Kino

50 Jahre Liebe für das Kino

Auch wenn man sich hätte wünschen mögen, dass der Anlass unter einem besseren Stern gestanden wäre: Die Feier zum Gründungsjubiläum der AG Kino war gerade auch Ausdruck der berechtigten Zuversicht, dass das Kino die aktuellen Krisen bewältigen kann und wird. Einen Schlüsselfaktor dazu benannte Volker Schlöndorff.

24.06.2022 07:46 • von Marc Mensch
Meltem Kaptan und Volker Schlöndorff gratulierten der AG Kino (Bild: Valentin Paster)

Keine Frage - die aktuellen Zahlen aus dem deutschen Kinomarkt bieten nun nicht gerade Anlass zum Jubel. Und Christian Bräuer nimmt generell kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Herausforderungen klar zu adressieren: Die Pandemie ist beileibe nicht beendet, die Klimakrise fordert entschlossenes Handeln, der russische Vernichtungsfeldzug hält die Welt in Atem.

Anlass zu feiern bot das 50-jährige Gründungsjubiläum der AG Kino dennoch - nicht zuletzt deswegen, weil es gerade auch engagierter Verbandsarbeit geschuldet ist, dass die Arthouse- und Programmkinos die Krise(n) der jüngsten Vergangenheit bislang so gut meistern konnten. So wurden auch bei diesem Festakt die Augen in keiner Weise vor der schwierigen Lage, in der sich die Kinos derzeit noch befinden, verschlossen. Und doch durfte man gerade aus dem Blick auf das in fünf Jahrzehnten Geleistete Zuversicht schöpfen, dass sich auch die historisch großen Schwierigkeiten, die Pandemie und Krieg über die Kinos hereinbrechen ließen, gemeistert werden können - auch wenn dafür viel Energie vonnöten sein wird.

Viel Energie steckte 1972 auch hinter dem Zusammenschluss von nicht einmal zehn Gründungsmitgliedern, die sich von Anfang an auf die Fahnen geschrieben hatten, etablierte Strukturen zu hinterfragen und vorausschauend zu agieren. Heute stehen hinter dem zum 1. Januar 2004 zur AG Kino-Gilde fusionierten Verband 381 Kinos mit 865 Leinwänden, die nach wie vor dieselben Werte wie vor fünf Jahrzehnten einen: Als Orte der Zusammenkunft Raum für Debatten zu schaffen, Partner der Kreativen zu sein.

Als aktueller Vorstandsvorsitzender erinnerte Christian Bräuer in seiner Ansprache bei der Feier im Tipi am Kanzleramt an diverse bedeutende Meilensteine, wie den Beitritt zur CICAE in den frühen 1990ern, die Etablierung der Filmkunstmesse ab 2001 oder als aktuellem Höhepunkt die Innovationskonferenz Cinema Vision 2030. Und an entscheidende Wegbereiter wie unter anderem seine beiden Amtsvorgänger Werner Grassmann und Detlef Roßmann sowie die viel zu früh verstorbene Eva Matlok.

Wo Kino am Scheideweg stehe, sich in einer Welt im radikal beschleunigten Wandel zurechtfinden müsse, stimmten ihn vor allem zwei ganz zentrale Aspekte optimistisch: Das Kinoerlebnis an sich habe sich nicht verändert - und ebensowenig die unverzichtbare Rolle des Kinos als Herzkammer der Filmkultur.

Respekt vor jahrzehntelangem, leidenschaftlichen Engagement übermittelte Kulturstaatsministerin Claudia Roth in einer Grußbotschaft, in der sie der AG Kino-Gilde als "wichtigem und verlässlichem Ansprechpartner" gratulierte - verbunden mit dem Versprechen, stets ein Partner der Arthouse-Kinos und der Kinos in der Fläche zu sein. FFA-Präsident Bernd Neumann wiederum bescheinigte Bräuer, der "wohl hartnäckigste Lobbyist im FFA-Präsidium" zu sein, den man sich vorstellen könne.

Ganz besondere Geburtstagsgrüße kamen am Vorabend der Verleihung des Deutschen Filmpreises von Meltem Kaptan, die für ihre Rolle in Rabiye Kurnaz gegen George W Bush" auf eine Lola hoffen darf. Und von Volker Schlöndorff, der seit April mit seinem Dokumentarfilmdebüt Der Waldmacher" in den Kinos vertreten ist. Er adelte das Leinwanderlebnis auf besondere Weise. Denn "Film", so der Oscar-Preisträger, "ist eine tote Angelegenheit, solange kein Publikum da ist. Das Publikum haucht dem Film Leben ein!" Und auch eine ganz konkrete Ansage für die Zukunft der Kinos hatte er im Gepäck: "Wir brauchen junge Theaterleiter und Theaterleiterinnen, die in der digitalen Welt unterwegs sind. Denn eine Hauptaufgabe ist es, eine neue Generation an Besuchern heranzuziehen." Recht hat er.