Kino

BFFS macht auf Grenzüberschreitungen am Set aufmerksam und plädiert für Intimacy Coordinating

Anlässlich des morgen stattfindenden Panels "Ein neuer Beruf stellt sich vor: Intimacy Coordinating und die Professionalisierung der Darstellung von Intimität" präsentiert der BFFS eine Studie zum Thema "Erfahrungen von Schauspieler:innen mit Nacktheit und simuliertem Sex". Der Großteil der Befragten plädiert für geschulte Intimacy Coordinators am Set. Denn Grenzverletzungen seien dort eher die Regel als die Ausnahme.

29.06.2022 14:06 • von Barbara Schuster
Leslie Malton vom BFFS ist ebenfalls morgen beim Panel anwesend (Bild: BFFS)

Anlässlich des morgen stattfindenden Panels "Ein neuer Beruf stellt sich vor: Intimacy Coordinating und die Professionalisierung der Darstellung von Intimität" präsentiert der Bundesverband Schauspiel (BFFS) eine Studie zum Thema "Erfahrungen von Schauspieler:innen mit Nacktheit und simuliertem Sex", die der Verband gemeinsam mit dem Institut für Medienforschung der Universität Rostock und dem Culture Change Hub via einer Umfrage unter Schauspielern erarbeitet hat.

Zentrale Ergebnisse sind laut BFFS: vier von fünf weiblichen und etwa die Hälfte der männlichen Schauspieler haben im Beruf Erfahrungen mit Grenzverletzungen, sexueller Belästigung oder sexualisierter Gewalt gemacht. Während der Ausbildung haben laut Studie eine von drei Schauspielerinnen und etwas mehr als ein Sechstel der männlichen Kollegen bei der Darstellung von Intimität, Nacktheit und sexualisierter Gewalt Grenzüberschreitungen erlebt. Fast 70 Prozent der weiblichen Schauspieler und ein Drittel der männlichen Schauspieler haben laut BFFS-Ergebnis Angst, als schwierig zu gelten, wenn sie mit Details bei derartigen Darstellungen nicht oder nur zu bestimmten Bedingungen zustimmen würden.

Ein Beruf wie "Intimacy Coordinating" wird von der großen Mehrheit der Befragten willkommen geheißen. In Deutschland gibt es dafür bereits beim Culture Change Hub die Möglichkeit der Weiterbildung, dessen Leitung Barbara Rohm inne hat.

Rohm erklärt: "Darstellungen von Intimität und sexualisierter Gewalt sind ein sehr verletzlicher Bereich und müssen als Choreografie verstanden und umgesetzt werden. Es muss keine erotische Stimmung erzeugt werden, um mitreißende Szenen zu kreieren. Gutausgebildete Intimacy Coordinator sorgen für eine desexualisierte Arbeitsweise und die Sicherheit, dass innerhalb der professionellen Grenzen von Schauspieler:innen gearbeitet wird. Erst dann kann sich Kreativität wirklich entfalten"

Leslie Malton, BFFS-Vorsitzende, sagt zu den Ergebnissen: "Unsere Umfrage unter Kolleg:innen macht uns nochmal deutlich, wie vulnerabel die schauspielerische Arbeit an diesen herausfordernden Szenen ist. Und dass wir einen professionelleren Arbeitsrahmen brauchen, um Grenzverletzungen für Schauspieler:innen zu vermeiden."

Das Panel findet am 30. Juni ab 14.30 Uhr im Amerikahaus, dem Festivalzentrum des Filmfest München, statt.