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"The Ordinaries" rockt den Förderpreis

Früh schon hatte "The Ordinaries" als Anwärter auf den Förderpreis Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München gegolten. Jetzt hat sich das Regiedebüt von Sophie Linnenbaum die beiden Hauptpreise gesichert, für Produktion und Regie. Beste Darstellerin ist Lena Schmidtke in "Wut auf Kuba".

01.07.2022 21:14 • von Thomas Schultze
Doppelgewinner in München: "The Ordinaries" (Bild: not, sold.)

Früh schon hatte The Ordinaries" als Anwärter auf den Förderpreis Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München gegolten. Jetzt hat sich das Regiedebüt von Sophie Linnenbaum die beiden Hauptpreise gesichert.

Der mit 20.000 Euro dotierte Produzentenpreis ging an Britta Strampe und Laura Klippel von Bandenfilm. In der Begründung der Jury heißt es im Wortlaut: "Man reibt sich verwundert die Augen: das soll der Abschlussfilm einer Hochschule sein? ,The Ordinaries' hat ein gefühltes Multimillionen-Budget. Das vor und hinter der Kamera versammelte Talent ist unglaublich, die Komplexität auf der gestalterischen Ebene respekteinflößend. Wie haben die beiden Produzentinnen all die beteiligten Menschen überzeugt und überredet? So mühelos der fertige, hoch-originelle Film daherkommt, so schwierig muss er ja zu pitchen gewesen sein! Jenseits der Durchführung ist vor allem beeindruckend, wie die Produzentinnen es geschafft haben die Vision ihrer Regisseurin in allen Herstellungsstufen gemeinsam mit ihr zu beschützen und nicht zu verwässern. Britta Strampe und Laura Kippel von Bandenfilm haben (...) einen gleichermaßen unterhaltsamen wie smarten Film produziert. Geist und Entertainment sind für sie kein Widerspruch. Solche Produzentinnen braucht es - und wir prophezeien den beiden eine große Zukunft!"

Sophie Linnenbaum durfte den mit 30.000 Euro dotierten Regiepreis entgegennehmen. Hier schreibt die Jury: "...eine große Zukunft könnte auch der Regisseurin dieses Films blühen: Sophie Linnenbaum schafft es unter anderem, die überragende Qualität ihrer Mitarbeiter:innen optimal zu bündeln. Kamera, Szenenbild, Kostümbild, eine perfekte Besetzung, eine Tonebene, in der alle Register gezogen werden und sogar Musical-Elemente mit eigenem Score und Choreographie: Die Regisseurin fügt alles zu einem harmonischen Ganzen und glänzt auch selbst mit unzähligen brillanten Regie-Einfällen. Und nimmt sich dennoch immer wieder mal Zeit für die leisen Töne. Weil sie weiß, dass eine gute Komödie nur einen Schritt von der Tragödie entfernt ist."

Beste Darstellerin ist Lena Schmidtke in "Wut auf Kuba", die 10.000 Euro entgegennehmen durfte. Die Jury schreibt: "Why chickens don't fly, ist eine gute Frage. Cuz this chick does fly! In einer Geschichte, die alles andere als gradlinig ist, einem Stoff, der uns immer wieder in die Irre führen möchte, bist du ein so starkes, emotionales Zentrum, so uneitel, so natürlich und so entschlossen, dass man nicht anders kann, als sich mitreißen zu lassen. Mit einem Gesicht, das ich nicht vergessen kann, mit so einem schönen und puren Umgang im Spiel mit den Kindern, wie du strahlst und alle um dich herum zum Strahlen bringst, ist unheimlich besonders. Lena Schmidtke fly fly and kiss the sky."

Und schließlich ging der ebenfalls mit 10.000 Euro dotierte Drehbuchpreis an Florian Plumeyer und Katharina Woll für Alle wollen geliebt werden". Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: "Florian Plumeyer & Katharina Wolls Drehbuch stellt eine Psychotherapeutin ins Zentrum, die es allen recht machen will und dabei selbst auf der Strecke bleibt. Psychotherapeut:innen-Filme sind ja mittlerweile fast ein neues Subgenre, aber die Autor:innen variieren ihren Stoff neu und überraschend: Als etwa eine Patientin partout nicht über ihre Probleme sprechen will, sondern stattdessen lieber ,etwas einnehmen' will, wird deutlich, dass alles Sprechen nur weitere Missverständnisse erzeugt. Und so hat jede Figur in dem Skript ein glaubwürdiges Bedürfnis, das denen der anderen widerspricht. Ein raffiniertes Figurengeflecht aus widerstreitenden Wants & Needs - alle wollen geliebt werden, ja, aber vor allem droht jeder jedem: die Tochter mit Auszug, der Ehemann mit Umzug, die Mutter mit ihrer ganzen Existenz. Die Dialoge des Films sind scharf, glaubwürdig, und gehen an den Kern von Beziehungsgesprächen. Das macht sie so schmerzhaft - und so unterhaltsam. Am Ende ist die Hauptfigur alleine mit ihren Balkonpflanzen - die brauchen nur Wasser und Licht, um zu wachsen - und widersprechen nicht."

In diesem Jahr erfüllten Talente aus dreizehn Filmen, die auf dem Filmfest München ihre Weltpremiere feierten, die Kriterien, um für den Förderpreis Neues Deutsches Kino berücksichtigt zu werden. Über die Auszeichnung entscheid eine dreiköpfige Jury - in diesem Jahr bestehend aus Almila Bagriacik (Schauspielerin), Ingo Fliess (Produzent) und Sönke Wortmann (Regisseur/Produzent) - Wortmann selbst hatte den Preis 1991 gewinnen können für seinen Film Allein unter Frauen".