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KOMMENTAR: Das Mekka für Kinoabenteurer

Vorhang auf für die 39. Ausgabe des Filmfest München! Die Erschwernisse der Coronazeit stecken den Festivalmachern an der Isar noch in den Knochen. Zwei Jahre durften sie nur ein Filmfest mit angezogenen Bremsen veranstalten.

23.06.2022 07:32 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Vorhang auf für die 39. Ausgabe des Filmfest München! Die Erschwernisse der Coronazeit stecken den Festivalmachern an der Isar noch in den Knochen. Zwei Jahre durften sie nur ein Filmfest mit angezogenen Bremsen veranstalten. Letztes Jahr gab es immerhin eine Open-Air-Ausgabe - mit wenigen überdachten Leinwänden, die in letzter Sekunde noch mitspielen durften. Dabei konnte man die Filmbegeisterung des Münchner und zugereisten Publikums erleben, das bei Platzregen erst flüchtete, wenn der Sitzplatz überschwemmt zu werden drohte.

Dieses Jahr ist alles wieder wie sonst, aber gleichzeitig auch alles anders. 35 Weltpremieren kann München seinen Fans bieten und beinahe 120 Filme aus Deutschland und aller Welt. Schon der Eröffnungsfilm, Corsage" von Marie Kreutzer, ist ein Erlebnis und hat gerade erst in Cannes die Kritik begeistert. Allein von der Croisette stammen 19 Entdeckungen, die nun erstmals hierzulande gezeigt werden. Neu gefeiert werden die CineRebels, unangepasste Filmemacher, die die Grenzen der Filmkunst ausloten wollen. Diversität und Gendergerechtigkeit hat sich das Filmfest genauso auf die Fahnen geschrieben, wie den Anspruch, die Trends im Weltkino und im deutschen Film abzubilden und gerade den jungen Filmemacher:innen Gelegenheit zu geben, sich mit der Branche zu vernetzen. Die kehrt wild entschlossen an die Isar zurück mit Parties und Begegnungen fast im Stundentakt.

Gerade das ist auch einer der Vorzüge des Filmfest München gegenüber der Berlinale, sich ungezwungen zu treffen, die Filme von Kolleg:innen zu begutachten und am Isarstrand oder an nächtlichen Theken zu diskutieren. In München trifft man sich mit seinen neuen Produktionen und kommenden Projekten. Das neue deutsche Kino braucht jetzt die Unterstützung der Politik genauso wie das neue deutsche Fernsehen. Die Budgetkürzungen des letzten Jahres tun Stadt und Staat hoffentlich schon leid. Bestimmt sparen sie, um nächstes Jahr ein rauschendes 40. Jubiläum zu ermöglichen, bei dem die abenteuerliche und ungebrochene Zukunft des Kinos gefeiert werden kann.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur