Kino

Cinema Vision 2030: Jedes Prozent hilft!

Weshalb gehen Nachhaltigkeit und Inklusion Hand in Hand? Wie kann sich verantwortungsbewusstes Handeln auch in der Bilanz auszahlen? Und warum macht es Sinn für Kinomacher:innen, an ihrem grünen Daumen zu feilen? Jede Menge Anregungen gab es zum Abschluss der Innovationskonferenz.

27.06.2022 09:23 • von Marc Mensch
Im Depot erfüllt der Garten nicht nur ökologische Zwecke (Bild: BF)

Es gilt in Großbritannien als eines der absoluten Vorzeigehäuser in Sachen Nachhaltigkeit: das Depot in der südenglischen Kleinstadt Lewes, angesiedelt in einer ehemaligen Brauerei. Die Liste der dort umgesetzten Maßnahmen ist lang und reicht von der Nutzung von Geothermie und einer eigenen Photovoltaikanlage über die Trennung des Mülls in acht unterschiedliche Sorten und die Verwendung möglichst energieeffizienter Projektionstechnologie bis hin zu einer automatisierten Gebäudesteuerung, die diverse Systeme (nur) nach Bedarf aktiviert. Im Depot wird auf Luftzirkulation statt Kühlung gesetzt - und eines der Alleinstellungsmerkmale ist ein wildes Gründach.

Gerade letzteres verbindet gleich mehrere Funktionen - denn neben den ökologischen Benefits wird dessen Pflege auch für inklusive Gemeinschaftsprojekte genutzt. Ein Ansatz, der nicht nur bei Rico-Johnson Sinclair (Race Equality Lead des British Film Institute) bei der Innovationskonferenz Cinema Vision 2030 auf enorme Zustimmung stieß. Sondern auch im Publikum. Denn es handelt sich um eine Idee, die keinen großen monetären Aufwand erfordert - sondern nur Engagement (und etwas Fläche). Und am Ende mag es nur ein kleines Puzzlestück sein. Aber letztlich geht es auch genau darum, wie Director & Programmer Carmen Slijpen deutlich machte: Die Zusammenfügung eines Gesamtbildes aus vielen unterschiedlichen, teils auch sehr kleinen Teilen. So liefert etwa die Photovoltaikanlage mit 3000 Kwh gerade einmal ein Prozent des Energieverbrauchs. Allerdings summiere sich auch das - und setze vor allem ein Zeichen in der Öffentlichkeit.

Lohn der vielen Mühen (die Mülltrennung nach Kinderfilmen etwa zähle nicht gerade zu den favorisierten Tätigkeiten der Beschäftigten) sind beileibe nicht nur Einsparungen beim Energieverbrauch und ein gutes Gewissen - sondern die mit diversen Auszeichnungen und Berichten verbundene Publicity zahle sich direkt aus, nicht zuletzt über eine stärkere Bindung der Gemeinschaft an "ihr" Haus. Denn, so Slijpen - die übrigens ebenfalls in den Chor jener einstimmte, die klipp und klar feststellten, dass es nicht mehr reicht, einfach nur Filme zu zeigen: "Am Ende geht es in unserem Metier immer auch um Menschen, um Gemeinschaften!" Ganz in diesem Sinne erhalten Kinder aus einkommensschwachen Familien während der Ferien im Depot auch einen Ersatz für die sonstigen Schulmahlzeiten.

Am Ende war Slijpens Rezept sehr vergleichbar mit jenem, dass Sinclair für seinen Bereich skizzierte: Erfolg beginnt damit, sich alle denkbaren Handlungsoptionen vor Augen zu halten. Eine nachhaltigere, inklusivere Lösung werde sich finden, wenn man danach suche.