Kino

Cinema Vision 2030: Gemeinschaft beflügelt!

Wie können Kinos Neugier auf die gesamte Breite ihres Angebots wecken; wie die Besuchsfrequenz erhöhen? Fragen, die aktuell drängender sind denn je. Dass Abo-Offerten eine ernsthafte Antwort sein können, zeigt das niederländische Projekt Cineville - das demnächst auch in Brüssel und Wien startet.

23.06.2022 17:21 • von Marc Mensch
"Cineville" ist ein Modell, das seinen Nutzen in den Niederlanden seit Jahren unter Beweis stellt (Bild: BF)

Über das niederländische Kino-Abo Cineville haben wir in jüngerer Vergangenheit bereits mehrfach berichtet, zuletzt unter anderem anlässlich des bevorstehenden Starts in Österreich; einen sehr ausführlichen Bericht zu diesem Modell finden Sie an dieser Stelle. Und damit wäre beinahe schon alles gesagt. Nicht zumindest manches davon kurz im Kontext der Cinema Vision 2030 zu wiederholen, wäre allerdings schon deshalb verfehlt, weil gerade diese Anregung auf breites Interesse und absolute Bereitschaft auch deutscher Betreiber stieß, eine Adaption wenigstens in Erwägung zu ziehen.

Darum kurz noch einmal zu den Eckdaten: Das All-you-can-watch-Kinoabo Cineville wurde 2009 im Verbund von 13 Amsterdamer Kinos an den Start gebracht, heute zählt das Netzwerk mehr als 50 Häuser in den Niederlanden und gut 52.000 Mitglieder. In der absoluten Mehrheit extrem treue Mitglieder: Denn selbst während mehrerer Lockdowns entschlossen sich ganze 70 Prozent von ihnen, ihre Abos zum Preis von 21 Euro pro Monat (bzw. 17,50 Euro für Student:innen) nicht zu pausieren, sondern die Kinos auch in Zeiten ohne Vorstellung auf diese Weise zu unterstützen - und schon im Oktober vergangenen Jahres war wieder die Zahl aktiver Abos aus dem März 2020 erreicht. In regulären Jahren stand Cineville zuletzt für 1,5 Mio. Besuche, ein Drittel der in den beteiligten Kinos verkauften Tickets - und für durchschnittlich 2,5 Besuche pro Abo. Nicht im Jahr, sondern pro Monat, wie Frank Groot, Financial Director & Programmer Kino Rotterdam und Vorsitzender von Cineville, in Berlin schilderte. Ein Durchschnitt, der auch einem ganz entscheidenden Effekt zu verdanken ist: Das Spektrum an nachgefragten Filmen vergrößerte sich unter den Abo-Nutzer:innen deutlich.

Ein Selbstläufer war die 2008 aufgesetzte Idee laut Groot erwartungsgemäß nicht. Schließlich galt es, die Partner im Verleih davon zu überzeugen, dass der niedrigere Deckungsbeitrag pro Ticket durch einen Besuchszuwachs mehr als nur ausgeglichen würde. Über die Jahre habe man jedoch den eindeutigen Beweis liefern können.

Möglich wurde dies in der Gemeinschaft. Dadurch, dass viele Kinos - und darunter beileibe nicht nur Arthouse-Standorte - an einem Strang zogen, anstatt den Konkurrenzkampf um den einzelnen Besucher im Auge zu haben. Die Zusammenarbeit bot dabei nicht zuletzt auch die Chance zur konzertierten Imagepflege und dank der gewonnenen Daten-Insights gerade auch zur Aufsetzung wirksamerer Kampagnen, der Identifizierung von Bedürfnissen der Gäste und der Gestaltung der so wichtigen Events rund um eine Filmliebhaber-Gemeinschaft, die durch das Abomodell motiviert wurde, den eigenen cineastischen Blick noch weiter schweifen zu lassen, als bislang. Mit anderen Worten: Eine Anregung, über die - so zumindest der Eindruck vor Ort in Berlin - auch in Deutschland noch gesprochen werden wird.