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DAfF-Vorsitzende Christina Hecke: "Wir sind nichts ohne einander"

Die neue Vorsitzende der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF), Christina Hecke, wendet sich mit ihrer Antrittsrede an die Branche und die Fernseh-Community. Sie setzt unter der verschiedenen Gewerken auf "Einheit in der Vielfalt".

05.07.2022 07:54 • von Michael Müller
Die Vorsitzende der Akademie für Fernsehen: Christina Hecke (Bild: Steffi Henn)

Die Schauspielerin Christina Hecke, die seit März als Vorsitzende der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) die Nachfolgerin von Michael Brandner ist, hat ihre Antrittsworte formuliert. Blickpunkt:Film veröffentlicht sie im Wortlaut:

Liebe Kolleg*Innen, liebe Fernseh-Community,

Zehn Jahre Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen. Ein Moment des Neustarts.

DAS FERNSEHEN.

Was ist das?

Ein Medium, dass sich durch viele tausende Einzelpositionen zu einem Ganzen zusammensetzt.

DAS FERNSEHEN. Das sind Redakteure und Produzenten, GEZ Zahler und Werbepartner, Schauspieler und Regisseure, Dokumentarfilme und Nachrichtensendungen. Anspruch und Unterhaltung. Kostüm und Maske, Kamera und Ton, Licht und Baubühne, VFX und Schnitt, Bühnenbild und Requisite. Autoren und Dramaturgen...

Kurz: DAS SIND WIR.

Fehlt auch nur EIN Department, ist DAS FERNSEHEN nicht möglich.

Was ist ein Film ohne Ton? Was eine Nachrichtensendung ohne Recherche. Was eine Quizshow ohne Kameraoperator? Was ein Film ohne sein Budget? Was ein Sender ohne Sendungen?

WAS IST DAS öffentlich-rechtliche FERNSEHEN OHNE DIE GEBÜHREN? Die STREAMER ohne ihre Abonnenten?

Wir sind NICHTS ohne EINANDER.

Jedes Gewerk ist im Kampf um seine Position auf dem Markt zu Gange. Es geht um Gagen, Aufträge, Inhalte und: Macht. Ein Gefälle, das vom Geld regiert wird, in dem die einen den Anspruch als "Besitzende der Budgets" einnehmen - und die anderen sich als "Haben-Wollende" bewegen. Auf einem Markt, dessen Konsumenten sich deutlich verändern.

Bei alle dem sind wir ohne einander: NICHTS.

Der unserer Arbeit zugrunde liegende GEMEINSAME "Auftrag" wirft die Frage auf: WARUM die Spaltung? WARUM steht die gläserne Wand zwischen Geldgebern und -nehmern? WARUM Berührungsängste statt Intimität?

Wir beklagen eine Gesellschaft, die sich spaltet und auseinander bricht. Wir bilden sie mit. Wir können Vorbild sein.

In der Deutschen Akademie für Fernsehen hat jedes Department seinen Platz. Es wird der Raum geboten in kontroversen wie verbindenden Gesprächen, in Wertschätzung und Zusammenhalt auch in Bewegung zu kommen. Aktuelle Themen wie die Zukunft des Fernsehens, Gender Paygap, Diversity, angemessene Bezahlung, zeitgemäße Inhalte von Filmen, grünes Drehen, Fachkräftemangel, Rechtsgrundlagen etc. etc. in kleinen wie großen Fragen zu beleuchten.

ZUSAMMEN ZU ARBEITEN.

Was einst als "Gegenveranstaltung" zum deutschen Fernsehpreis seine Gründung genommen hat, bewegt das Reaktionäre als längst überwunden und entfaltet sein neues Selbstbewusstsein in seinem wahren Sinne: Eine Akademie FÜR das deutsche Fernsehen.

Jede/r ist die AKADEMIE.

Schaffen wir ein Fernsehen, das zur Einheit in der Vielfalt beiträgt.

Ich sehe dieses Potential und freue mich in diesem Sinne auf alles, was DAS FERNSEHEN im gesamtgesellschaftlichen Sinne voranbringt.

Dafür stehe ich, Christina Hecke, als Vorsitzende eines hier gemeinschaftlich ausgerichteten Vorstandes.