Produktion

Abtreibungs-Entscheidung bringt Hollywood auf die Barrikaden

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, eine fast 50 Jahre alte Grundsatzentscheidung zu kippen und den Bundesstaaten das Recht einzuräumen, Schwangerschaftsabbrüche komplett zu untersagen, sorgt auch in Hollywood für einen Schockzustand.

25.06.2022 17:10 • von Marc Mensch
Nach der Verkündung der Entscheidung kam es in vielen US-Städten (wie hier in Los Angeles) zu Protestkundgebungen (Bild: IMAGO/UPI Photo)

Trump mag aktuell nicht an der Macht sein, aber vor allem die in seiner Amtszeit vorgenommenen drei Neubesetzungen am Obersten Gerichtshof werden die Rechtslage in den USA massiv und langfristig prägen - das zeigte sich nun wieder bei der von Exkonservativen gefeierten Entscheidung des Supreme Court (die mit den Stimmen der konservativen Richter erging), mit der das Grundsatzurteil "Roe v. Wade" aus den 1970er Jahren aufgehoben wurde, das Abtreibungen in den USA landesweit legalisierte. Nun also steht den US-Bundesstaaten das Recht zu, Abtreibungen in Gänze zu verbieten - beispielsweise auch in Fällen von Vergewaltigung und Inzest - und etwa die Hälfte der Staaten wird davon nach derzeitigem Stand auch Gebrauch machen (wenngleich nicht zwangsweise jeweils in vollster Konsequenz).

Die Reaktionen von der anderen Seite des politischen Spektrums lassen sich knapp mit einem Tweet des Mehrheitsführers der Demokraten im Senat auf den Punkt bringen: "Heute ist einer der dunkelsten Tage, die unser Land je gesehen hat", schrieb Chuck Schumer. Präsident Joe Biden erklärte, der Gerichtshof bringe damit "die Gesundheit und das Leben von Frauen in Gefahr".

Die Reaktionen aus der kreativen Gemeinschaft Hollywoods lassen sich - auch wenn das Drama absehbar war - durchaus mit einem Schockzustand beschreiben, der sich womöglich am besten in einem simplen Tweet von Stephen King ausdrückt: "Welcome to The Handmaid's Tale".

Bereits jetzt haben die meisten großen Hollywood-Unternehmen ihre Angestellten darüber informiert, dass sie im Falle eines Falles die Reisekosten für diejenigen unter ihnen übernehmen würden, die für eine legale Abtreibung in einen anderen Bundesstaat reisen müssten, darunter Walt Disney, Warner Bros. Discovery, Netflix, Comcast, Paramount, Sony oder die Agenturen WME, CAA und UTA.

Tatsächlich könnte das Urteil auch Verwerfungen in der US-Produktionslandschaft nach sich ziehen. So hatten mehrere Konzerne (unter anderem Walt Disney) einen Rückzug ihrer Produktionsaktivitäten aus der Filmmetropole Georgia angedroht, sollte ein Gesetz, das die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen stark einschränkt (wobei Georgia, anders als andere US-Bundesstaaten, wenigstens noch gewisse Ausnahmen u.a. bei Vergewaltigung vorsieht) tatsächlich in Kraft treten - vor dieser Situation steht man jetzt tatsächlich. Nun wird sich zeigen, ob Worten Taten folgen. Wobei sich republikanische Gesetzgeber zuletzt sogar schon für Worte gerächt haben...