Produktion

Im Streit mit Netflix & Co.: BVR springt dänischen Kolleg:innen zur Seite

Aus Protest gegen die geltenden tariflichen Regelungen für Regisseur:innen und Filmschaffende haben Netflix, Viaplay und TV2 Play Produktionsvorhaben in Dänemark auf Eis gelegt. Im Kampf um angemessene Vergütungen erhalten die Filmurheber in Dänemark nun auch Unterstützung vom Bundesverband Regie.

23.06.2022 15:35 • von Jochen Müller
Jobst Oetzmann, Beirat des Bundesverband Regie (Bild: BVR)

"Das ist ein direkter Angriff auf den gesetzlichen Anspruch auf angemessene Vergütung in ganz Europa", kommentiert Jobst Oetzmann, Beirat des Bundesverband Regie (BVR), den jüngst von Streaminganbietern wie Netflix, Viaplay und TV2 Play ausgerufenen Boykott dänischer Produktionen.

Was war passiert?

Im Januar hatte Create Denmark, die Dachorganisation der Filmurheber und Schauspieler, mit der dänischen Produzentenvereinigung einen auf bisherige Regelungen und die EU-DSM-Richtlinie gestützten Vertrag zur angemessenen Vergütung im Bereich Streaming abgeschlossen. Dieser sieht nicht nur ein pauschales Honorar und "vielleicht eine schmale Erfolgsbeteiligung", wie es in der BVR-Mitteilung heißt, vor, sondern eine weitergehende Vergütung je nach Territorium und Abonnentenzahl des jeweiligen Streamingdienstes.

Regelungen, die die oben genannten Streamingdienste nicht akzeptieren wollen. Und um dem Nachdruck zu verleihen, haben sie nun Produktionsvorhaben in Dänemark auf Eis gelegt. Ein Vorgehen, dass der BVR als "in seiner Stoßrichtung gegen die Filmurheber schlicht ungeheuerlich" nennt.

Jobst Oetzman empfiehlt da einen Blick über den großen Teich: "Demgegenüber zahlen Streamer in den USA an Regisseure und Filmschaffende hohe Erlösbeteiligungen, die sog. Residuals, von denen die Europäer nur träumen können." Und weiter: "Geltende Regelungen sollen verdrängt werden und die europäischen Regisseurinnen und Regisseure sollen sich mit Vergütungen bescheiden, die den großen Playern gefallen."