajan sichten zu lassen. Ihre Lebensleistung soll nicht in Vergessenheit geraten, dafür habe ich den Preis ins Leben gerufen.

In welchem Rahmen wird der Preis in Zukunft vergeben? Gibt es neue Partner?

Ja, und darauf freue ich mich. Seit gefühlten 100 Jahren arbeite ich leidenschaftlich für Blickpunkt:Film, gehöre praktisch schon zum Inventar. Mit den jetzigen Verlegern Timo Busch und Torsten Glatz verbindet mich mehr als ein freies Arbeitsverhältnis. Die beiden wollen im Januar 2024 die Diva mit einer glanzvollen Veranstaltung im Bayerischen Hof in München wieder aufleben lassen. In diesem festlichen Rahmen soll der Margot Hielscher Preis eine würdige Wiederauferstehung feiern. In der Jury dürfen dann drei leidenschaftliche Cineasten nicht fehlen, die Blickpunkt:Film-Chefredakteure Uli Höcherl und Tomasso Schultze und Filmjournalistin Marga Boehle, die mich beim letzten Mal beraten hat.

Was erhoffen Sie sich von der Verleihung in der neuen Konstellation?

Mehr internationalen Glamour, an dem es dem Filmfest München leider bis heute fehlt. Für mich ist Timo Busch ein Visionär. Wie er zusammen mit seinem Partner Torsten Glatz den Verlag in den letzten Jahren modernisiert hat, verdient meine Anerkennung. Wenn er die gleiche Energie in die neue Diva steckt, wird München eine Veranstaltung erleben, die den Deutschen Filmball alt aussehen lassen wird.

Welche Leistungen sollen mit dem Preis in Zukunft ausgezeichnet werden?

Meine Tante war ein Multitalent. Daran sollen auch in Zukunft die Preisträger:innen gemessen werden. Die Auszeichnung wird weiterhin an eine herausragende nationale oder internationale Künstlerpersönlichkeit verliehen, die sich bereits in jungen Jahren durch Vielseitigkeit und Leistungen in verschiedenen kulturellen Disziplinen ausgezeichnet hat.